Pressemitteilung
IHK-Konjunkturumfrage: Geschäftslage hellt sich auf - Zuversicht bleibt aus
Wirtschaft braucht konkrete Reformen statt weiterer Ankündigungen
Elbe-Weser-Raum (IHK). Nach den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Elbe-Weser hat sich die Stimmung in mehreren Branchen verbessert. Die Erwartungshaltung verbessert sich auch, bleibt unterm Strich aber weiterhin pessimistisch.
Branchenübergreifend sprechen knapp ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent; zuvor: 19 Prozent) von einem guten Quartalsverlauf, 55 Prozent sind zufrieden. Auf der anderen Seite bewerten 21 Prozent (zuvor: 25 Prozent) ihre Lage als schlecht. „Der Saldo aus positiver und negativer Lageeinschätzung liegt damit erstmals seit fünf Quartalen wieder im positiven Bereich“, sagt IHK-Volkswirt Henrik Gerken.
Der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass sich die Stimmung in der Industrie, im Baugewerbe sowie in einigen Dienstleistungssegmenten verbessert hat. Während der Großhandel überwiegend zufrieden ist, bewertet jeder zweite Einzelhändler seine Lage als schlecht. „Die Inflation ist in Deutschland im September erstmals seit fast drei Jahren auf über drei Prozent angestiegen“, berichtet Gerken. „Die steigenden Lebenshaltungskosten bremsen den Konsum“. So berichten fast acht von zehn Einzelhändlern von einer geringen Konsumneigung ihrer Kunden.
„Die Erwartungshaltung der Unternehmen kann sich zwar auch verbessern, der Saldo aus Optimismus und Pessimismus bleibt aber weiterhin im Minus“, erklärt Henrik Gerken. Wie im Vorquartal gehen 38 Prozent der Betriebe von einer eher ungünstigeren Entwicklung aus. Demgegenüber stehen zwölf Prozent (zuvor sieben Prozent), die mit einer Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden Monaten rechnen. Rund jedes zweite Unternehmen erwartet eine ähnliche Entwicklung wie bisher.
Sorgen bereitet den Unternehmen die nach wie vor die unsichere Lage in Nahost, in dessen Folge es immer wieder zu starken Preisausschlägen bei Öl und Gas kommen kann. Trotz der seit Anfang Oktober in Kraft getretenen Steuersenkung auf Benzin und Diesel, sehen 71 Prozent der Betriebe in den Energie- und Rohstoffpreisen ein erhebliches Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung.
Durch internationale Krisen gerät der europäische Binnenmarkt in den Fokus. „Der EU-Binnenmarkt ist der größte Binnenmarkt der Welt“, sagt Gerken. „Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten liegt eine unserer größten wirtschaftlichen Chancen direkt vor unserer Haustür: der europäische Binnenmarkt. Wir müssen dieses enorme Potenzial endlich besser nutzen. Weniger Bürokratie und mehr gemeinsamer Markt – das wäre ein echtes europäisches Wachstumsprogramm“, ergänzt Christoph von Speßhardt. Der IHK-Hauptgeschäftsführer freut sich, dass die EU-Kommission im Sommer eine Binnenmarkt-Strategie vorgelegt hat, wie dieser gestärkt und Hindernisse für Handel und Investitionen abgebaut werden können.
Darüber hinaus bemängeln 70 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Weitere kritische Punkte sind aus Sicht der Betriebe die schwache Binnennachfrage sowie die hohen Arbeitskosten.
Von Speßhardt macht deutlich: „Die Lage hellt sich etwas auf, aber von echter Zuversicht sind unsere Unternehmen noch weit entfernt. Das muss die Politik wachrütteln. Wir brauchen jetzt keine weiteren Reformankündigungen, sondern konkrete Ergebnisse: weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Energiepreise und mehr Freiraum für unternehmerisches Handeln. Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch Taten.“
Information zur Umfrage: 365 Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum wurden befragt; 194 Unternehmen haben geantwortet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 53,2 Prozent.
