Pressemitteilung

Mehr Insolvenzverfahren im Elbe-Weser-Raum

Viele Betriebe mit stabiler Finanzlage

Elbe-Weser-Raum (IHK). Die Anzahl der Insolvenzverfahren im Elbe-Weser-Raum hat im ersten Quartal 2026 zugenommen. Laut IHK-Konjunkturumfrage ist die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin schwierig. Dennoch verfügt ein Großteil der Unternehmen über eine stabile Finanzlage.
Die Wirtschaft im Elbe-Weser-Raum befindet sich schon seit mehreren Quartalen auf einem niedrigen Niveau. Hohe Arbeitskosten, eine schwache Nachfrage und überbordende Bürokratie bremsen die Entwicklung. „Durch den Krieg im Nahen Osten kommt nun erschwerend hinzu, dass höhere Energie-, Rohstoff- und Transportpreise strukturelle Defizite verstärken und viele Unternehmen zusätzlich unter Druck setzen“, berichtet Henrik Gerken, Volkswirt der IHK Elbe-Weser. „Für einige Betriebe ist der Kostendruck inzwischen so groß, dass die finanziellen Reserven nicht mehr reichen“, ergänzt Arne Reinecker, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der Unternehmensförderung.
Negative Entwicklung über dem niedersächsischen Niveau
Im Vergleich zum Vorjahrjahreszeitraum hat der Anteil von Unternehmen im Elbe-Weser-Raum, die überschuldet oder zahlungsunfähig sind oder denen eine Zahlungsunfähigkeit droht, von Januar bis März 2026 um ein Fünftel zugenommen. „Der Elbe-Weser-Raum liegt damit oberhalb der Entwicklung im Rest des Landes“, so Gerken. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) beantragten 48 Unternehmen bei den Amtsgerichten im Elbe-Weser-Raum die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Dies waren acht Unternehmen mehr als im ersten Quartal 2025. „So hoch lag die Anzahl der beantragten Insolvenzverfahren im ersten Quartal seit 2017 nicht mehr.“ Darüber hinaus haben noch 57 ehemals selbständig Tätige Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt (16,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum).
Einen erfreulichen Aspekt zieht der IHK-Volkswirt aus der IHK-Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2026: „Trotz der schwachen wirtschaftlichen Situation bleibt die Finanzlage der Unternehmen insgesamt stabil.“ Branchenübergreifend schätzen knapp sieben von zehn Unternehmen ihre Finanzlage als unproblematisch ein. Sofern sie ihre Situation als problematisch einstufen, melden 10,6 Prozent zunehmende Forderungsausfälle, 12,8 Prozent Liquiditätsengpässe und 14,3 Prozent einen Eigenkapitalrückgang. Ebenso viele (14,4 Prozent) berichten von einem erschwerten Fremdkapitalzugang.
Manche Branchen besonders betroffen
Auffällig ist jedoch, dass im Verkehrsgewerbe der Anteil der betroffenen Unternehmen bei allen Risiken rund doppelt so hoch liegt. Das Grundstücks- und Wohnungswesen hat ebenfalls mit mehreren Herausforderungen zu kämpfen. Liquiditätsengpässe betreffen ferner auch Teile des Gastgewerbes sowie des Einzelhandels. „Wir sehen zwei Realitäten: Viele Unternehmen kommen gut durch die aktuelle Lage. Gleichzeitig verdichten sich in einigen Branchen die Risiken. Entscheidend ist jetzt, Probleme frühzeitig offenzulegen und Restrukturierung konsequent anzugehen – bevor finanzielle Risiken zu einer existenziellen Krise werden“, rät Arne Reinecker.
IHK in Sorge
Branchenübergreifend haben zwar nur zwei Prozent der Unternehmen in der Konjunkturumfrage angegeben, dass sie sich von einer Insolvenz bedroht sehen. Dennoch sehen Gerken und Reinecker den Anstieg der Unternehmensinsolvenzen im Elbe‑Weser‑Raum mit Sorge. „Er fällt in eine Phase, in der die Kostenbelastung hoch ist und Betriebe zunehmend über Finanzierungshürden und Liquiditätsengpässe berichten – das kann sich, zeitversetzt, in mehr Insolvenzfällen niederschlagen.“