Fachkräftesituation im Elbe-Weser-Raum

Dekarbonisierung, Digitalisierung sowie die demografische Entwicklung stellen Unternehmen sowohl bereits heute als auch künftig vor große Herausforderungen. Sie werden sich auch maßgeblich auf das Fachkräfteangebot auswirken.

Warum ist der Fachkräftemangel ein Risiko für die Wirtschaft?

Qualifizierte Fachkräfte sind ein wichtiger Baustein für unternehmerischen Erfolg. Wie unsere Auswertung zur Fachkräftesituation im Elbe-Weser-Raum (nicht barrierefrei, PDF-Datei · 793 KB) zeigt, besteht die Herausforderung der Fachkräftesicherung schon seit einiger Zeit. Die Betriebe sorgen sich zunehmend, keine geeigneten Fachkräfte mehr zu finden. Branchenübergreifend beklagt etwas mehr als jedes zweite Unternehmen, dass es Probleme bei der Stellenbesetzung hat.
Darüber hinaus wird sich allein aufgrund der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren der Handlungsdruck erheblich verstärken. Die Bevölkerung im Elbe-Weser-Raum wird älter, gleichzeitig kommen weniger junge Menschen nach. In der Folge sinkt die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter.
Bleiben offene Stellen längerfristig unbesetzt, führt das in erster Linie zu einer Mehrbelastung der vorhandenen Belegschaft. Gleichzeitig begrenzt es die Produktionsmöglichkeiten der Unternehmen. Aufträge sind mit langen Wartezeiten verbunden oder müssen abgelehnt werden. Der Fachkräftemangel wird damit zur Wachstumsbremse für die Unternehmen.
Verschiedene Angebote unterstützen die Unternehmen im Elbe-Weser-Raum bei der Fachkräftesicherung. Die IHK Elbe-Weser berät ihre Mitgliedsunternehmen, zeigt Möglichkeiten auf und gibt Handlungshilfen für die ersten Schritte an die Hand.

Was muss getan werden, um ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten?

Um die Arbeits- und Fachkräftesituation zu verbessern, muss an verschiedenen Stellschrauben gedreht werden. Ältere Menschen einzustellen oder diese länger im Betrieb zu halten, kann eine Möglichkeit sein, Personalbedarfe zu decken. Im Rahmen der Konjunkturumfrage im dritten Quartal 2025 haben Unternehmen aus dem Elbe-Weser-Raum beantwortet, welche Maßnahmen ihnen dabei helfen würden.
Aus Sicht der Betriebe könnte es helfen, ältere Beschäftigte länger im Erwerbsleben zu halten, wenn diese von steuerlichen Vorteilen profitieren (72 Prozent). Insofern gehe die kürzlich vom Kabinett verabschiedete „Aktivrente“ in die richtige Richtung. Damit sollen Rentner künftig steuerfrei bis zu 2.000 Euro monatlich hinzuverdienen können. Knapp sechs von zehn Unternehmen sprechen sich dafür aus, dass Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung bei der Beschäftigung im Rentenalter wegfallen, um auch Arbeitgebern einen finanziellen Vorteil zu gewähren.
Die verschiedenen Maßnahmen der Rentenpolitik sollten sich aber nicht widersprechen. Neben einer Erhöhung des Renteneintrittsalters (29 Prozent) spricht sich deshalb knapp ein Drittel der Unternehmen dafür aus, dass Anreize zu einem vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben abgeschafft bzw. eingeschränkt werden, allen voran die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren (sog. „Rente mit 63“).
Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schafft, indem sie beispielsweise die befristete Weiterbeschäftigung nach dem Renteneintritt erleichtere. Sechs von zehn Unternehmen plädieren dafür, dass so genannte Vorbeschäftigungsverbot aufzuheben. Auf diese Weise können Beschäftigte, die die Regelaltersgrenze erreicht haben, im Rentenalter sachgrundlos befristet bei ihrem vorherigen Arbeitgeber beschäftigt werden. Dieses Vorhaben ist Teil des Rentenpakets 2025 der Bundesregierung, welches sich im Herbst 2025 im politischen Prozess befindet. Allerdings ist zu hinterfragen, ob die zeitliche Vorgabe von bis zu acht Jahren bzw. die Anzahleinschränkung auf zwölf befristete Arbeitsverträge bei dem geplanten Vorhaben erforderlich ist. Neue Bürokratielasten sollten nicht geschaffen werden.