Internationalisierung und globaler Handel
Das Positionspapier „Internationalisierung und globaler Handel“ der IHK Dresden zeigt, wie stark Sachsen als exportorientierter Standort in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden ist – längst auch über klassische Industrie hinaus. Es ordnet aktuelle Entwicklungen ein und beschreibt, warum verlässliche Wirtschaftsbeziehungen zu EU-Partnern und Drittstaaten für die Unternehmen in der Region zentral sind.
Die 6 Maßnahmen im Überblick
- Geschäftsreisen erleichtern – Visaprozesse unternehmensnäher organisieren (z. B. Sammeltermine für Delegationen, priorisierte Bearbeitung, mehr Personal in Botschaften/Konsulaten).
- Europäischen Freihandel voranbringen – FTAs als verlässliche Basis für KMU beschleunigen/ratifizieren, Marktzugang sichern, Rohstoff- und Investitionsschutz stärken, auch Etappenabschlüsse prüfen.
- Multilateralismus fördern – WTO reformieren und wiederbeleben – moderne globale Handelsregeln, Streitbeilegung stärken, Subventionsregeln präzisieren und KMU-Belange stärker berücksichtigen.
- Europas Wirtschaft zukunftssicher machen – strategischen Rahmen für wirtschaftliche Sicherheit/Resilienz schaffen, Abhängigkeiten reduzieren und Instrumente zur Risikoabsicherung stärker nutzen.
- Unlauteren Handelspraktiken begegnen – Zoll- und Vollzugsbehörden stärken, Interoperabilität ausbauen, konsequent gegen Dumping, gefälschte Zertifizierung und Zollumgehung vorgehen.
- Rechtsstaatlichkeit fördern – Instrumente (z. B. Sanktionen, Abkommen, Entwicklungszusammenarbeit) wirksamer einsetzen; EU-weit harmonisierte Anwendung (z. B. Exportkontrolle) und bessere Regulatorik.
Status quo/aktuelle Situation für Unternehmen
Als Wirtschaftsstandort ist Sachsen stark exportorientiert und die Wertschöpfungsketten Sachsens sind international eng verflochten. Dies gilt in besonderem Maß für die Verflechtung von Kapital- und Handelsströmen innerhalb der EU-27. Vornehmlich KMU mit industriellen Geschäftsmodellen nutzen die Internationalisierung ihrer Unternehmen, Geschäftsmodell, Kapitalstrukturen, Entwicklungskooperation und Kunden- sowie Lieferantenbeziehungen gezielt als Instrument zur Erfolgssicherung. Durch Entwicklungen wie „X as a Service“ und plattformgetriebene Geschäftsmodelle nutzen vermehrt auch Unternehmen des lokalen Dienstleistungs- und Handelssektor Internationalisierung. Die sächsische Wirtschaftsleistung wird zu rund einem Drittel im Export erwirtschaftet.
Innerhalb des Europäischen Binnenmarktes und hier besonders mit den sächsischen Nachbarstaaten (Polen u. Tschechien) bestehen unbestritten die wichtigsten und intensivsten Wirtschaftsverflechtungen. Für nachhaltigen Wohlstand in Sachsen und wirtschaftlichen Erfolg der Mitgliedsunternehmen der IHK Dresden sind sichere und verlässliche Wirtschaftsbeziehungen zu Drittstaaten essenziell und nicht zu vernachlässigen.
Probleme, Herausforderungen und zukünftige Trends
Vornehmlich liegen die Herausforderungen in der Wechselwirkung der grundlegenden Transformation der Europäischen Wirtschaft, der infrage gestellten Standardsetzungsmacht der Europäischen Wirtschaft und der sich verändernden Wettbewerbsgrundlagen. Im Handel und in der Kooperation mit Unternehmen aus Drittstaaten ist es erforderlich, dass sich insbesondere KMU auf ein global durchsetzungsstarkes europäisches „Level Playing Field“ verlassen können. Mit Blick auf eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft stellt diese europäische Durchsetzungsstärke eine elementare Rolle bei der Gestaltung der Zusammenarbeit mit Drittstaaten bzw. Drittstaatsverbünden dar. Handel, welcher nicht durch Europäische Freihandelsabkommen (FTA) reguliert wird, fällt auf das Regelwerk der Welthandelsorganisation (WTO) zurück. Opportunes Verhalten einzelner WTO Mitglieder führt zunehmend dazu, dass die Organisation und Ihre Organe dysfunktional erscheinen. Das gleiche opportune Verhalten stellt eine nachhaltige Gefährdung für die Stabilität der global vernetzten Wertschöpfungsketten der sächsischen KMU dar. Diese Wertschöpfungsketten erweisen sich aufgrund fehlender systematisch errichteter Sicherungsmechanismen zunehmend als störanfällig.
Diese Herausforderung erstreckt sich auf den gesamten Wertschöpfungsprozess von der Ressourcenverfügbarkeit, über den Zugang zu Komponenten und Bauteilen, Maschinen und Technologien als auch auf den Schutz geistigen Eigentums und der Verwertbarkeit immaterieller Vermögensgegenstände. Insbesondere die Vermarktbarkeit immaterieller Vermögensgegenstände wird für KMU in einem wenig bis nichtregulierten Umfeld zunehmend schwierig; bei absehbarem Trend hin zur steigenden Wichtigkeit dieser Vermarktung. Globale Handelsgeschäfte und internationale Kooperationen in Forschung und Entwicklung genauso wie Auslandsinvestitionen erfordern neben stabilen Rechtsräumen auch Vertrauensbeziehungen zwischen Menschen im engen und Gesellschaften im erweiterten Sinne. Dieses Vertrauen bildet sich am besten durch persönliche Begegnung. Die hierfür nötige Mobilität von Menschen ist all zu oft durch komplexe Bürokratie verkompliziert. Stabile Rechtsräume finden sich nur in vitalen Rechtsstaaten. In einigen für Sachsen wichtigen Märkten erodierte diese Rechtsstaatlichkeit zusehends. Europäische politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Rechtsstaatlichkeit bleiben allzu oft inkonsequent umgesetzt bzw. mangelhaft wirksam.
Forderungen und Lösungsvorschläge
Das fordern Wir
6 Schritte für mehr Internationalisierung
Geschäftsreisen erleichtern
Den Visaprozess für Geschäftsreisende in Drittstaaten praxisnäher machen und die Bearbeitungskapazitäten in Botschaften/Konsulaten deutlich ausbauen.
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Europäischen Freihandel voranbringen
EU-Freihandelsabkommen als verlässliche Grundlage für KMU konsequent ausbauen, zügig ratifizieren und so gestalten, dass Rohstoffzugang, IP-/Investitionsschutz und digitaler Marktzugang besser funktionieren.
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Multilateralismus fördern – WTO reformieren und wiederbeleben
Moderne globale Handelsregeln durch eine WTO-Reform vorantreiben.
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Europas Wirtschaft zukunftssicher machen
Einen EU-Rahmen für wirtschaftliche Sicherheit und Resilienz etablieren, der Abhängigkeiten reduziert und strategische Technologien/Wertschöpfungsketten mit geeigneten Instrumenten absichert.
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Unlauteren Handelspraktiken begegnen
Zoll- und Vollzugsbehörden stärken und konsequent gegen Dumping, Zertifikatsbetrug, Schmuggel/Unterfakturierung vorgehen, bis hin zu Einfuhrverboten, Abschaffung von Freigrenzen und Anti-Dumping-Zöllen.
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Rechtsstaatlichkeit fördern
EU-Instrumente wirksamer und harmonisiert einsetzen, um verlässliche Wettbewerbsbedingungen in Drittstaaten zu stärken und negative Rückwirkungen in der EU einzuhegen.
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