Bürokratie und Meldepflichten
Die IHK Dresden beschreibt in ihrem Papier „Bürokratie und Meldepflichten“ die wachsende Belastung von Unternehmen durch immer komplexere Regeln, lange Genehmigungsprozesse und hohe Dokumentationsanforderungen. Zwar kann Bürokratie Verlässlichkeit und rechtliche Überprüfbarkeit schaffen, in der Praxis überwiegt jedoch der Zeit- und Kostenaufwand („Papierkram“) für Betriebe. Besonders betroffen sind Investitionen, Infrastruktur- und Bauvorhaben, die durch Regularien und Gutachteranforderungen ausgebremst werden.
- Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltungsbehörden konsequent vorantreiben – Verwaltungsaufgaben kritisch prüfen, Prozesse standardisieren, Mehrfachmeldungen vermeiden und Kernaufgaben stärken.
- E-Government und einheitliche IT-Systeme in den Behörden etablieren – medienbruchfreie digitale Kommunikation als Ziel, Insellösungen abbauen und verbindliche technische Rahmenbedingungen/Qualitätsmerkmale setzen.
- KMU-Folgenabschätzung & E-Government-Tauglichkeit neuer Vorschriften sicherstellen – Belastungen realistisch prüfen (KMU-Test), „One in-one out“ und Verfallsdaten für Normen nutzen sowie E-Government-Prüfleitfäden landesweit anwenden.
- Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen – One-Stop-Shop, bessere Personalausstattung, verbindliche Bearbeitungszeiten, weniger Gutachten sowie schnellere Rechtswege/Fristen.
- Zettelwirtschaft, Statistikpflichten und wirtschaftsferne Regeln reduzieren – Berichtspflichten nur mit Mehrwert, doppelte Datenabfragen vermeiden und automatisierte Datenmeldungen ausbauen.
Status quo/aktuelle Situation für Unternehmen
Vorteile von Bürokratie sind u. a. Verlässlichkeit, Fairness, Berechenbarkeit oder (rechtliche) Überprüfbarkeit. Diese werden jedoch nicht adäquat wahrgenommen. Vielmehr verbringen Unternehmer mit „Papierkram“ mehr Zeit, als sie sich leisten können. Die Verfahren für Neu- und Änderungsgenehmigungen für Industrieanlagen, die Umsetzung von Verkehrsinfrastrukturprojekten und Bauvorhaben dauern zu lange. Die bei der Planung anzuwendenden Regularien und ein ausuferndes Gutachterwesen bremsen Investitionsvorhaben aus.
Dass die Bürokratie auch unter objektiven Maßstäben zugenommen hat, zeigen nicht nur Studien, sondern auch die Entwicklung von Gegenmaßnahmen in der Vergangenheit. Und obwohl bereits drei Bürokratieentlastungsgesetze auf den Weg gebracht wurden, kommen immer noch mehr neue Vorschriften hinzu, als alte wegfallen. Insofern war und ist der Bürokratieabbau nie ganz von der Bildfläche verschwunden. Auch die Verwaltungen selbst sind in vielen Bereichen mittlerweile Opfer der Bürokratie. Dieses Phänomen ist nicht nur bei den Förderprogrammen, sondern auch bei der Durchführung und Umsetzung der stetig anwachsenden Zahl von Vorschriften zu beobachten. So können Gestaltungsmechanismen wie Gesetze, Verordnungen und Förderungen nicht effizient umgesetzt werden, da der Verwaltung technische und personelle Ressourcen fehlen.
Probleme, Herausforderungen und zukünftige Trends
Unternehmen aller Branchen stehen vor fundamentalen Transformationen. Damit diese erfolgreich bewältigt und zugleich als Chancen genutzt werden können, muss die öffentliche Verwaltung deutlich kooperativer, nutzerfreundlicher, agiler und digitaler werden. Der Abbau von Bürokratie bleibt daher eine der drängendsten Aufgaben der Politik, um den Transformationsprozess auch für kleine und mittelständische Unternehmen leistbar zu machen. Noch immer werden Unternehmen durch komplizierter werdende rechtliche Regelungen, sei es im Arbeits-, Bauplanungs-, Lebensmittel-, Umwelt-, Vertrags- oder Wettbewerbsrecht stark belastet. Gesetze und Verordnungen sind häufig unverständlich, in sich widersprüchlich und werden vor Ort nicht immer lösungsorientiert vollzogen, was mit steigenden Auflagen und langen Genehmigungsverfahren und hohen Kosten einhergeht.
Das Problem ist längst bekannt. Deshalb: Komplexität von Gesetzen reduzieren, konkurrierende Vorschriften abbauen, mehr Tempo bei Planungsverfahren, mehr Freiraum für wirtschaftliche Entfaltung, einen optimalen Rahmen für Gründer und deutlich mehr Mut und Tempo bei der Digitalisierung.
Forderungen und Lösungsvorschläge
Das fordern Wir
5 Kernmaßnahmen für weniger Bürokratie
Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltungsbehörden konsequent vorantreiben
Für spürbare Entlastung der Unternehmen braucht es eine modernisierte, digitaltaugliche Verwaltung mit standardisierten Verfahren, einheitlichen Bearbeitungszeiten und dem konsequenten Abbau von Doppelstrukturen und Mehrfachmeldungen.
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E-Government und einheitliche IT-Systeme in den Behörden etablieren
Für spürbare Bürokratieentlastung braucht es medienbruchfreie digitale Kommunikation, einheitliche IT-Systeme statt Insellösungen sowie verbindliche technische Standards (Bund/Länder) und klare Qualitätskriterien für Förderungen, um Doppelentwicklungen zu vermeiden.
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KMU-Folgenabschätzung und E-Government-Tauglichkeit für Vorschriften, die Wirtschaftsunternehmen betreffen
Für praxistaugliche Vorschriften braucht es verbindliche KMU-Folgenabschätzungen und E-Government-Tauglichkeitsprüfungen vor dem Erlass, ergänzt durch Verfallsdaten, einen KMU-Test und die landesweite Anwendung des E-Government-Prüfleitfadens.
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Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen
Für schnellere Investitionen und Transformation braucht es deutlich beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren – u. a. durch One-Stop-Shop-Strukturen, ausreichend qualifiziertes Personal, verbindliche Bearbeitungszeiten und eine Begrenzung unnötiger Gutachten und missbräuchlicher Klagen.
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Zettelwirtschaft, Statistikpflichten und wirtschaftsferne Regeln für Unternehmen reduzieren
Für spürbare Entlastung braucht es weniger Aufzeichnungs- und Berichtspflichten, den Abbau doppelter Datenabfragen und automatisierte Datenmeldungen statt „Zettelwirtschaft“.
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