Bildung und Fachkräfte

Das Positionspapier „Fachkräfte und Bildung“ der IHK Dresden beschreibt den Fachkräftemangel als eines der größten Geschäftsrisiken für Unternehmen in nahezu allen Branchen und Regionen. Es ordnet zentrale Ursachen ein – insbesondere demografisch bedingte Altersabgänge sowie zusätzliche Qualifizierungsbedarfe durch Transformationsprozesse (u. a. Energie, Mobilität, Digitalisierung). Daraus leitet die IHK Dresden politischen und administrativen Handlungsbedarf ab und formuliert konkrete Erwartungen und Forderungen.
  1. Berufsorientierung und duale Ausbildung stärken – Berufsorientierung frühzeitig an allen Schulformen verankern, Gleichwertigkeit beruflicher Abschlüsse (DQR) sichtbarer machen sowie Berufsschulnetz, Mobilität und Lernortkooperation verbessern.
  2. Weiterbildung, Anerkennung und akademische Bildung verzahnen – lebenslanges Lernen fördern (auch Teilqualifikationen/Nachqualifizierung), Feststellungsverfahren anerkennen, Ehrenamt/Prüfungswesen stärken und Studienangebote stärker an regionalen Bedarfen ausrichten (inkl. dual/berufsbegleitend).
  3. Fachkräftesicherung und -gewinnung / Zuwanderung erleichtern – Verfahren vereinfachen, Hürden abbauen, Ausländerbehörden stärken, digitale/multilinguale Beratung und Antragstellung ermöglichen sowie Integration vor Ort (Wohnraum, ÖPNV, Willkommenskultur) unterstützen.
  4. Lohnsteuer-, Renten- und Sozialversicherungssystem reformieren – Arbeit entlasten, Sozialabgaben stabilisieren, versicherungsfremde Leistungen begrenzen und Reformen für nachhaltige Finanzierung/Anreize zur Erwerbstätigkeit umsetzen.
  5. Vereinbarkeit von Beruf und Familie & Aktivierung von Potenzialen verbessern – flexible Arbeitszeitmodelle über verlässliche Rahmen (Modernisierung Arbeitszeitgesetz), Anreize für mehr Erwerbsbeteiligung setzen und Kinderbetreuung/Schulen als Standortfaktor verlässlich ausbauen.

Status quo/aktuelle Situation für Unternehmen

Ob im Einzelhandel, in der Logistik, auf dem Bau, in der Pflege und der Gastronomie, in der Produktion oder im IT-Bereich: Der Fachkräftemangel ist allgegenwärtig, bis hinein in das eigene Arbeitsumfeld. Hauptgrund dafür sind die demographischen Entwicklungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte. Die bevorstehenden Altersabgänge durch Renteneintritt sind dabei die größte mittelfristige Herausforderung für die Fachkräftesicherung - gerade für unsere Region und insbesondere im ländlichen Raum.
Dass der Fachkräftemangel eines der größten Geschäftsrisiken für die Unternehmen in fast allen Branchen, Regionen und Betriebsgrößen darstellt, belegen seit Jahren auch die Konjunkturbefragungen und das Fachkräftemonitoring der sächsischen Wirtschaft.
Zugleich stellt die Entwicklung der Arbeitskosten ein zusätzliches Geschäftsrisiko dar. Die Produktivität im Land steigt nicht im gleichen Maße wie die Kosten für Arbeit. Gleichzeitig sehen sich Unternehmen dem Dilemma gegenüber, mit höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen um immer weniger verfügbare Fachkräfte konkurrieren zu müssen. Die Personalkosten steigen kontinuierlich, nicht nur durch Mindestlohnanpassungen und Tarifabschlüsse, sondern auch durch den wachsenden Bedarf an qualifizierten Kräften in einem ausgedünnten Arbeitsmarkt. Hinzu kommen steigende für interne Qualifizierungsmaßnahmen (Vermittlung fachspezifischen Wissens und längere Einarbeitungszeiten), da in Ermangelung von Fachkräften auf Quereinsteiger bzw. geringqualifiziertes Personal zurückgegriffen wird.
Dieses Dilemma – steigende Arbeitskosten bei gleichzeitig wachsender Personalnot – stellt eine zusätzliche Herausforderung dar, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die weniger Spielräume bei der Weitergabe der Kosten haben.
Um weiter als Motor für Wertschöpfung, Innovation, Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand fungieren zu können, ist es essentiell, dass es der Wirtschaft gelingt, Arbeits- und Fachkräfte zur richtigen Zeit, in der richtigen Anzahl und mit den richtigen Fähigkeiten zu finden. In der Regel gibt es dazu kein Erkenntnisproblem, sondern diverse Umsetzungsprobleme, die wiederum Handlungsbedarf in Politik, Verwaltung und bei den Unternehmen selbst nach sich ziehen.

Probleme, Herausforderungen und zukünftige Trends

Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Immer weniger Schulabgänger entscheiden sich für eine duale Berufsausbildung – mit gravierenden Folgen: Die Zahl der Fachkräfte, die praxisnah und am Bedarf der Wirtschaft ausgebildet sind, sinkt kontinuierlich. Dies steht im Widerspruch zu den Bedarfen der sächsischen Unternehmen, die weniger Akademiker als vielmehr gut qualifizierte Fachkräfte benötigen. Es braucht hier einen grundlegenden gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der das Image beruflicher Ausbildung und der daraus resultierenden Karrierewege – auch parallel zu Studienabschlüssen -, auf ein gänzlich anderes Level hebt wie es heute der Fall ist.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die bestehenden Belegschaften, denn tiefgreifende Transformationsprozesse in den Bereichen Energie, Mobilität, Digitalisierung und Industrie 4.0 erfordern gezielte Weiterbildungsmaßnahmen. Während Digitalisierung, Automatisierung und der Einsatz Künstlicher Intelligenz langfristig Produktivitätspotenziale versprechen, verändern sie gleichzeitig die Qualifikationsprofile vieler Berufe. Die schnelle Anpassung an technologische Entwicklungen wird damit zur zentralen Herausforderung – sowohl für Unternehmen als auch Beschäftigte. Dabei sollte darauf geachtet werden Berufsbilder zusammenzufassen und zu straffen, anstatt immer fachspezifischer aufzuteilen.
Zudem müssen non-formale Bildungsbiografien stärker berücksichtigt werden. Non-formal erworbenes Fachwissens muss dabei umfassend erfasst werden. Wer Potenziale im Erwerbsleben aktivieren will, muss in der Lage sein, Menschen mit vielfältigen Lernwegen zu qualifizieren und zur Fachkraft weiterzuentwickeln. Gleiches gilt mit Blick auf die Offenheit gegenüber gezielter Fachkräftezuwanderung – eine Voraussetzung, um die demografische Lücke zumindest abzumildern.
Auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt entscheidend: Verlässlichkeit und Qualität in der Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege sowie die Reduzierung der Teilzeitquote sind Schlüsselfaktoren, um mehr Arbeitsvolumen zu aktivieren. Ebenso braucht es neue Impulse für die Beschäftigung älterer Erwerbstätiger, deren Erfahrung und Know-how wertvoller denn je sind.
Darüber hinaus erfordert der Wandel flexiblere arbeitsmarktpolitische Rahmenbedingungen, die Leistung anerkennen und ermöglichen. Gleichzeitig hemmen bürokratische Hürden in arbeits- und sozialrechtlichen Regelungen nach wie vor die schnelle Anpassung an neue Gegebenheiten.

Forderungen und Lösungsvorschläge

Das fordern Wir
Für eine starke duale Ausbildung braucht es frühe, systematische Berufsorientierung an allen Schulformen, mehr Wertschätzung und Transparenz zur Gleichwertigkeit beruflicher Abschlüsse sowie besser ausgestattete Schulen und Berufsschulen inklusive optimierter Berufsschulnetzplanung.
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Für die Fachkräftesicherung braucht es starke, praxisnahe Weiterbildung, offene Anerkennungs- und Feststellungsverfahren sowie mehr Durchlässigkeit und Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung, inklusive stärkerer Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen.
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Für erfolgreiche Fachkräftezuwanderung braucht es weniger Bürokratie und schnellere, transparente Verfahren sowie eine praxistaugliche Umsetzung, digitale mehrsprachige Beratung und eine starke Willkommenskultur vor Ort.
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Für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräftesicherung braucht es ein leistungsförderndes Lohnsteuer- und Sozialversicherungssystem mit dauerhaft begrenzten Lohnnebenkosten, echten Renten- und Sozialreformen und klaren Arbeitsanreizen.
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Für mehr Fachkräftepotenzial braucht es flexible Arbeit und bedarfsorientierte Kinderbetreuung.
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