Themen

Vollversammlung, 22. März 2016

Die Vollversammlung der IHK Darmstadt beschäftigte sich am
22. März 2016 unter anderem mit folgenden Themen:

Mittelzentrenranking: Wir küssen die Kommunen wach

Bericht: Claus Gilke, Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik
Mit Hilfe der Analyse "Mittelzentren im Wettbewerb" (Mittelzentrenranking) will die IHK die Mittelzentren der Region unterstützen, die lokalen Standortfaktoren für die Unternehmen zu verbessern. Nach 2010 sind 2015 erneut alle Mittelzentren innerhalb des Kammerbezirkes nach ökonomischen und strukturellen Indikatoren untersucht worden.
Das Ranking wurde zunächst den Bürgermeistern (oder Vertretern) vorgestellt, dann der Presse. Es wurde das Angebot gemacht, hierüber „vor Ort“ ins Gespräch zu kommen. Dies lief zunächst gewohnt schleppend an, durch eine seit Jahresbeginn 2016 laufende Serie im Darmstädter Echo über die IHK-Untersuchung wuchs das Gesprächsinteresse aber sprunghaft an. Seither wurde bereits mit der Hälfte der 16 Mittelzentren das Thema näher erörtert, mit Rüsselsheim sogar mehrfach.
Zu den weiteren Nacharbeiten gehört eine vertiefte wissenschaftliche Analyse, warum die Mittelzentren im Kreis Groß-Gerau deutlich schlechter abschneiden als die im übrigen IHK-Bezirk. Ferner wird im Rahmen einer bundesweiten Befragung „vitale Innenstädte“ in Bensheim und Mörfelden nachgefragt, wie die dortige Einzelhandelsversorgung (Indikator im Ranking) eingeschätzt wird.

5.000 Euro Bargeld-Obergrenze?

Bericht: Barbara Eichelmann-Klebl, Vorsitzende Ausschuss Unternehmensförderung
Die Finanzminister der EU sind der Meinung, Terrorismus- und Verbrechensfinanzierung sowie Umsatzsteuerbetrug mit einer Bargeld-Obergrenze eindämmen zu können. Aktuell müssen in Deutschland Bargeldgeschäfte ab 15.000 Euro an das Bundeskriminalamt gemeldet werden, wenn der Geschäftspartner dem Unternehmen nicht bekannt ist. Diese Meldegrenzen liegen im europäischen Ausland teilweise deutlich tiefer.
Nun hat der Bundesfinanzminister eine Bargeld-Obergrenze von 5.000 Euro in die Diskussion gebracht. Geschäfte über dieser Grenze sollen nur noch durch Buchungen abgewickelt werden.
Eine Beschränkung von Bargeschäften auf 5.000 Euro würde für einzelne Handelsbetriebe massive Einschränkungen bringen: zum Beispiel für den Handel in der Landwirtschaft, bei Juwelieren oder Baustoffhändlern und natürlich dem Kraftfahrzeughandel im „Autoland Deutschland“.
Der im Tagesgeschäft übliche Skontoabzug bei Barzahlung würde abgeschafft. Kunden und Handel hätten im Gegenteil Transaktionskosten zu tragen. Problematisch auch die Frage des Datenschutzes bei Transaktionen etwa über ausländische Kreditkartenbetreiber.
Der Ausschuss für Unternehmensförderung hat sich entsprechend eindeutig positioniert:
Die Ausschussmitglieder sprechen sich gegen eine Absenkung der Barzahlungsgrenze auf 5.000 Euro aus. Damit würde für eine Vielzahl von Handelsbetrieben (Kfz-Handel, Juweliere, Baustoffhandel) die Geschäftstätigkeit massiv eingeschränkt.
Hinter diesen praktischen Fragen stehen noch zwei grundsätzliche Befürchtungen:
  1. Die immer weiter zunehmenden Möglichkeiten staatlicher Überwachung stehen im Gegensatz zu unserer freiheitlichen Grundordnung.
  2. Die Bargeldobergrenze wird überlagert von Überlegungen, Bargeld komplett abschaffen zu wollen. Folgen wären leichterer Zugriff auf Geldvermögen und eine einfache Durchsetzung negativer Zinsen.
Die Vollversammlung der IHK Darmstadt spricht sich gegen die Einführung einer Bargeld-Obergrenze aus. Präsidium und Geschäftsführung der IHK positionieren sich entsprechend gegenüber den politischen Ansprechpartnern.

Außendienst in Sachen IHK

Bericht: Torsten Heinzmann, Teamleiter Ausbildung, und Dr. Uwe Vetterlein
Zunächst stellte Dr. Vetterlein die Arbeit des Teams Mitgliederbetreuung vor, das seit 2012 systematisch Firmenbesuche durchführt und die Leistungen der IHK - auf Firmenbelange zugeschnitten - vorstellt. Von über 3.000 Handelsregisterunternehmen < 100 Beschäftigte konnten inzwischen ca. 1.000 Unternehmen besucht werden. Mehr als 95 Prozent der Unternehmen (in 2015) hatten den Besuch für „sehr hilfreich“ bzw. „hilfreich“ bewertet. 
Besonders interessant für die Unternehmen seien „Problemlöserthemen“ oder Informationen, die direkt einen geldwerten Vorteil bringen:
  • Rechtsthemen: vor allem Arbeitsrecht, Wettbewerbsrecht
  • International: Exportfragen, Beratung
  • Förderprogramme: Wie komme ich an „billiges“ Geld
  • Netzwerke: Plattformen, auf denen man Kunden (weniger die Partner) trifft
Umgekehrt profitiere die IHK ebenfalls von den Gesprächen. Aktuelle Probleme der Unternehmen führten zu neuen Angeboten der IHK – seien es Printprodukte, Veranstaltungsformate oder Infomaterial auf der Homepage.
Im Anschluss stellte Torsten Heinzmann die Ausbildungsberatung vor.
Am Beispiel des Spiels „Spiel des Lebens“ stellte Herr Heinzmann die derzeitige Problematik bei der Wahl des Karriereweges junger Menschen vor. Die Frage ob Ausbildung oder Studium werde heute durch Eltern und Lehrer immer häufiger und in größerer Zahl zu Gunsten des Studiums entschieden. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels habe sich dadurch auch die Arbeit der Ausbildungsberater der IHK geändert. Ging es früher darum, Betriebe zur Ausbildung zu bewegen, müssten heute Auszubildende gesucht und Firmen in Sachen Azubiwerbung beraten werden.
Hier seien die 40 Zukunftswerkstätten mit rund 600 Unternehmenspartnern hilfreich, die von den Ausbildungsberatern betreut werden. Ebenso die eingesetzten Ausbildungscoaches. Weiteres Instrument seien die Sprechtage für Studienzweifler an der Hochschule.
Seit Sommer 2015 sei mit der Beratung rund um das Thema Flüchtlinge und deren Integration in den Arbeitsmarkt ein weiterer Schwerpunkt hinzugekommen. Hier sei ein langer Atem aller Beteiligten nötig.
Bezüglich der Integration in Ausbildung habe man mit folgenden Herausforderungen zu kämpfen:
  • Fehlende Sprachkenntnisse
  • Kulturelle Hemmnisse (z. B. Rollenverständnis, Verständnis von Pünktlichkeit)
  • Kandidaten ziehen Arbeit einer Ausbildung vor (mehr Verdienst, um Fluchtschulden etc. zu begleichen)
  • Keine Bereitschaft, körperlich anstrengende Tätigkeiten auszuführen
  • Fehlende Kenntnisse über das deutsche Berufsbildungssystem
  • Fehlende Kenntnisse über Berufsbilder (aus den Herkunftsländern bekannt sind Handwerksberufe, v.a. Schreiner und Autowartung, industrielle Produktion ist gänzlich unbekannt, weswegen das Interesse für Ausbildungen in diesem Bereich vorerst eher gering ist)
  • Mangelhafte Schulbildung
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Kandidaten sind tlw. in Schule / Kurse / Arbeit eingebunden, Durchführung von Praktika teils nur erschwert möglich
  • Fehlende Originalnachweise (Zeugnisse etc.)
  • Ungeklärter Aufenthaltsstatus (tlw. jahrelang laufende Verfahren)
  • Unsicherheit bei den Betrieben bzgl. Gefahr der Abschiebung und Arbeitserlaubnissen
Mittlerweile seien die ersten belastbaren Netzwerke geschaffen, um den 5-Punkte-Plan der IHK erfolgreich umzusetzen:
  1. Unternehmen informieren und beraten
  2. Jungen Flüchtlingen Orientierung in unsere Berufswelt geben und Praktika vermitteln
  3. Flüchtlinge in Einstiegsqualifizierung und Ausbildung vermitteln
  4. Unternehmen bei der Qualifizierung und Ausbildung von Flüchtlingen unterstützen
  5. Flüchtlinge beim Spracherwerb unterstützen