Transformation der Wirtschaft

Nachhaltigkeit müssen sich die südhessischen Unternehmen auch leisten können

Wie weit sind südhessische Unternehmen bei der Transformation hin zu nachhaltigerem Wirtschaften? Wo hakt es noch? Und welche Verbesserungsvorschläge aus der Praxis haben die Betriebe an die Politik? Diesen und weiteren Fragen gingen Unternehmer im Gespräch mit dem hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch, 28. September 2022, in der Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar auf den Grund.

Pressemeldung vom 29. September 2022

Erst kürzlich hatte Tarek Al-Wazir während seiner Sommertour auch Betriebe in Südhessen besucht und sich einen Eindruck von ihren drängenden Problemen verschafft. Nun galt es, unter Moderation von IHK-Präsident Matthias Martiné Kernpunkte der Unternehmen und Forderungen an die Politik herauszuarbeiten.
Ein mittelständisches Unternehmen, das sich auf den Weg zur Umweitzertifizierung gemacht hat, um auch die CO 2-Emissionen zu verringern, ist die SPIR STAR AG aus Rimbach. Der Weltmarktführer in der Herstellung von thermoplastischen Höchstdruckschläuchen für einen Druckbereich von 400 bis 4.000 bar hat bereits sein Außengelände naturnah gestaltet und wurde dafür mit einem Bundespreis prämiert. Doch das große Ziel des Mittelständlers mit seinen 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern formulierte Geschäftsführer Ruben de Graaf so: „Wir wollen bis 2030 vollständig energieautark werden." Dafür wird die Photovoltaikanlage auf dem Firmengelände ausgebaut, in zwei Jahren soll damit eine Leistung von einem Megawatt erreicht werden. „Außerdem befinden wir uns in der Planung, die entsprechende Speichertechnik aufzubauen", sagte de Graaf. Das Unternehmen sei auf einem guten Weg, auch weil die finanziellen Mittel dazu vorhanden seien und die nötige Fläche bereitstehe.

Die Wettbewerbsfähigkeit darf wegen der hohen Energiepreisen nicht leiden

Schwieriger hat es da Evonik, ein Großkonzern für Spezialchemie. Das Unternehmen wird auch künftig einen großen Energiebedarf haben. Der Standortleiter in Darmstadt, Thomas Basten, betonte: „Wir müssen uns Nachhaltigkeit auch leisten können. Und das schaffen wir nur, wenn wir wettbewerbsfähig sind." Daher seien die Preise für den Bezug von Gas und Strom bedeutende Einflussgrößen, auch was die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Darmstadt angehe. Dieser stehe in Konkurrenz zu Standorten weltweit und befinde sich zudem in einer Hochlohnregion.
Die Dringlichkeit von bezahlbaren Strom- und Gaspreisen für die Wirtschaft sei in Wiesbaden und Berlin angekommen, unterstrich der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Es werde derzeit geprüft, welche Maßnahmen zur Entlastung realisiert werden können. Auf lange Sicht sei der Ausbau der erneuerbaren Energie enorm wichtig. Bei der Gemeinschaftsaufgabe, in die auch die Gesellschaft eingebunden sei, müssten alle an einem Strang ziehen. Al-Wazir appellierte an die südhessische Wirtschaft: „Die Transformation hin zu einer klimafreundlichen und nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise ist die vordringlichste Aufgabe unserer Zeit. Schon vor dem russischen Angriffskrieg waren die Argumente, Energie und Rohstoffe durch Effizienzsteigerungen zu sparen, oft überzeugend. ln der aktuellen Situation zahlen sich für viele Unternehmen die Investitionen aus, weil sie mit alten Anlagen mit noch höheren Kostensteigerungen konfrontiert wären." Etliche Unternehmen hätten durch Förderprogramme dabei Unterstützung erhalten. Künftig werde das Land Hessen noch stärker in die Beratung von kleinen und mittleren Unternehmen investieren. „Die hessischen Unternehmen haben sich bereits auf den Weg gemacht und wir unterstützen sie bei diesem Wirtschaftswandel", sagte Al-Wazir.
Die Transformation müsse aber auch unkompliziert ermöglicht werden, sagte IHK-Präsident Matthias Martiné. So sei die Erfahrung vieler südhessischer Unternehmen, dass etwa Genehmigungsverfahren unverhältnismäßig lange dauerten und einen großen Aufwand für den Antragsteller mit sich brächten. Hinzu komme, dass die meisten Unternehmen weniger als zehn Mitarbeiter beschäftigten und daher ihre Ressourcen für die langwierigen Verfahren begrenzt seien.

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Dr.Daniel Theobald
Dr. Daniel Theobald
Geschäftsbereichsleiter
Bereich: Unternehmen und Standort