Wasser unter Druck – wie Wirtschaft und Politik gemeinsam Lösungen entwickeln
Die Wasserwirtschaft in Deutschland steht an einem Wendepunkt und damit auch viele Unternehmen. Extremwetter, steigende Qualitätsanforderungen und ein wachsender Investitionsbedarf in die Infrastruktur wirken sich zunehmend auf Produktionsprozesse und Standortentscheidungen aus. Wasser wird damit zu einem strategischen Faktor für die Wirtschaft.
Mit dem länderübergreifenden Wasserkongress am 1. Juli in Dresden setzen die Industrie- und Handelskammern aus Berlin, Brandenburg und Sachsen gemeinsam mit dem Verband kommunaler Unternehmen e.V. und dem Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V. ein Zeichen. Ziel ist es, Herausforderungen einzuordnen und konkrete Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Wasserwirtschaft zu entwickeln.
Zentrale Herausforderungen im Fokus
Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst spürbar: Trockenperioden, Starkregen und veränderte Grundwasserstände setzen die Systeme unter Druck. In Sachsen zeigt sich die Lage aktuell besonders deutlich. Laut Dürremonitor des UFZ sind auch im Frühjahr 2026 weite Teile des Freistaats von Dürre betroffen, ein Großteil der Grundwasserpegel liegt im Niedrigwasserbereich.
Für Unternehmen und öffentliche Akteure entstehen daraus erhebliche Herausforderungen. Neben technischen Innovationen sind vor allem tragfähige Finanzierungsmodelle, verlässliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Zusammenarbeit gefragt.
Dialog und Praxis im Mittelpunkt
Der Kongress bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Impulse liefert unter anderem die Keynote von Klimaforscher Professor Anders Levermann. In einer hochrangig besetzten Podiumsdiskussion werden zentrale Fragen wie Infrastrukturfinanzierung und Klimaanpassung diskutiert.
Praxisnahe Einblicke bieten Start-ups und Forschungseinrichtungen. In Fachforen werden Themen wie Wasserinfrastruktur, industrielle Kreislaufführung, regulatorische Anforderungen sowie regionale Herausforderungen – etwa in der Lausitz – vertieft.
Gemeinsam Lösungen entwickeln
Neben den inhaltlichen Impulsen steht der Austausch im Mittelpunkt. Der Kongress bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich zu vernetzen, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und eigene Perspektiven einzubringen.
Damit versteht sich die Veranstaltung als Plattform, um gemeinsam die Weichen für eine nachhaltige und zukunftsfähige Wasserwirtschaft zu stellen.
Die Industrie- und Handelskammern in Berlin, Brandenburg und Sachsen sind essenzielle Partner, wenn es darum geht, festzustellen, welche Unternehmen wo wie viel Wasser benötigen.
„Perspektivisch brauchen wir für Extremlagen Regeln für die Priorisierung von Wassernutzungen“, sagt Dr. Veit Blauhut, Sächsisches Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft. „Vorher aber, und dabei können die IHKs helfen, müssen wir vor allem sensibilisieren für eine effiziente Nutzung, also zum Beispiel die Kreislaufnutzung von Wasser. Bei Neuansiedlungen von Firmen gibt es bereits Konzepte, bei denen 80 Prozent des entnommenen Wassers geklärt und der Umwelt wieder zugeführt werden. Der erste Schritt für Unternehmen ist zunächst eine genaue Analyse, was man verbraucht. Außerdem wichtig: ein gutes Risikomanagement. Jede Firma sollte einen Plan B für die Notfall-Wasserversorgung haben, dafür, wie man die Produktion sichert, wenn es einmal zu wenig Wasser gibt. Und es braucht Angaben, wie viel Wasser man selbst vorhalten kann. Was bislang viel zu wenig genutzt wird, ist das so genannte Grauwasser, also geklärtes Abwasser. Das könnte über Leitungen zur Landwirtschaft fließen. Da geht es aber nicht nur um die Mengen, auch mögliche Chemikalien im Abwasser oder die Wassertemperatur spielen eine Rolle. Da muss sehr genau geprüft werden.“