Zentralamerika-Konferenz in Coburg: Neue Märkte gewinnen für deutsche Unternehmen an Bedeutung

Die Teilnehmer diskutierten über Absatzmärkte, Investitionsbedingungen und wirtschaftliche Partnerschaften
Zentralamerika rückt als Wirtschaftsregion für deutsche Unternehmen stärker in den Blick. Welche Möglichkeiten die Länder zwischen Nord- und Südamerika für neue Absatzmärkte, Investitionen und internationale Lieferketten bieten und welche Voraussetzungen Unternehmen für einen erfolgreichen Markteinstieg benötigen, stand im Mittelpunkt der 9. Zentralamerika-Konferenz der Deutschen Wirtschaft im Kongresshaus Rosengarten in Coburg. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Diplomatie diskutierten über die Chancen einer engeren Zusammenarbeit mit den Staaten der Region.
Ausrichter waren die Industrie- und Handelskammer zu Coburg, die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) und die Lateinamerika-Initiative der Deutschen Wirtschaft (LIDW).
IHK-Präsident Dr. Andreas Engel verwies zur Eröffnung auf die ausgeprägte internationale Ausrichtung der Coburger Wirtschaft. Mit einer Exportquote von rund 73 Prozent in der Stadt Coburg sei die Region in besonderem Maße auf funktionierende internationale Handelsbeziehungen angewiesen. Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und veränderter Handelsstrukturen werde es für Unternehmen zunehmend wichtiger, ihr Auslandsgeschäft breiter aufzustellen und zusätzliche Märkte zu erschließen. Zentralamerika mit rund 65 Millionen Einwohnern biete dafür interessante Möglichkeiten –
sowohl für den Absatz deutscher Produkte als auch für Investitionen und wirtschaftliche Kooperationen.
Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig unterstrich in seinem Grußwort die wirtschaftliche und technologische Stärke der Region. Er schlug den Bogen von der historischen Entwicklung Coburgs zum heutigen international vernetzten Industrie- und Technologiestandort.
In ihren Keynotes beleuchteten Ingo Kramer, Vorsitzender der Lateinamerika-Initiative der Deutschen Wirtschaft, und Jan Stichweh, Mitglied des Präsidiums der AHK Zentralamerika und Karibik (ZAKK), die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Entwicklungsperspektiven der Staaten des SICA-Raums. Ein wesentlicher Standortvorteil Zentralamerikas ist seine geografische Lage zwischen Nord- und Südamerika sowie zwischen Atlantik und Pazifik. Für deutsche Unternehmen eröffnet dies Möglichkeiten, internationale Liefer- und Wertschöpfungsketten zu ergänzen und zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen.
Als weitere wichtige Standortfaktoren wurden verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie gut ausgebildete und motivierte Arbeitskräfte hervorgehoben. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch das Engagement deutscher Institutionen und Unternehmen in der Region, unter anderem in der dualen Berufsausbildung. Die Vertreter Zentralamerikas betonten die hohe Wertschätzung, die deutsche Unternehmen und Qualitätsstandards in ihren Ländern genießen, und warben für ein stärkeres wirtschaftliches Engagement.
Wie sich langfristige Geschäftsbeziehungen in Zentralamerika erfolgreich entwickeln lassen, verdeutlichte Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender der KAESER Kompressoren SE. Das Coburger Unternehmen ist in sämtlichen zentralamerikanischen Staaten aktiv und verfügt über langjährige Erfahrungen auf den dortigen Märkten. Kaeser unterstrich die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte, einer fundierten schulischen und beruflichen Ausbildung sowie vertrauensvoller Geschäftsbeziehungen. Für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg komme es darauf an, die Länder nicht allein als kurzfristige
Absatzmärkte zu betrachten, sondern vor Ort tragfähige Strukturen aufzubauen und langfristig mit den jeweiligen Partnern zusammenzuarbeiten.
S. E. Jorge Lemcke Arévalo, Botschafter von Guatemala, würdigte das Engagement deutscher Unternehmen in Zentralamerika und bekräftigte das Interesse an einer weiteren Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen. Deutschland genieße in der Region hohes Ansehen und werde als verlässlicher Wirtschaftspartner geschätzt.
Ein besonderer Schwerpunkt der Konferenz war der direkte Austausch zwischen Unternehmen und diplomatischen Vertretern der zentralamerikanischen Staaten. Am Botschafter-Panel beteiligten sich I. E. Sandra Ponce, Botschafterin von Honduras, S. E. Jorge Lemcke Arévalo, Botschafter von Guatemala, Alejandro Antonio Ferrer, Wirtschaftsattaché von Panama, Carmen Concepción, Botschaftsrätin der Dominikanischen Republik, sowie Pedro Hayem, Botschaftsrat von El Salvador. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Entwicklung der einzelnen Länder, ihre jeweiligen Investitionsbedingungen und die Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Dabei zeigte sich, dass Zentralamerika trotz enger regionaler Verbindungen kein einheitlicher Wirtschaftsraum ist. Die Länder unterscheiden sich hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Stärken und Rahmenbedingungen. Für Unternehmen ist es daher entscheidend, sich mit den jeweiligen Märkten gezielt auseinanderzusetzen und passende Geschäftspartner zu finden.
Weitere Fach-Panels widmeten sich den Themen Markteinstieg, Finanzierung und Lieferketten. Experten und Unternehmensvertreter erläuterten, welche Voraussetzungen beim Aufbau von Geschäftsbeziehungen zu beachten sind und welche Unterstützungsangebote Unternehmen bei der Erschließung zentralamerikanischer Märkte nutzen können.
Die Konferenz hat gezeigt, dass gerade mittelständische Unternehmen neben etablierten Absatzmärkten auch dynamisch wachsende Regionen stärker prüfen sollten. „Zentralamerika ist sicherlich kein Markt, den man aus Coburg heraus nebenbei erschließt. Wer sich jedoch intensiv mit den einzelnen Ländern beschäftigt, geeignete
Partner findet und langfristig denkt, trifft auf eine Region mit großem Interesse an deutscher Wirtschaft, qualifizierten und motivierten Arbeitskräften sowie guten Voraussetzungen für nachhaltige Kooperationen“, lautete das Resümee von Elisabeth Löhr, Leiterin des Bereichs International und Messen bei der IHK zu Coburg. Die Konferenz habe zudem gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch ist. Gespräche zwischen Unternehmern, Botschaftern, Auslandshandelskammern und Experten könnten Hemmschwellen abbauen und dabei helfen, aus ersten Kontakten konkrete Geschäftsbeziehungen entstehen zu lassen.
IHK-Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel zog zum Abschluss ein positives Fazit und dankte den Partnern und Mitwirkenden für die erfolgreiche Durchführung der Veranstaltung. Ein besonderer Dank galt der Deutschen Industrie- und Handelskammer, insbesondere Dr. Mark Heinzel und seinem Team, sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der IHK zu Coburg. Die 9. Zentralamerika-Konferenz habe deutlich gemacht: „In einer Zeit tiefgreifender Veränderungen im Welthandel lohnt sich für unsere Unternehmen der Blick auf neue Partner und Märkte – und Zentralamerika bietet dafür vielversprechende Perspektiven“, betonte Hauptgeschäftsführer Schnabel.