IHK-Konjunkturumfrage - Jahresbeginn 2026
Erste vorsichtige Anzeichen einer Erholung
„Die konjunkturelle Schwächephase der Unternehmen im Coburger Wirtschaftsraum dauert an – es gibt aber vereinzelt erste, vorsichtige Anzeichen, dass die Talsohle endlich erreicht ist. Allerdings muss man dabei genauer hinschauen: Auch wenn aus einigen wenigen Bereichen positive Signale kommen, bleibt die Gesamtlage doch angespannt. Denn gleichzeitig nähren etliche Rückmeldungen auf unsere Konjunkturumfrage die Zweifel an einer konjunkturellen Wende zum Besseren. Und auch bei den Erwartungen können sich die Optimisten nicht in der Breite gegen die Pessimisten durchsetzen“, so IHK-Präsident Dr. Andreas Engel zur Einordnung der Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2026.
Der IHK-Konjunkturklimaindikator, bei dem es sich um einen Mittelwert aus der Beurteilung der Wirtschaftslage und der Geschäftserwartung der befragten Unternehmen handelt, ist um 9 Punkte gestiegen. Mit seinem jetzigen Stand von 102 ist er nun wieder über den neutralen 100er-Wert gesprungen. Letzteren konnte der Indikator nun schon seit fast drei Jahren nicht mehr erreichen.
Aktuelle Geschäftslage: Die Geschäftslage der Coburger Wirtschaft bleibt angespannt und verharrt auf einem niedrigen Niveau. Insbesondere Industrie und Handel kommen nur schleppend voran. Aktuell bezeichnen 26 Prozent der befragten Betriebe ihre Geschäftslage als gut, 24 Prozent beurteilen sie als schlecht und die Hälfte sieht sie als befriedigend an. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen der Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage steigt damit seit zuletzt fast zwei Jahren wieder ins Positive auf 2 Punkte (Vorumfrage -8 Punkte).
Erwartungen: Die Geschäftserwartungen der Unternehmen sind uneinheitlich. 22 Prozent rechnen in den kommenden Monaten mit besseren Geschäften (zuvor 16 Prozent), fast genau so viele erwarten auch gegenteilige und 57 Prozent gehen von gleichbleibenden Geschäften aus. Der Saldo der Geschäftserwartungen steigt gegenüber dem Herbst leicht um sechs auf 1 Punkt.
„Wirtschaftlicher Erfolg wird immer wichtiger in einer Welt, die sich im globalen Spiel politischer Mächte gerade neu sortiert. Das bedeutet, dass die Politik mit hoher Dringlichkeit die Probleme am Standort Deutschland angehen muss. Wir brauchen endlich wieder Wettbewerbsfähigkeit, um am weltweiten Wachstum zu partizipieren. Dabei sind der Abbau von Bürokratie, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie verlässliche energie- und steuerpolitische Rahmenbedingungen wichtige Stellschrauben. Darüber hinaus sollte sich die Bundespolitik noch stärker dafür einsetzen, strategische Abhängigkeiten abzubauen, um wirtschaftlich resilienter zu werden. Vor diesem Hintergrund kommt allerdings der Aufschub des EU-Freihandelsabkommens mit der südamerikanischen Staatengemeinschaft Mercosur durch das Europäische Parlament konjunkturell und geopolitisch zur Unzeit. Eine gute Nachricht für unsere Unternehmen ist dagegen, dass nach jahrelangen Verhandlungen ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien in greifbare Nähe rückt“, betont IHK-Präsident Dr. Engel.
Die Branchen im Einzelnen
Industrie gesamt
Aktuelle Lage: Die exportorientierte Industrie befindet sich nach wie vor in einer schwierigen Lage, nicht zuletzt wegen der hohen Arbeits- und Energiekosten sowie Bürokratiebelastung. Hinzu kommen noch die hohen Importzölle der Vereinigten Staaten, die Aufwertung des Euro und der steigende Wettbewerbsdruck aus China. Momentan berichtet jeder Fünfte der Hersteller von guten Geschäften. Über einen schlechten Geschäftsverlauf klagt dagegen noch ein knappes Viertel. Der Saldo der Geschäftslage steigt gegenüber der Vorumfrage um 15 Punkte auf -4 (Vorumfrage -19). Das liegt zwar weiterhin unter dem langjährigen Schnitt von 11 Punkten, gegenüber dem Vorjahr ergibt sich aber ein Zuwachs um 29 Saldopunkte. Nicht wenige Industriebetriebe hadern mit ihren Umsätzen und Erträgen. Auftragsreserven sind weitgehend aufgebraucht, die aktuelle Nachfrage der Industriekunden aus dem In- und Ausland bleibt träge. Folglich schrumpfen die Auftragsbestände. Mehr als ein Drittel der regionalen Betriebe hält das eigene Auftragsvolumen für zu gering, nur 8 Prozent freuen sich über ein komfortables Auftragspolster.
Erwartungen: Trotz einer gewissen Aufhellung signalisieren die Antworten der befragten Industriebetriebe keine breite konjunkturelle Belebung. 16 Prozent der Unternehmen gehen von einer Besserung in den kommenden Monaten aus (zuvor 13 Prozent). Hingegen erwarten weiterhin 22 Prozent eine Verschlechterung des Geschäfts. Der Saldo steigt damit um 6 auf -6 Punkte. Die Industrie rechnet auch künftig mit einer schwachen Nachfrage, hohen Kosten und geopolitischen Risiken. Insbesondere die Arbeitskosten mit 82 Prozent (Vorumfrage 75 Prozent) werden von den Unternehmern als größtes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Betriebe gesehen. Der Wert ist damit auf seinem Höchststand. Ein kleiner Lichtblick könnte das Inlandsgeschäft sein, zudem erwarten sie positivere Impulse aus der Euro-Zone. Trotz allem bleibt die Investitionsbereitschaft schwach und die Beschäftigungspläne restriktiv: 96 Prozent der Betriebe haben derzeit entweder keinen Personalbedarf oder planen Stellen zu streichen.
Industrie im Einzelnen:
Maschinenbau
Aktuelle Lage: Im Maschinenbau zeigt sich eine leichte Stabilisierung der Auftragslage auf niedrigem Niveau. Es fehlen weiterhin die notwendigen Investitionen der in- und ausländischen Kunden und somit die erforderlichen Impulse für eine nachhaltige Konjunkturerholung. Die hohe Unsicherheit über die globale Wirtschafts- und Handelspolitik belastet diese sehr exportorientierte Branche spürbar. 57 Prozent der Unternehmen beurteilen die laufenden Geschäfte als gut oder befriedigend. Der Saldo aus positiven und negativen Lagebeurteilungen verharrt mit -15 Punkten im negativen Bereich, klettert aber gegenüber der Vorbefragung 19 Zähler nach oben.
Erwartungen: Die Geschäftserwartungen auf die kommenden Monate in Coburgs Maschinenbau bleiben unverändert trüb. Eine schwache Nachfrage und strukturelle, weiterhin nicht gelöste, Standortprobleme belasten die Unternehmen. 29 Prozent der Betriebe rechnen mit schlechteren Geschäften, 14 Prozent gehen von einer Verbesserung aus. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen sinkt damit leicht im Vergleich zur Vorumfrage (-11 Punkte) auf -14 Punkte.
Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie
Aktuelle Lage: Die Automotive- und Vorleistungsgüterproduzenten verharren im Vergleich zur Vorumfrage auf nahezu identischem Niveau, bei leichten Verschiebungen zum Besseren. Etwas weniger als ein Fünftel der Unternehmen bewertet die Lage als schlecht (18 Prozent), nur 14 Prozent als gut. Der Lagesaldo liegt mit -4 Punkten weiterhin im negativen Bereich (Vorumfrage -9 Punkte). Die Hälfte der Betriebe berichtet von einem ausreichenden Auftragsbestand, für 41 Prozent ist er zu klein (Vorumfrage: 32 Prozent). Die generelle Industrieschwäche und damit einhergehend die geringe Nachfrage nach Vorleistungen sowie der internationale Wettbewerbsdruck belasten die Unternehmen stark. Hinzu kommen die andauernd hohen Energiepreise, die deutlich über dem Niveau vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine liegen. Insgesamt bleibt die Lage für die energieintensiven Vorleistungsgüterproduzenten daher angespannt.
Erwartungen: Beim Blick auf die kommenden Monate halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage. Eine deutliche Mehrheit von fast zwei Dritteln (65 Prozent) der befragten Unternehmen geht von einer Seitwärtsbewegung aus. Vorleistungsgüterhersteller sorgen sich überdurchschnittlich häufig um die Energie- und Rohstoffpreise (87 Prozent), gleichzeitig bleiben Inlandsnachfrage sowie Arbeitskosten die größten Risiken für die Geschäftsentwicklung.
Ge- und Verbrauchsgüterindustrie
Aktuelle Lage: Trotz eines nach wie vor schwierigen Umfeldes mit anhaltender Konsumzurückhaltung und Verunsicherung über die wirtschaftliche Entwicklung zeigt die Geschäftslage der Ge- und Verbrauchsgüterproduzenten, zu denen insbesondere die Möbel- und die Spielwarenindustrie gehören, eine Aufhellung der Stimmung. Im Vergleich zum Herbst geht es leicht bergauf, der Lagesaldo der Unternehmen verbessert sich von -7 auf 6 Punkte. Ein Viertel der Unternehmen spricht derzeit von einer guten Geschäftslage, während 19 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht bezeichnen. Von 63 Prozent der Branchenvertreter wird der derzeitige Auftragsbestand als ausreichend und von 31 Prozent als zu klein bezeichnet.
Erwartungen: Die Aussichten auf die Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten drehen sich mit einem Saldo von -7 Punkten auf Grund einer zurückhaltender Anschaffungsneigung der Verbraucher wieder ins Negative. Die Mehrheit der befragten Branchenvertreter geht von gleichbleibenden Geschäften aus. Insbesondere die Möbelindustrie sorgt sich wegen einseitiger, staatlicher Förderung und entsprechender Verschiebung der Kaufanreize in andere Bereiche. Die größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sieht die Branche in den Arbeitskosten, im Fachkräftemangel und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Dienstleistung
Versicherungs- und Finanzgewerbe
Aktuelle Lage: Die Geschäftslage im regionalen Versicherungs- und Finanzgewerbe hat sich im Vergleich zur Vorumfrage verbessert. Insbesondere die Schaden- und Unfallversicherung sorgt dank Beitragsanpassungen und rückläufiger Schadensentwicklung für positive Impulse. Aktuell berichten neun von zehn befragten Branchenvertreter von guten Geschäften (Vorumfrage 63 Prozent), keiner der Befragten ist unzufrieden. 63 Prozent der Unternehmen waren in den vergangenen sechs Monaten voll ausgelastet.
Erwartungen: Auf die kommenden Monate blickt die Branche im Vergleich zur Vorumfrage optimistischer. Ein Drittel der Branchenvertreter geht von besseren Geschäften aus, kein Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung. Sorgen bereiten der Branche der hohe Preisdruck aufgrund steigender Reparaturkosten sowie ein gedämpftes Neugeschäft infolge gestiegener Unsicherheiten.
Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe
Aktuelle Lage: Im unternehmensnahen Dienstleistungsgewerbe hat sich die Geschäftslage im Vergleich zur Vorumfrage leicht eingetrübt. Derzeit bewertet ein Drittel der Unternehmensvertreter ihre Geschäftslage als gut, 44 Prozent sind zufrieden. Der Saldo aus positiven und negativen Lagebeurteilungen erreicht mit 11 Punkten im Branchenvergleich einen positiven Wert. Dennoch büßt er im Vergleich zum Herbst 7 Punkte ein. Vielen unternehmensbezogenen Dienstleistern fehlen Aufträge der heimischen Industrie- und Gewerbekunden. Zudem leiden sie unter gestiegenen Kosten für Personal, Material und Energie.
Erwartungen: Der Blick auf die kommenden Monate fällt im unternehmensnahen Dienstleistungsgewerbe verhaltener aus. 35 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung, 18 Prozent äußern negative Erwartungen. Der Saldo sinkt um 22 auf aktuell 17 Punkte. Neben den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingen machen hohe Arbeitskosten, aber auch die Inlandsnachfrage der Branche zu schaffen.
Handel
Einzelhandel
Aktuelle Lage: Das Konjunkturklima im Einzelhandel bleibt träge und hat sich zwischen Herbst und Jahresanfang nur leicht verbessert. Auch das Weihnachtsgeschäft brachte nicht die erhoffte Erholung. Nach wie vor leiden die Händler unter der schwachen Konsumneigung ihrer Kunden. Die Verunsicherung der Verbraucher über die wirtschaftlichen Entwicklungen und die Arbeitsplatzsicherheit sowie gestiegene Lebenshaltungskosten dämpfen die Konsumstimmung. Die Konsumenten halten ihr Geld zusammen und kaufen nur sparsam und preissensibel ein. Derzeit bezeichnet nur fast jeder zehnte Einzelhändler seine geschäftliche Situation als gut. 55 Prozent bewerten ihre Lage immerhin als zufriedenstellend und mehr als ein Drittel der Händler berichtet von schlecht laufenden Geschäften. Der Lagesaldo liegt bei -27 Punkten (zuvor: -46).
Erwartungen: Auf die kommenden Monate blickt der Coburger Einzelhandel – trotz marginaler Verbesserung – verhalten. Eine nachhaltige Erholung des Konsumklimas ist vorerst nicht in Sicht. Die Mehrheit der befragten Branchenvertreter geht von einer Seitwärtsbewegung aus. Neben der schwachen Nachfrage bereiten den Betrieben hohe und gestiegene Arbeitskosten sowie unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen große Sorgen.
Großhandel
Aktuelle Lage: Marginal verbessert hat sich die geschäftliche Situation bei Coburgs Grossisten, dies muss aber in Relation zum niedrigen Vorumfragewert gesehen werden. Auch der Großhandel kann sich der anhaltenden Konjunkturflaute nicht entziehen. Entsprechend zögerlich fällt das Bestellverhalten seiner Kunden aus. So leidet der produktionsbezogene Großhandel unter der trägen Industriekonjunktur; den konsumnahen Großhandel trifft die immer noch verbreitete Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Aktuell berichten 20 Prozent der Unternehmensvertreter von guten Geschäften, 40 Prozent sind unzufrieden. Der Saldo hat sich damit seit Herbst von -42 auf -20 Punkte verbessert.
Erwartungen: Die Geschäftserwartungen im Großhandel bleiben per Saldo negativ, allerdings ist eine Aufhellung zu beobachten. 40 Prozent der Händler rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäfte und fast ein Drittel (nach zuvor 18 Prozent) gehen von einer Besserung aus. Als größte Konjunkturrisiken gelten für die Branche die Inlandsnachfrage, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die Arbeitskosten.
Tourismus
Aktuelle Lage: Die Stimmung in Coburgs Gastgewerbe hat sich im Vergleich zur Vorumfrage eingetrübt. Besonders die Gastronomie steht weiterhin unter Druck: Sinkende Erträge infolge hoher Betriebskosten, Personalmangel und Bürokratie belasten viele Betriebe. Nur 6 Prozent (Vorumfrage 22 Prozent) der befragten Unternehmensvertreter bewerten ihre Lage als gut, 41 Prozent sind unzufrieden und 53 Prozent erachten sie als befriedigend. Der Saldo steigt im Vergleich zur Vorumfrage um 29 auf nunmehr -35 Punkte. Die durchschnittliche Zimmerauslastung in den letzten sechs Monaten betrug 46 Prozent (Vorumfrage 42 Prozent).
Erwartungen: Für die kommenden Monate erwartet das Gastgewerbe mehrheitlich eine Seitwärtsbewegung – Optimisten und Pessimisten halten sich die Waage. Zwar wirkt sich die Mehrwertsteuersenkung positiv aus, dennoch sieht sich die Branche einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt: Jeweils drei Viertel der Unternehmen nennen sowohl Arbeitskosten als auch Energie- und Rohstoffpreise als Geschäftsrisiko. Neun von zehn Branchenvertretern gehen von gleichbleibenden Übernachtungs- und Verzehrpreisen aus.
