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„Bürokratische Anforderungen zurücknehmen“

Wolfgang Grenke hat als Gründer und Hauptaktionär des Finanzdienstleisters Grenke AG sowie als Mitglied des DIHK-Vorstands und Vize-Präsident von Eurochambres klare Vorstellungen von dem, was künftig auf EU-Ebene passieren muss.

Wolfgang Grenke, Vizepräsident Eurochambres und Mitglied im DIHK-Vorstand
Foto: Bernd Opitz

Herr Grenke, was ist die bedeutendste Forderung von Unternehmen an das Parlament und die Kommission der EU für die nächste Legislaturperiode? 

Das allerwichtigste, was wir im Blick haben müssen, sind die offenen Grenzen in Europa. Auch wenn mitunter Grenzkontrollen im Schengen-Raum nötig sind, ist es dort entscheidend, den Unternehmen einen freien Warenverkehr zu ermöglichen. Auch gilt es, die bürokratischen Anforderungen beispielsweise fürs Entsenden von Arbeitnehmern in andere EU-Länder zurückzunehmen.

Mit welchem Effekt rechnen Sie in der Folge?

Mein Unternehmen ist jetzt in 32 Ländern der Welt unterwegs und deckt dabei fast ganz Europa ab. Wir sehen, wie viel sich in der Gemeinschaft tut – vor allem in einigen osteuropäischen Staaten. Die Nachfrage ist da, und diese Absatzchancen werden erhöht, wenn der Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr mit weniger Beschränkungen auskommt.

Die europapolitischen Positionen der IHK-Organisation sind vergleichsweise umfangreich. Werden sie auf Europaebene auch Gehör finden?

Unsere Forderungen – vor allem die Stärkung der kleinen und mittleren Unternehmen – stößt bei vielen EU-Parlamentariern auf offene Ohren, denn die wissen, wie sehr das auch künftig die Stabilität unserer Wirtschaft beeinflussen wird. Der Vorteil dabei: Diese Frauen und Männer erlebe ich bei Diskussionen in Brüssel und Straßburg durchweg losgelöster von ihren politischen Parteien, als das in den nationalen Auseinandersetzungen der Fall ist. Vielleicht liegt das auch daran, dass die einzelnen Politikerinnen und Politiker im Verlauf einer Europa-Wahl weniger als Parteimitglieder denn als Persönlichkeiten gewählt werden. Sie sind in ihrer Mehrzahl jedenfalls auf den Zusammenhalt der Gemeinschaft ausgerichtet. Es gibt natürlich immer kleine Unterschiede, weil alle aus ihren nationalen Regionen kommen. Deshalb gilt es, aus den Forderungen gemeinsame Positionen für den europäischen Markt zu entwickeln.

Was bedeutet das für den weltweiten Wettbewerb?

Als nationale Volkswirtschaften sind wir zu schwach, um global bestehen zu können. Das geht nur gemeinsam in Europa, was uns in den vergangenen Jahren auch schon recht gut gelungen ist. Wir müssen im internationalen Zusammenspiel aber noch besser werden, um uns im Wettbewerb gegenüber China und den USA behaupten zu können.

Das Interview führte Rudolf Kahlen.