Handelskammer Konjunkturbericht zum Herbst 2022: Die bremische Wirtschaft stellt sich auf Abschwung ein / Investitionen werden reduziert

(PM 42-2022, 25.10.2022) Noch sind die Rückmeldungen aus der bremischen Wirtschaft zum laufenden Geschäft insgesamt leicht positiv. Die Geschäftserwartungen haben sich jedoch im Vergleich zum Sommer erneut verschlechtert und sorgen jetzt auch für eine zunehmende Zurückhaltung bei der Personalplanung sowie für deutlich eingeschränkte Investitionen. Am meisten Sorge bereiten den Unternehmen weiterhin die rasanten Preissteigerungen von Energie, Rohstoffen und weiteren Vorleistungen. In Folge der zunehmenden Kostenbelastung befürchten immer mehr Unternehmen einen Rückgang der Nachfrage. Das macht der Konjunkturbericht der Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven zum Herbst 2022 deutlich. An der Quartalsbefragung haben sich 334 Betriebe aus dem Produzierenden Gewerbe sowie aus Handel und Dienstleistungen beteiligt.
Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger sagt:
„Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage hat insgesamt nur leicht nachgelassen, aber die weiter verschlechterten Aussichten auf die kommenden Monate lassen den Handelskammer-Konjunkturindikator erneut nachgeben. Die zurückhaltende Personalplanung der Unternehmen und ihre Absichten, Investitionen deutlich einschränken zu wollen, deuten leider auf einen unmittelbar bevorstehenden wirtschaftlichen Abschwung hin.“
Vergleichsweise gute Lagebewertungen kommen aus den Verkehrs- und Logistikdienstleistungen. In der Industrie, der Hotellerie und Gastronomie sowie den Sonstigen Dienstleistungen haben die Geschäfte bereits nachgelassen, sind aber insgesamt noch auf befriedigendem Niveau. Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger weiter:
„Überwiegend negative Stimmen erreichen uns aus dem Einzelhandel, der eine sinkende Konsumneigung registriert. Die Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft und Dienstleistungen melden rückläufige Zahlen an neu eingehenden Aufträgen“.
Die Erwartungen für die kommenden Monate fallen in allen Branchen negativ aus. Insgesamt rechnen fast zwei Drittel der befragten Unternehmen laut der Handelskammer-Konjunkturbefragung mit einer ungünstigen Entwicklung. Der Handelskammer-Hauptgeschäftsführer sieht die Unternehmen in Bremen und Bremerhaven in einer ernsthaften Energiekrise:
„Die rasante Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise stellt für die Unternehmen in nahezu allen Branchen ein kaum zu kalkulierendes Geschäftsrisiko dar. Eine Drosselung der Gasmenge würde die Wirtschaft empfindlich treffen und vor allem in der Industrie zu Produktionsausfällen führen, die auf die gesamte Wertschöpfungskette ausstrahlen.“
Rund 60 Prozent aller befragten Unternehmen geben die gestiegenen Energiekosten zum Großteil an ihre Kunden weiter. Die Weitergabe der Kosten sorgt für weiter zunehmende Verbraucherpreise und führen zu Kaufkraftverlust und sinkender Nachfrage. Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger warnt vor den Folgen der Preisspirale bei den Energiekosten: „Im für die bremische Wirtschaft so bedeutenden Auslandsgeschäft sinkt mit den explodierenden Energiepreisen auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Bund und Land sind gefordert, durch Ausweitung des Energieangebots und preisstabilisierende Maßnahmen für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu sorgen.“ Investitionen in Energieeffizienzmaßnahmen und alternative Energieträger werden zudem für die Wirtschaft zunehmend wichtiger.

Geschäftsklima in der Stadt Bremen
In der stadtbremischen Wirtschaft fallen die Rückmeldungen zum laufenden Geschäft im Vergleich zum Sommer 2022 nur geringfügig schlechter aus. Für die kommenden zwölf Monate wird aber in allen Wirtschaftsbereichen mit einer ungünstigen Geschäftsentwicklung gerechnet. Im Vergleich zum Sommer haben sich die Geschäftserwartungen zudem noch einmal deutlich verschlechtert. Die negativen Erwartungen zeigen sich auch in restriktiveren Personal- und Investitionsplänen. Die Geschäftsrisiken sehen die Unternehmen vor allem in der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreisen, den allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, dem Arbeitskräftemangel und der Entwicklung der Arbeitskosten. Der Handelskammer-Konjunkturindikator sinkt für die stadtbremische Wirtschaft um -12 auf 66 Punkte.
Geschäftsklima in Bremerhaven
In der Bremerhavener Wirtschaft hat sich die Stimmung im Vergleich zum Sommer kaum verändert. Die Geschäftsaussichten für die kommenden zwölf Monate bleiben unverändert schlecht. Die anhaltend negativen Geschäftsaussichten sorgen für zunehmende Zurückhaltung bei den Personal- und Investitionsplanungen. Bei den Geschäftsrisiken steht nach wie vor die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise ganz oben auf der Liste. Gefolgt vom Fachkräftemangel und der Entwicklung der Arbeitskosten. Der Handelskammer-Konjunkturindikator sinkt für die Wirtschaft in Bremerhaven um einen Punkt und notiert mit 76 Punkten zwar höher als in der Stadt Bremen, aber weiterhin auf deutlich unterdurchschnittlichem Niveau.
Geschäftsklima nach Branchen
Während die aktuelle Geschäftslage von der bremischen Industrie im Sommer noch überwiegend positiv beurteilt wurde, fällt die derzeitige Bewertung leicht negativ aus. Die Unternehmen leiden unter rückläufigen Erträgen und einem nachlassenden Auftragsbestand, insbesondere das Inlandsgeschäft schwächelt. Vor allem die Preise für Energie und Rohstoffe und eine mögliche Drosselung der Gaslieferungen bereiten größte Sorge.
Im Baugewerbe ist die Auftragsreichweite zumeist noch relativ gut. Preissteigerungen und Materialengpässe stellen aber weiterhin eine erhebliche Belastung für die Unternehmen dar. Für die kommenden Monate rechnen fast alle Befragten der Branche mit einer Verschlechterung der Lage.
Der Einzelhandel registriert stationär und online einen deutlichen Konsumrückgang. Aufgrund von Kaufkraftverlusten rechnet die Branche mit einer Verschlechterung der Geschäfte in den kommenden Monaten.
Im Groß- und Außenhandel bleibt die Stimmung eingetrübt, das laufende Geschäft wird aber in der Summe besser bewertet als zuletzt. Das Inlandsgeschäft schneidet etwas besser ab als der Außenhandel.
In den Verkehrs- und Logistikdienstleistungen hat sich das laufende Geschäft im Vergleich zum Vorquartal verbessert. Die Unternehmen melden eine gestiegenes Beförderungs- bzw. Umsatzvolumen. Für die kommenden Monate rechnen die Unternehmen aber verstärkt mit einer ungünstigen Entwicklung.
In der Hotellerie und Gastronomie hat das aktuelle Geschäft nach der kurzen Erholung im Sommer wieder nachgelassen und wird in der Summe nur noch leicht positiv beurteilt. Dabei fallen die Rückmeldungen aus der Hotellerie deutlich besser aus als in der Gastronomie. Die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich jedoch sowohl in der Hotellerie als auch in der Gastronomie deutlich verschlechtert.
Auch die Unternehmen in den Sonstigen Dienstleistungen sind zunehmend von der konjunkturellen Abkühlung betroffen. Anders als noch im Sommer melden die Dienstleister in der Summe leichte Umsatzrückgänge und eine verschlechterte Ertragslage. Die Geschäftserwartungen fallen in allen Dienst-leistungsbereichen überwiegend negativ aus.