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Mehler Protection – Plattformschutz in einer neuen Sicherheitslage
Manche Unternehmen reden frei heraus und bringen in drei flotten Sätzen auf den Punkt, worum es bei ihnen geht. Bei Mehler Protection in Königslutter ist das anders. Wer verstehen will, was hier konstruiert und gefertigt wird, muss genauer hinhören – auch auf das, was nur angedeutet bleibt. Denn schon die Art, wie hier formuliert und abgewogen wird, erzählt etwas über ein Geschäftsfeld, das der Sicherheit dient und bei technischen Details besondere Zurückhaltung erfordert. Mehler Protection entwickelt Schutzsysteme für Fahrzeuge, Schiffe, Hubschrauber und sensible Bereiche der Infrastruktur – mit dem Ziel, Menschen und technische Systeme widerstandsfähiger gegen Angriffe zu machen.
Andreas Moebes, Geschäftsführer von Mehler Protection
Seit Olaf Scholz die Zeitenwende ausgerufen hat, hat sich auch der Ton der öffentlichen Debatte verändert. Begriffe aus Militär, Verteidigung und Sicherheitspolitik, die lange nur in Fachkreisen kursierten, sind inzwischen im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen. Es geht um Handlungsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und um die Frage, wie Soldaten, Ausrüstung und kritische Infrastruktur wie Energie- und Wasserversorgung oder IT und Kommunikation im Ernstfall geschützt werden können. Dafür braucht es moderne Systeme, die Angriffen standhalten – von Beschuss bis hin zu Minen oder Sprengfallen.
Im Einsatz für Marine und Hubschrauber der Spezialkräfte
Für Mehler Protection – rechtlich firmiert das Unternehmen in Königslutter als Mehler Engineered Defence GmbH – ist genau das seit Jahren Alltag. Wie stark das Team im Bereich Plattformschutz aufgestellt ist, zeigt eine Aussage von Andreas Moebes, der in der Geschäftsleitung den Finanzbereich verantwortet: „Wir liefern derzeit mehr Schutzsysteme für die deutsche Marine als jeder andere Anbieter. Auch die Hubschrauber der Spezialkräfte wurden von uns ausgerüstet.“
Plattformschutz – das klingt zunächst abstrakt. Darunter versteht man alles, was ein Militärfahrzeug im Einsatz robuster macht, etwa verstärkte Türen, gepanzerte Seiten oder geschützte Bereiche im Inneren. Die Herausforderung besteht darin, den Schutz zu erhöhen, ohne das Fahrzeug zu schwer oder zu unbeweglich zu machen oder seine Funktion im Einsatz einzuschränken. Oder, wie Andreas Moebes es anschaulich formuliert: „Wenn man an einen Hubschrauber einfach Stahlplatten montiert, dann wird er nicht abheben.“
Plattformschutz – das klingt zunächst abstrakt. Darunter versteht man alles, was ein Militärfahrzeug im Einsatz robuster macht, etwa verstärkte Türen, gepanzerte Seiten oder geschützte Bereiche im Inneren. Die Herausforderung besteht darin, den Schutz zu erhöhen, ohne das Fahrzeug zu schwer oder zu unbeweglich zu machen oder seine Funktion im Einsatz einzuschränken. Oder, wie Andreas Moebes es anschaulich formuliert: „Wenn man an einen Hubschrauber einfach Stahlplatten montiert, dann wird er nicht abheben.“
Wir liefern derzeit mehr Schutzsysteme für die deutsche Marine als jeder andere Anbieter.Andreas Moebes
Schutz von Limousinen für VIPs
Die Anwendungen reichen weit über den militärischen Bereich hinaus. Mehler Protection arbeitet auch an Schutzkomponenten für zivile Limousinen, in denen Personen mit erhöhtem Schutzbedarf unterwegs sind. „Wenn eine Schutzperson vorfährt, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Schutzlösungen von uns im Einsatz.“ Nicht die Fahrzeuge selbst entstehen in Königslutter, sondern die Bauteile, die später in der Serienfertigung oder in dem Fahrzeugausbau Verwendung finden.
Am liebsten würde man an dieser Stelle noch viel genauer nachfragen: Wie wird ein VIP-Fahrzeug nachgerüstet? Welche Bereiche eines Schiffs gelten als besonders sensibel – von der Brücke über den Maschinenraum bis zu zentralen Kommunikations- und Steuerungsbereichen? Wie viel Schutz verträgt ein Hubschrauber, bevor das Gewicht zum Problem wird? Welche Materialien kommen zum Einsatz, welche Bedrohungsszenarien werden dabei mitgedacht? Wie wird entschieden, welche Teile eines Systems besonders gesichert werden müssen? Und woran erkennt man eigentlich, dass ein Schutzsystem im Ernstfall tatsächlich hält, was es verspricht?
Panzerstahl aus dem 3D-Drucker: Mehler Protection arbeitet mit einer eigens entwickelten und patentierten Technologie.
Wenn Schutz auch Verschwiegenheit verlangt
Doch genau auf diese Fragen gibt es in dieser Branche keine freimütigen Antworten. Denn wo es um Schutzsysteme geht, kann jedes technische Detail mehr verraten, als öffentlich gesagt werden sollte – weil sich daraus eben auch ablesen lässt, wo die Grenzen eines Systems liegen. Andreas Moebes bringt das im Gespräch auf eine knappe Formel: „Wenn man weiß, gegen was das Bedrohungsszenario ausgerichtet ist, dann weiß man auch automatisch, gegen was es nicht ausgerichtet ist.“
Hinter dem Plattformschutz bei Mehler Protection steht ein Team, das sehr unterschiedliche Qualifikationen zusammenbringt. In Königslutter und an einem weiteren Standort in Flechtorf arbeiten rund 70 Beschäftigte – von Ingenieuren und Konstrukteuren bis zu Fachkräften in der Produktion. Besonders gefragt sind Menschen mit technischem Hintergrund, etwa aus Maschinenbau und Werkstoffkunde, aber auch Schweißer mit Zusatzqualifikationen.
Vor allem bei der Drohnenabwehr ist jedes Detail entscheidend.
Unser Schwerpunkt lag lange auf passivem Schutz. Doch spätestens mit dem Thema Drohne zeigt sich, dass aktive Komponenten zunehmend notwendig werden.Andreas Moebes
Was Schutz so anspruchsvoll macht
Denn vieles, was hier gebaut wird, verlangt nicht nur handwerkliches Können, sondern auch eine gründliche Einarbeitung und Erfahrung im Umgang mit besonderen Materialien und Verfahren. Schon kleine Abweichungen können am Ende große Folgen haben – etwa dann, wenn ein Schutzsystem nicht so zuverlässig funktioniert wie vorgesehen.
Stahl allein ist nicht die Lösung für alles. Je nach Plattform müssen Schutzsysteme ganz unterschiedlich gedacht werden: Ein Schiff stellt andere Anforderungen als ein Hubschrauber. Dahinter steht Entwicklungsarbeit, bei der Materialwahl und Aufbau genau aufeinander abgestimmt sein müssen. „Es kommt nicht auf die Materialien allein an, sondern darauf, wie man sie miteinander verbindet“, sagt Andreas Moebes, der Offizier bei der Bundeswehr war und deshalb auch eine praktische Perspektive auf Einsatz, Ausrüstung und Schutz mitbringt.
Andreas Moebes beobachtet einen veränderten Blick auf die Rüstungsbranche im Allgemeinen und auf Mehler Protection im Besonderen.
Von der Analyse bis zur Integration
Sollen bestimmte Bereiche eines Fahrzeugs gehärtet werden, kommen dafür unterschiedliche Verfahren infrage – darunter auch eine eigens entwickelte und patentierte Technologie zur Herstellung von Panzerstahl im 3D-Druck. Mehler Protection beginnt mit solchen Schutzlösungen jedoch nicht erst in der Fertigung. Am Anfang steht die Analyse, an welchen Stellen einer Plattform Schutz überhaupt erforderlich ist. Darauf folgen Entwicklung, Konstruktion und Produktion sowie die Einbindung der jeweiligen Lösungen in bestehende Plattformen.
Es kommt nicht auf die Materialien allein an, sondern darauf, wie man sie miteinander verbindet.Andreas Moebes
Die Wurzeln des Unternehmens reichen mehr als 20 Jahre zurück. Damals gründete der heutige Geschäftsführer Christian Vahldiek in Schöningen einen technischen Betrieb zur Bearbeitung von Bauelementen. Seitdem hat sich vieles verändert: Aus mechanischer Weiterverarbeitung wurde Plattformschutz, der Standort wechselte, und seit 2010 gehört der Betrieb zur Mehler-Gruppe mit Stammsitz in Fulda. Deren ballistische Aktivitäten bündelt die Gruppe heute unter der Marke Mehler Protection, zu der mehrere Unternehmen gehören – darunter Mehler Engineered Defence.
Mehr Nachfrage, mehr Aufgaben
Für Mehler Protection war der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine kein kompletter Neuanfang, wohl aber ein kräftiger Wachstumsbeschleuniger. Viele Themen, die in Königslutter heute wichtig sind, gehörten schon vorher zum Geschäft – „aber nicht in dem Umfang, wie das mittlerweile der Fall ist“. Der Bedarf an Schutzlösungen für See-, Land- und Luftfahrzeuge stieg stark, zugleich erweiterte das Unternehmen sein Portfolio um zusätzliche technische Felder und weitere Einsatzbereiche.
Neben dem 3D-gedruckten Panzerstahl hat Mehler Protection ein neues System zur Drohnenabwehr entwickelt. Es soll Fahrzeuge gegen Kleinstdrohnen schützen, die aus kurzer Distanz angreifen. Dafür werden Sensoren und Abwehrelemente direkt am Fahrzeug angebracht. Die erste Version soll ab Sommer verfügbar sein. Dieser Schritt markiert auch technologisch eine Veränderung im Unternehmen: „Unser Schwerpunkt lag lange auf passivem Schutz. Doch spätestens mit dem Thema Drohne zeigt sich, dass aktive Komponenten zunehmend notwendig werden“, so der 45-Jährige.
Die Ökonomie der Drohnenabwehr
Auch die Nachrüstung bestehender Fahrzeuge gewinnt an Bedeutung. Viele Systeme seien auf Bedrohungen durch Drohnen bislang nicht ausgelegt worden und müssten nun angepasst werden. Gerade deshalb versteht sich Mehler Protection nicht nur als Zulieferer, sondern als Partner, der bestehende Fahrzeugarchitekturen mitdenkt, geeignete Lösungen entwickelt und deren Einbindung in die Plattformen begleitet. Zugleich spielt die Kostenfrage eine zentrale Rolle: Wenn kleine, vergleichsweise günstige Drohnen nur mit sehr teuren Gegenmitteln abgewehrt werden können, ist das auf Dauer kein tragfähiges Modell. Gefragt ist deshalb eine Lösung, die robust, wirksam und zugleich wirtschaftlich ist.
Verantwortet innerhalb der Geschäftsführung den Finanzbereich: Andreas Moebes.
Neben Fahrzeugen rückt auch kritische Infrastruktur stärker in den Blick. Gemeint ist dabei kein flächendeckender Rundumschutz für ganze Anlagen, sondern die gezielte Sicherung besonders verwundbarer Punkte. Entscheidend ist die Frage, welche Bereiche – etwa an Flughäfen – im Fall eines Angriffs besonders folgenschwer getroffen würden. Gerade bei Drohnen geht es deshalb darum, solche neuralgischen Stellen zu identifizieren und so zu sichern, dass aus einem Angriff nicht sofort größerer Schaden entsteht.
Zwischen Werkhalle und Hörsaal
Entwicklungen wie die Drohnenabwehr zeigen, wie stark Innovation zum Geschäft von Mehler Protection gehört. Zugleich machen sie deutlich, wie wichtig gut ausgebildete Fachkräfte sind, die neue Bedrohungslagen nicht nur verstehen, sondern auch in technische Lösungen übersetzen können. Hochschulen werden damit zu wichtigen Partnern – für Forschung, fachlichen Austausch und die Gewinnung neuer Mitarbeitenden. Lange sei die Distanz der akademischen Welt zur Branche deutlich spürbar gewesen, sagt Andreas Moebes. Inzwischen nehme er jedoch mehr Offenheit wahr. Bei den Bundeswehruniversitäten sei die Lage ohnehin anders: „Mit ihnen, insbesondere mit Hamburg, haben wir sehr gute Kontakte.“
Die Rüstungsindustrie wird den Wandel in der Region nicht allein auffangen.Andreas Moebes
Moebes registriert einen veränderten Blick auf die Rüstungsbranche im Allgemeinen und auf Mehler Protection im Besonderen – im Sinne eines gewachsenen Verständnisses dafür, dass Sicherheit nicht nur in politischen Reden entsteht, sondern auch in Werkhallen, Entwicklungsabteilungen und auf Prüfständen. Aus seiner Sicht liegt die Bedeutung dieser Arbeit nicht nur darin, Menschenleben zu schützen. Sie soll auch dazu beitragen, dass Staat und Gesellschaft in einer gefährlichen Lage weiter funktionieren.
Der Schritt in die Öffentlichkeit
Damit wächst auch die Pflicht, das eigene Geschäft stärker zu erklären als noch vor einigen Jahren. In Königslutter bedeutet das vor allem, offener darüber zu sprechen, was hier entwickelt und gebaut wird. „Ein Interview wie dieses hätten wir vor fünf Jahren wahrscheinlich nicht gemacht“, schmunzelt Moebes.
Dieser Satz steht für ein verändertes Selbstverständnis. Mehler Protection will sichtbarer werden – und muss es vielleicht auch, wenn es um Fachkräfte, Partner und die eigene Rolle in einer unsicher gewordenen Welt geht. Zugleich macht Andreas Moebes deutlich, dass diese neue Offenheit noch wachsen kann: In Bayern werde über die Rüstungsbranche selbstverständlicher gesprochen als in Niedersachsen.
Ein Interview wie dieses hätten wir vor fünf Jahren wahrscheinlich nicht gemacht.Andreas Moebes
Wenn man Andreas Moebes zuhört, wird deutlich: Er spricht nicht nur über Panzerung, Materialien und Schutzklassen, sondern auch über die Region, aus der er selbst stammt. Der im Landkreis Wolfenbüttel lebende Geschäftsleiter sieht das Wachstum von Mehler Protection deshalb nicht nur als unternehmerischen Erfolg, sondern auch als Chance für den regionalen Standort.
Beschäftigung und technisches Know-how könnten aus seiner Sicht gerade dort wichtig werden, wo die Autoindustrie lange prägend war und viele industrielle Strukturen in Bewegung geraten sind. „Die Rüstungsindustrie wird den Wandel in der Region nicht allein auffangen“, konkludiert Andreas Moebes. „Aber sie kann dazu beitragen, Arbeitsplätze zu erhalten und neue industrielle Perspektiven zu eröffnen.“
boy
3/2026
