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40 Jahre IHK-Technologietransferpreis – CompositeEdge und TU Braunschweig gewinnen Jubiläumsausgabe

Was bringt Menschen zum Lachen – und Ideen zum Durchbruch? In beiden Fällen ist der entscheidende Faktor überraschend ähnlich: eine starke Idee. Dass es davon nie genug geben kann, darin sind sich die Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen vier Jahrzehnte wohl einig. Auch bei der Jubiläumsausgabe des IHK-Technologietransferpreises wurde dieses unverkennbare Credo gebührend zelebriert. So durfte sich das überregional bekannte IHK-Event erneut über ein hochkarätig besetztes Bewerberfeld freuen und seinen Ruf als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Wirtschaft abermals untermauern. Als Sieger des Abends setzte sich das Kooperationsprojekt „EdgeAdapt“ der TU Braunschweig und der CompositeEdge GmbH durch, das die rund 150 Gäste im FUNKE Medienhaus mit einem serienreifen Produkt für nachhaltigen Lärmschutz überzeugte.
„Innovation scheitert selten an Ideen“, hallt es lautstark durch den prall gefüllten Veranstaltungssaal. Im Publikum werden die Blicke gebannter, die Aufmerksamkeit ist plötzlich greifbar. Wer vor Jahren spätabends durch die einschlägig bekannten TV-Sender zappte, weiß: Komiker und Keynote-Speaker Klaus-Jürgen „Knacki“ Deuser nimmt kein Blatt vor den Mund – und hat kein Problem damit, deutlich zu werden.
Unser Produkt ist vollständig recyclebar und kann aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanffasern hergestellt werden.
Zwischen motivierenden Impulsen und pointierten Anekdoten eröffnete der einstige NightWash-Gründer den Abend mit einer ebenso unterhaltsamen wie scharfsinnigen Analyse der oft gewaltigen Kluft zwischen einer Idee und ihrer tatsächlichen Umsetzung im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Für die zahlreich erschienenen Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft war diese Erkenntnis keineswegs neu – vielmehr tägliche Realität. „Wenn wir nach neuen Lösungen schauen, dann setzen wir uns häufig eine ,Seriositätsbrille‘ auf. Man will nämlich, dass Dinge auf Anhieb funktionieren. Dabei sollten wir uns doch eher fragen, wie wir überhaupt anfangen sollen – und warum alles zu Beginn reibungslos funktionieren muss“, stellte Deuser provokant zur Debatte. Das eigentliche Problem von Neuem sei schließlich, dass es neu ist. Und genau damit täten sich viele schwer.
Was also tun? Für den 64-Jährigen lag die Antwort auf der Hand: „Wir müssen über den Tellerrand hinausschauen, unsere Ideen förmlich auf die Welt loslassen. Mutig, aber auch beständig sein – und vor allem die Kreativität nie aus den Augen verlieren.“
Innovation scheitert selten an Ideen.

Akustiktechnologie überzeugt

Wie konsequent dieser Leitgedanke in die Praxis umgesetzt werden kann, zeigte das Siegerteam des Abends. Die CompositeEdge GmbH und die Technische Universität Braunschweig sicherten sich den mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreis für ihre ultradünne Akustiktechnologie für nachhaltigen Lärmschutz. Als TU-Spin-off entwickelten die Braunschweiger durch intensive Forschungsarbeit ein serienreifes Produkt, das Schalldämmung neu definiert.
Das „EdgeAdapt Sound Panel“ absorbiert mehr als 95 Prozent des Lärms unterhalb von 1000 Hertz – bei einer Materialstärke von weniger als einem Millimeter. Das kleberfreie Faserverbund- oder Metallmaterial ist feuerfest bei Temperaturen von über 1000 Grad Celsius und zugleich rund 80 Prozent leichter als herkömmliche Lösungen. Eingesetzt werden kann das Panel überall dort, wo Lärm entsteht und gleichzeitig nur begrenzter Raum zur Verfügung steht – etwa in Wärmepumpen, Kompressoren, Fahrzeugen, Industriemaschinen, Rechenzentren oder im Bauwesen. „Unser Produkt ist vollständig recyclebar und kann aus nachwachsenden Rohstoffen wie Hanffasern hergestellt werden“, verlautbarte Dr. Mohammad ­Bahar, CEO und Co-Founder, mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Qualitativ hochwertige Beiträge begeistern

Viele Gäste honorierten diese Entwicklung im anschließenden Live-Voting mit ihrer Stimme. In einer engen Entscheidung setzte sich das junge Unternehmen unter anderem gegen das nachhaltige Kaltplasmaverfahren des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik IST, der Rohloff AG und der dänischen ­Tantec A/S durch. Der sogenannte COAD®-Prozess reinigt Oberflächen vollautomatisiert und aktiviert sie mit einer nanodünnen, hochreaktiven Schicht, um die Haftung zwischen Materialien deutlich zu verbessern – und das vollständig ohne Lösungsmittel. Für Rohloff wurde das Verfahren speziell zur Abdichtung von Metallwellen in Fahrradnabengetrieben optimiert. Gemeinsam mit Tantec entstand daraus ein industrielles Anlagensystem, das inzwischen unter dem Namen „VacuTEC+“ vermarktet wird.
Auch wurde das Projekt der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und der TOPTICA Photonics SE ausgezeichnet. Gemeinsam treibt das Team die Kommerzialisierung optischer Uhren voran, die künftig die weltweit etablierten Atomuhren ablösen könnten. Dank der rund hunderttausendfach höheren Frequenz optischer Übergänge ermöglichen diese Systeme deutlich präzisere Messungen. Die gemeinsam entwickelte Technologie wurde erfolgreich in das kommerzielle System „TOPTICLOCK“ überführt, umfassend charakterisiert und befindet sich bereits bei einem ersten Kunden im Einsatz. Neben der Nutzung als Zeitgeber soll die optische Uhr künftig auch in der Satelliten­navigation, bei der Synchronisation digitaler Infrastrukturen sowie in der Geodäsie Anwendung finden.
Dr. Ralf Utermöhlen, 1. Stellvertreter des Präsidenten der IHK, zeigte sich beeindruckt vom geballten Know-how in unserer Wissenschaftsregion: „In einer Zeit, in der sich Technologien, Märkte und ganze Wertschöpfungsketten rasant verändern, ist der enge Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft wichtiger denn je. Nur durch konsequenten Technologietransfer lassen sich Wettbewerbsfähigkeit sichern, Transformation gestalten und nachhaltige Lösungen schnell in die Anwendung bringen.“
Deutschland ist kein Rohstoffland, kann dafür aber mit weltweiter Spitzenforschung und exzellenten Institutionen punkten.
Die Würdigung der ehrenamtlichen, siebenköpfigen Fachjury durfte natürlich nicht fehlen, die aus zahlreichen Bewerbungen die drei Finalisten ausgewählt hatte – „eine besondere Verantwortung“, wie Jurymitglied und Ostfalia-Vizepräsidentin für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer Prof. Dr. Ina ­Schiering zutreffend feststellte.

Braunschweig nimmt Vorreiterrolle ein

Dass der Technologietransferpreis seit inzwischen vier Jahrzehnten Bestand hat, ist kein Zufall – und eng mit dem Innovationsstandort Braunschweig verknüpft. Bereits vor 40 Jahren hob die IHK die Auszeichnung aus der Taufe und schuf damit eines der ältesten Formate seiner Art in Deutschland. Die Grundidee dahinter ist bis heute aktueller denn je: Forschung entfaltet ihren Wert erst dann vollständig, wenn aus Erkenntnissen konkrete Anwendungen entstehen. Gerade darin sieht die Region ihre besondere Stärke. Wo Spitzenforschung auf industrielle Praxis trifft, entstehen Lösungen mit echtem Zukunftspotenzial. „Deutschland ist kein Rohstoffland, kann dafür aber mit weltweiter Spitzenforschung und exzellenten Institutionen punkten“, bekräftigte Dr. Utermöhlen.

Ein Blick zurück – und nach vorn

Einen Blick zurück auf die Anfänge des Preises warf zum Ende der Talk „Wo alles begann!“. Dr. Sebastian Röthele, Geschäftsführer der Sympatec GmbH, erinnerte daran, welche Strahlkraft die Auszeichnung schon damals entfaltete: „Die Auszeichnung vor 40 Jahren war für uns und die TU Clausthal ein wichtiger Impuls, wissenschaftliche Innovation konsequent in industrielle Anwendungen zu überführen. Dass wir heute auf diese Anfänge zurückblicken können, zeigt, wie nachhaltig erfolgreicher Technologietransfer wirken kann.“
Im Anschluss wurde Peter Peckedrath, Innovationsberater i. R. der IHK Braunschweig und Mitorganisator der ersten Preisverleihung, gemeinsam mit Dr. ­Röthele für seinen langjährigen Einsatz gewürdigt. IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Florian Löbermann fand für beide Worte der Dankbarkeit: „Beide stehen sinnbildlich für Ursprung und Kontinuität des Technologietransfers in unserer Region. Ohne engagierte Persönlichkeiten zu Beginn und den stetigen Einsatz im weiteren Verlauf wäre der Technologietransferpreis heute nicht das, was er ist.“
Mit Blick auf die Zukunft kündigte Dr. Utermöhlen zudem an, dass im Jahr 2027 zusätzlich zum Technologietransferpreis auch ein bundesweit ausgeschriebener Gauß-Preis vergeben wird – passend zum 250. Geburtstag von Carl Friedrich Gauß, dem wohl berühmtesten Sohn der Stadt.
4/2026