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Ohne Förderung bleibt Wohneigentum ein Privileg
Der Traum vom eigenen Zuhause rückt für viele Menschen selbst aus der Mittelschicht in weite Ferne. Enorme Baukosten, deutlich gestiegene Zinsen und anhaltend unsichere Preisentwicklungen belasten den Immobilienmarkt massiv. Sollte die Inflation weiter anziehen, ist davon auszugehen, dass auch das Zinsniveau hoch bleibt oder weiter steigt. Das hat direkte Folgen für Kaufinteressenten und verstärkt die Verunsicherung bei Investitionsentscheidungen.
Martin Streppel, Geschäftsführer Munte Immobilien GmbH & Co. KG
Das Signal ist unmissverständlich: Wohneigentum droht für Normalverdienende unerschwinglich zu werden. Dabei steht Eigentum für weitaus mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Es bedeutet Altersvorsorge, Stabilität, Vermögensbildung und langfristige Bindung an einen Standort.
Sowohl im Neubau als auch bei Bestandsimmobilien ist die finanzielle Belastung deutlich gestiegen. Finanzierungen, die vor wenigen Jahren noch tragfähig waren, scheitern heute häufig an höheren Zinsen, strengeren Kreditvergaben und gestiegenen Eigenkapitalanforderungen. Die Konsequenz: Immer mehr Haushalte bleiben im Mietmarkt und erhöhen dort zusätzlich den Druck auf die Preise und die Verfügbarkeit von Wohnraum. Eine Mietpreisbremse behandelt hier nur Symptome, aber keine Ursachen. Es ist keine Errungenschaft, dass Deutschland Mieterland Nummer 1 in der EU ist, weil hierzulande etwa 52 Prozent der Bevölkerung zur Miete wohnt. Das hat langfristig soziale und wirtschaftliche Folgen. Deshalb braucht es eine klare politische Antwort: Die Förderung von Wohneigentum muss wieder Priorität bekommen.
Ein wirksamer Ansatz wäre die Wiedereinführung einer steuerlichen Förderung nach dem Vorbild des früheren § 10e EStG, der für vor 1996 angeschaffte oder hergestellte Objekte galt; entsprechend konnte ein Teil der Anschaffungs- und Herstellungskosten als Sonderausgabe über mehrere Jahre verteilt und der Höhe nach begrenzt steuerlich geltend gemacht werden. Auch die Folgeregelung der Eigenheimzulage lief für Neuanträge im Jahr 2005 aus. Die steuerliche Abzugsfähigkeit von Schuldzinsen für selbstgenutztes Wohneigentum könnte die Finanzierung insbesondere in einem Hochzinsumfeld spürbar erleichtern. Ein solches Instrument wäre zielgerichtet, transparent und würde auch Normalverdienende nachhaltig entlasten.
Natürlich ersetzt dies keine strukturellen Reformen wie schnellere Genehmigungsverfahren, eine verlässliche Förderlandschaft oder Maßnahmen zur Senkung der Baukosten. Aber es wäre ein entscheidender Baustein, um den Zugang zu Eigentum wieder in der Breite zu ermöglichen und Investitionsanreize zu schaffen. Es wäre auch ein Impuls für die Bauwirtschaft, weil dann wieder mehr Selbstnutzende als Nachfragende am Markt teilnehmen könnten.
Für Städte wie Braunschweig steht dabei viel auf dem Spiel. Wohneigentum stärkt die lokale Verwurzelung, fördert private Investitionen, stabilisiert Quartiere und entlastet langfristig auch den Mietmarkt. Wenn Eigentum zum Luxus wird, gerät das Gleichgewicht unserer Gesellschaft ins Wanken. Jetzt ist der Zeitpunkt für die Bundesregierung gekommen, um entschlossen gegenzusteuern.
4/2026
