IHK Wirtschaft online
Nr. 6948010
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Über das Unternehmersein in Deutschland 2026

Seit 2019 ist Deutschland wirtschaftlich um 0,5 Prozent gewachsen, die EU dagegen um 4 Prozent und die Vereinigten Staaten sogar um 19 Prozent. Was liest und hört man dazu aus Berlin? Die Bundes­ministerin für Arbeit und Soziales erklärt die aufmuckenden Arbeitgeber zum Gegner.
Ohne die Unternehmerinnen und Unternehmer – wo und wie wäre dieses Land? Wer investiert privates Geld und besichertes Fremdkapital in Beschäftigung und Arbeitsplätze, wenn es sich lohnt? Wer verbindet seine wirtschaftliche Existenz und sein ganzes Tun und Handeln mit seinen legitimen und erforderlichen Gewinnerzielungsabsichten? Und wer spürt es unmittelbar im Vermögensausweis, wenn es die aktuellen wirtschaftlichen, gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingen erforderlich machen, über Investitionen und Standorte leise oder auch laut nachzudenken? Wir alle.
Als Mittelstand sind wir überwiegend eigenkapitalfinanziert und nicht überschuldet oder unseriös überbewertet wie so manches seltene, aber umso lautere Einhorn. Wir machen nicht jeden atemlosen KI-Hype sofort zum Geschäftsmodell, sondern entwickeln uns inkrementell und marktgerecht technologisch weiter, gern auch mit Künstlicher Intelligenz. Oft sind wir bereits seit Jahrzehnten erfolgreich und am Markt etabliert – und schon deshalb voll existenzberechtigt. Wir sind manchmal sogar marktführend, aber dennoch unbekannt, weil unsere weltweiten Kunden ebenfalls Unternehmen und nicht private Konsumenten sind.
Die Bonner Mittelstandsforscherin Friederike Welter, die zugleich Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung ist, bezeichnet unser Handeln zutreffend und durchaus wertschätzend „Everyday Entrepreneurship“, also „Alltagsunternehmertum“. Denn wir sind nicht nur mit unserer unorganischen Wertsteigerung für Shareholder beschäftigt, sondern auch verantwortungsvoll an unseren Stakeholdern und unserem Umfeld interessiert und häufig lokal sowie sozial engagiert. Wir zahlen Steuern auf Umsatz, Einkommen, Kapital- und Gewerbeertrag und auf Grundbesitz sowieso, wir sorgen für Wohlstand und eigene Kapitalreserven, kümmern uns um technische und organisatorische Lösungen und bieten Arbeit und Ausbildung. Und das nach Kräften, je nach schwankender Geschäftslage.
Aber Flauten, Konjunkturtäler, Absatzkrisen und Wettbewerbsverschiebungen, die es immer gibt, werden von wirtschaftsfernen Teilen der Gesellschaft und den Medien nicht mehr als normal akzeptiert. Das ist gesellschaftlich problematisch, weil es polarisierender Meinungsmache dient und die Unternehmerinnen und Unternehmer unverdientermaßen in ein schlechtes Licht rückt. Auch sie sind ein unverzichtbarer Teil unseres Gemeinwesens. Wachsen und jubeln dürfen wir, klagen sollen wir aber nicht? So nicht, Frau Bundesministerin!
1/2026