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Der Gongschlag zum Ende des fossilen Zeitalters – Energiesouveränität ist die neue Standortpolitik
Die geopolitischen Risiken fossiler Energieträger sind ein realer Wettbewerbsfaktor. Die jüngsten Eskalationen im Nahen Osten werden unabhängig von den Tragödien und dem weiteren Verlauf als Gongschlag zum Ende des fossilen Zeitalters in den Geschichtsbüchern stehen. Volkswirtschaften, die stark von Energieimporten abhängig sind, werden verwundbarer. Vor allem Deutschland spürt diese Vulnerabilität besonders deutlich.
Die Energiewende ist daher weit mehr als Klimaschutz. Sie ist gleichsam Industrie-, Sicherheits- und Standortpolitik. Deutschland überweist Jahr für Jahr zweistellige Milliardenbeträge für fossile Energieimporte. Jeder Euro, der hierfür das Land verlässt – noch dazu häufig in Richtung autokratisch geführter Staaten – steht weder für Investitionen noch für Wertschöpfung im Inland zur Verfügung. Bei erneuerbaren Energien hingegen verbleibt ein großer Teil der Ausgaben für Planung, Bau, Betrieb und Wartung in Deutschland. Die Energiewende stärkt damit nicht nur Versorgungssicherheit, sondern auch die heimische Wirtschaft.
Natürlich dürfen die Kosten der Transformation nicht ignoriert werden, die in der öffentlichen Diskussion häufig überzeichnet werden. Intelligentes Marktdesign, konsequenter Ausbau von Netzen und Speichern sowie mehr Flexibilität auf den Energiemärkten können die Systemkosten reduzieren. Entscheidend ist, die Energiewende effizient zu organisieren – und nicht etwa, sie infrage zu stellen.
Unternehmen sind Akteure der Energiewende und in erheblichem Maße auf die proaktive Stärkung ihrer Resilienz angewiesen. Betriebe, die frühzeitig auf regenerative Eigenerzeugung, Speicherlösungen und Energieeffizienz gesetzt haben, sind robuster durch Energiepreis- und Versorgungskrisen gekommen als Unternehmen, die entsprechende Investitionen aufgeschoben haben. Energieeffizienz erzeugt die günstigste Kilowattstunde – nämlich die, die gar nicht erst gebraucht wird.
Die Bundesregierung handelt richtig, besonders energieintensive Industrien in der Transformationsphase gezielt zu entlasten. Instrumente wie die ökologischen Gegenleistungen nach BECV, die grüne Konditionalität nach dem EnFG und der geplante Industriestrompreis können wichtige Brücken bauen. Die Voraussetzung ist, dass jede Beihilfe mit Investitionen in Energieeffizienz und Dekarbonisierung verbunden wird, die wiederum Innovationen und Wertschöpfung generieren.
Dauerhafte Subventionen wären der falsche Weg. Staatliche Hilfen müssen als Transformationsfinanzierung verstanden werden: Sie sollen den Übergang ermöglichen, nicht dauerhaft bestehende Strukturen konservieren. Das Ziel bleibt eine wettbewerbsfähige Wirtschaft, die ihre Energieversorgung zunehmend aus europäischen, erneuerbaren Quellen sichert. Energiesouveränität ist damit nicht nur ein ökologisches Ziel, sondern eine der zentralen wirtschaftspolitischen Aufgaben unserer Zeit.
5/2026
