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Werben ohne Wegwerfen
Viele Werbegeschenke überleben nicht einmal die erste Woche: ein Kugelschreiber, der nicht schreibt; ein Feuerzeug, das nach drei Zündungen schlappmacht; ein Schlüsselanhänger, den niemand vermisst. Auch Konfetti steht für den Moment: ein kurzer, bunter Auftritt – und schon ist es verschwunden. Normalerweise. Bei LOOP in Braunschweig sieht man das anders. Das Unternehmen verkauft Saatgut-Konfetti – hergestellt aus einer umweltfreundlichen Stärkemischung, kompostierbar und mit kleinen Samen versetzt. Ein Werbegeschenk, das nicht einfach weggeschmissen wird, sondern Wurzeln schlägt und im besten Fall sogar aufblüht.
Nele Korth und Vater Carsten Korth.
Die LOOP GmbH & Co. KG beliefert Unternehmen und Institutionen mit Werbemitteln, die nachhaltig produziert und bewusst ausgewählt sind. Statt auf kurzlebige Wegwerfartikel zu setzen, sucht LOOP nach Alternativen, die Ressourcen schonen, lange genutzt werden – und sich am Ende recyceln oder biologisch abbauen lassen. Geleitet wird LOOP von Nele Korth. Nach dem Studium reiste sie durch Südamerika, um neue Eindrücke zu sammeln. Doch was ihr immer wieder begegnete, waren riesige Mengen Müll – und ein oft achtloser Umgang mit Dingen. „Das hat mir die Augen geöffnet“, sagt sie heute. Die Frage ließ sie nicht mehr los: Warum produzieren wir so viele Sachen, die niemand wirklich braucht – und die am Ende einfach weggeworfen werden? Zurück in Deutschland war für sie klar: Wenn sie eine Firma gründet, dann eine, die es anders macht.
Entscheidend sind Herkunft und Transportwege, die Materialbasis und vor allem, ob ein Produkt lange genutzt und später weiterverwertet werden kann.Nele Korth
Langlebigkeit zählt
LOOP ist kein klassisches Start-up, das aus dem Nichts entstanden ist. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in der Werbetechnik-Firma ihres Vaters Carsten Korth in Hannover, spezialisiert auf Fahrzeugbeschriftungen. Aus diesem Umfeld entstand 2019 die Idee, zusätzlich in den B2B-Werbemittelmarkt einzusteigen – mit Nele Korth an der Spitze eines eigenständigen Unternehmens. Von Anfang an war ihre Haltung klar: Wenn Werbemittel, dann nur nachhaltig. Dieser Anspruch prägt bis heute, wie bei LOOP gedacht, entschieden und gearbeitet wird – und zeigt sich nicht zuletzt im Sortiment.
Von Blumenmurmeln in Pergamintüten und Eiskratzern aus recyceltem Kunststoff über Bleistifte aus zertifiziertem Holz und Müsliriegel in Bio-Qualität mit kompostierbarer Folie bis hin zu veganer Lippenpflege im Kartondöschen oder Wildbienenhotels aus Wellpappe und Holzwolle: „In der Summe haben wir rund 1300 Produkte im Angebot“, sagt Nele Korth. Ob als Give-away auf Messen, Willkommensgeschenk für neue Mitarbeitende oder als Beilage in einer Mailingaktion: Alle Produkte können mit Firmenlogo und Wunschmotiv versehen werden.
Bei LOOP wird genau hingeschaut, bevor ein Produkt als nachhaltig gilt. „Entscheidend sind Herkunft und Transportwege, die Materialbasis und vor allem, ob ein Produkt lange genutzt und später weiterverwertet werden kann“, so Korth. Ziel sei es, möglichst keine Artikel in Umlauf zu bringen, die nach kurzer Zeit im Müll landen, sondern Produkte, die Materialien schonen und im besten Fall wieder in einen Kreislauf zurückfinden.
Langlebigkeit ist für LOOP keine stumpfe Floskel, sondern gelebte Realität.
„Für uns als kleines Unternehmen sind einige Zertifizierungen schlicht zu teuer“
Wenn sich die 32-Jährige in der Werbemittelbranche umschaut, ist für sie oft nicht erkennbar, woher ein Artikel tatsächlich stammt. „In den seltensten Fällen erfährt man etwas über die Lieferkette.“ Viele Produkte gehen durch mehrere Handelsstufen, Herstellungs- und Veredelungsorte bleiben für Käufer meist im Dunkeln. LOOP versucht deshalb, Herkunft und Nachhaltigkeitskriterien transparent zu machen – und verlangt von Lieferanten Nachweise und Zertifikate, bevor ein Produkt überhaupt ins Sortiment kommt. Dass solche Nachweise existieren, heißt noch nicht, dass LOOP sie nach außen hin auch nutzen darf. Viele Labels und Siegel dürfen nur dann gezeigt werden, wenn nicht nur das Produkt oder die Produktionsstätte zertifiziert ist, sondern auch der Händler selbst. LOOP erfüllt diese Voraussetzung im Bio-Bereich und nach FSC-Standards (Forest Stewardship Council), doch für andere Siegel gilt das noch nicht. „Für uns als kleines Unternehmen sind einige Zertifizierungen schlicht zu teuer“, sagt sie. LOOP sammelt die Nachweise der Lieferanten deshalb intern, achtet auf ihre Gültigkeit – und legt sie Kunden auf Nachfrage vor.
Nachhaltigkeit für Kunden immer wichtiger
Transparenz ist dabei auch deshalb so wichtig, weil Nachhaltigkeit selten eindeutig ist, denn „das perfekte Produkt gibt es nicht“. Herkunft, Materialien, Produktionsbedingungen und Wiederverwertbarkeit lassen sich in der Praxis nicht immer unter einen Hut bringen. Ein Artikel kann etwa aus recycelten Rohstoffen bestehen, dafür aber längere Transportwege haben – oder er ist regional gefertigt, ohne in jeder Hinsicht kreislauffähig zu sein. LOOP versucht deshalb nicht eine endgültige Bewertung vorzugeben, sondern lässt die Kunden selbst entscheiden, auf welche Kriterien es für sie am Ende ankommt. „Wenn wir in Europa oder in Deutschland einkaufen, wird ein Produkt natürlich teurer“, heißt es. Sie hat Internationales Management in Enschede studiert und kennt die Mechanismen hinter Lieferketten und Einkaufskonditionen. Nicht jedes Unternehmen sei bereit, diesen Mehraufwand zu tragen: „Natürlich gibt es nach wie vor viele, für die vor allem der Preis zählt.“
Socken, wir verkaufen so viele Socken …Nele Korth
Gleichzeitig beobachtet sie einen Wandel. Umwelt- und Sozialkriterien gewinnen bei vielen Einkäufern spürbar an Bedeutung – besonders bei größeren Betrieben und öffentlichen Auftraggebern. In Ausschreibungen werden entsprechende Vorgaben zunehmend berücksichtigt. LOOP positioniert sich dabei bewusst nicht über den günstigsten Preis. „Nur um preislich mitzuhalten, machen wir keine Abstriche bei unseren Kriterien.“
Ambitionen sorgen für klare Perspektiven
Mit der Evangelischen Stiftung Neuerkerode verbindet LOOP eine besondere Partnerschaft. Für sie hat das Unternehmen einen eigenen Onlineshop mit festem Sortiment eingerichtet, über den die verschiedenen Einrichtungen und Standorte bedarfsgerecht bestellen können – ohne dass Werbemittel ungenutzt im Lager liegen.
Für LOOP hat die Evangelische Stiftung Neuerkerode einen Onlineshop auf die Beine gestellt.
Das Projekt zeigt, wozu LOOP als kleines Team in der Lage ist: Strukturen zu schaffen, wie man sie sonst eher bei großen Werbemittelhändlern vermutet. Die meisten Kunden kommen aus ganz Deutschland – viele stoßen über die Onlinesuche auf das Angebot. Und obwohl das Sortiment auch viele Nischenprodukte umfasst, ist im Alltag vor allem ein Klassiker gefragt. „Socken, wir verkaufen so viele Socken …“, schmunzelt Nele Korth. Jedes Jahr gehen Zehntausende Paar über den Tisch – gefertigt aus Bio-Baumwolle oder recycelten Garnen, mit eingewebtem Branding.
Für die kommenden Jahre hat LOOP ein klares Ziel: den Anteil der Produkte, die außerhalb Europas gefertigt werden, weiter zu senken. Aktuell liege er bei circa 16 Prozent. Schritt für Schritt soll so nicht nur das Endprodukt verantwortungsvoller werden, sondern auch der gesamte Entstehungsprozess – mit kürzeren Transportwegen, geringeren CO₂-Emissionen und mehr Transparenz. Sollte das gelingen, wäre das auf jeden Fall ein Grund zu feiern. Das Saatgut-Konfetti liegt schon bereit.
boy
1/2026
