IHK Wirtschaft online
Nr. 7104626
6 min Lesezeit

CiSmart Solutions GmbH – Intelligent sichtbar

Früher war die Sache einfach. Wer im Internet gefunden werden wollte, musste bei Google möglichst weit oben stehen. Dafür brauchte es eine gute Website, Onlineanzeigen und vielleicht noch Social Media. Das gilt zwar weiterhin, doch Menschen suchen inzwischen anders. Sie fragen nicht mehr nur Suchmaschinen nach Produkten, Dienstleistern oder Fachinformationen, sondern auch ChatGPT oder andere KI-Systeme. Für Unternehmen geht es deshalb nicht mehr nur um die Frage: Wie werde ich bei Google gefunden? Sondern auch darum: Wie schaffe ich es in die Antwort einer KI?
Andreas Cichon und Christine Schmidt erleben diese Entwicklung aus nächster Nähe. Mit ihrer Braunschweiger Digitalagentur CiSmart Solutions GmbH unterstützen sie Unternehmen dabei, online sichtbar zu sein – mit der Website, in sozialen Netzwerken, bei Google und zunehmend auch in den Antworten von ChatGPT, Gemini und ähnlichen Anwendungen. „Was früher die Google-­Suche geleistet hat, wandert Schritt für Schritt in KI-­Systeme“, betont Andreas Cichon.

Als KI noch kein Thema war

Als die beiden 2021 ihre Agentur gründeten, spielte Künstliche Intelligenz im Tagesgeschäft noch keine Rolle. Kennengelernt hatten sie sich im Braunschweiger Co-Working-Space Trafo Hub. Andreas Cichon hatte sich als Mediendesigner selbstständig gemacht, Christine Schmidt war Geschäftsführerin der KreativRegion und in der Kultur- und Kreativwirtschaft zwischen Braunschweig und Wolfsburg gut vernetzt. Aus ersten gemeinsamen Projekten entstand schließlich CiSmart Solutions.
Was früher die Google-Suche geleistet hat, wandert Schritt für Schritt in KI-Systeme.
Das Portfolio war zunächst klassisch: Websites gestalten, Unternehmen im Netz sichtbar machen, Marken zur Geltung bringen. Im Kern ist das bis heute so geblieben. CiSmart Solutions entwickelt suchmaschinenoptimierte Internetpräsenzen, kümmert sich um die Technik im Hintergrund und sorgt mit Online-Marketing dafür, dass Kunden überhaupt auf ein Angebot aufmerksam werden.

Der Blick aufs digitale Ganze

Im Mittelpunkt steht dabei nach wie vor die Website. Sie ist der Ort, an dem ein Unternehmen zeigt, wer es ist, was es kann und warum man ihm vertrauen sollte. Nur hängt inzwischen mehr daran. Bevor eine neue Seite entsteht, schauen Andreas Cichon und Christine Schmidt deshalb genau hin: Was ist schon vorhanden? Was fehlt? Wo hakt es? Welche Systeme sind angebunden? Aus einem Website-Projekt wird so schnell ein Blick auf das große Ganze. „Eine Website funktioniert heute nicht mehr isoliert. Sie ist Teil eines größeren digitalen Ökosystems“, erklärt Cichon.
Das gilt umso mehr, seit nicht mehr nur Menschen und Suchmaschinen auf diese Informationen zugreifen, sondern immer öfter auch KI-Systeme. ­Christine Schmidt erklärt es an einem einfachen Beispiel: „Wie haben wir früher nach einem italienischen Restaurant gesucht? Wir haben ein paar Stichworte bei Google eingegeben und uns durch die Trefferliste gearbeitet.“ Heute formulieren Nutzende ihre Wünsche viel genauer: ein Lokal fürs Geschäftsessen, vegetarische Optionen, gute Bewertungen, vielleicht noch ein Tisch in der Nähe des Hotels.

Vom Suchtreffer zur Empfehlung

Künstliche Intelligenz bündelt solche Anforderungen und liefert oft direkt eine Antwort – manchmal inklusive Begründung, warum ein bestimmtes Restaurant passt. Selbst Google sieht heute nicht mehr immer so aus wie früher: Statt nur zehn blauer Links erscheint bei Suchanfragen oben eine KI-generierte Zusammenfassung. Für Unternehmen heißt das: Bisher ging es darum, in der Trefferliste möglichst weit oben zu stehen. Jetzt kommt hinzu, überhaupt in diese Auswahl zu kommen.
Unternehmen müssen ihre Digitalstrategie dafür nicht neu erfinden. „Die klassische Suchmaschinenoptimierung liefert den überwiegenden Teil der Grundlage für KI-Sichtbarkeit“, sagt Andreas Cichon. Entscheidend bleiben eine technisch saubere Website, klare Inhalte und nachvollziehbare Strukturen. Doch vieles, was schon für Google wichtig war, bekommt aus Sicht von Andreas Cichon und Christine Schmidt durch KI noch mehr Gewicht. Es zählt nicht nur, was ein Unternehmen auf der eigenen Website über sich sagt. Auch das, was an anderen Stellen im Netz über dieses zu finden ist, spielt eine Rolle.

Das Gesamtbild entscheidet

Am Ende geht es um Glaubwürdigkeit: Wirkt ein Unternehmen online verlässlich? Wird erkennbar, was es fachlich kann? Werden Leistungen verständlich erklärt? Gibt es aktuelle Referenzen? Wird das Unternehmen auch an anderen Stellen genannt – in Bewertungen, Fachbeiträgen, Medien oder Branchenverzeichnissen? Und passt dieses Bild zu dem, was es selbst über sich sagt? „Die KI bildet sich aus vielen Quellen ein Urteil über ein Unternehmen“, erklärt der Geschäftsführer.
Gerade hier sieht Andreas Cichon Nachholbedarf: „Viele Firmen wissen gar nicht, welchen Wissensschatz sie besitzen.“ Er meint damit die Erfahrung von Mitarbeitenden, besondere Projekte, gute Lösungen für Kunden – all das, was im Alltag selbstverständlich ist, im Netz aber oft kaum vorkommt. Es steht in keinem Referenztext, taucht in keinem Fachbeitrag auf und wird auch auf der Website selten erklärt. Für Kunden sei das schade, für Suchmaschinen und KI-Systeme erst recht.

Auch Events werden digitaler

CiSmart Solutions arbeitet mit einem kleinen, festen Kern und projektbezogen mit freien Spezialisten. Neben der Geschäftsleitung zählen eine Webdesignerin und eine Backoffice-Kraft zum Team; beheimatet ist die Agentur auf dem Schimmel-Hof. Über das Partnernetzwerk MEET Braunschweig der Braunschweig Stadtmarketing GmbH ist CiSmart Solutions zudem im Eventbereich aktiv. Dort unterstützt die Agentur Veranstalter vor allem beim digitalen Teil: mit Landingpages, Anmeldeprozessen, Ticketlösungen und digitaler Teilnehmendenkommunikation.
Webseiten, wie wir sie heute kennen, wird es in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr geben – sie werden vielmehr zu einem Datenhub und zur zentralen Schnittstelle für den Webauftritt.
So bekommt das Team Einblicke in unterschiedliche Branchen – und sieht, wie verschieden Unternehmen bei der Digitalisierung aufgestellt sind. Der Eindruck von Andreas Cichon und Christine Schmidt? „Sehr gemischt.“ Einige seien digital gut unterwegs, andere hätten noch grundlegende Hausaufgaben zu erledigen. Manchmal gehe es nicht um große KI-Strategien, sondern um einfache Dinge – etwa darum, ob die Website nicht nur auf dem Desktop, sondern auch auf dem Smartphone gut nutzbar ist und ob die Informationen aktuell sind.

Frischer Wind im Mittelstand

Gerade im Mittelstand hänge viel davon ab, wer das Thema im Unternehmen nach vorn bringt. Besonders in familiengeführten Betrieben beobachtet ­Christine Schmidt Bewegung, wenn die nächste Generation Verantwortung übernimmt. Dann komme oft „frischer Wind ins Unternehmen“, sagt sie – und damit auch mehr Neugier auf digitale Themen: Welche Prozesse lassen sich vereinfachen? Wie erreicht man neue Kunden? Und wie wirkt die Firma online auf Bewerbende?
Dabei gehe es nicht darum, jedem Trend hinterherzulaufen. Andreas ­Cichon und Christine Schmidt warnen eher davor, KI als Allheilmittel zu verstehen. Viele Grundlagen blieben dieselben: „Erst mal ordentlich die Website gestalten, Suchmaschinenoptimierung machen und die Seite immer aktuell halten“, beschreibt Christine Schmidt den pragmatischen Anfang. Eine Website sei eben kein Projekt, das man einmal abschließt und dann zehn Jahre liegen lässt.

Vom Schaufenster zum Datenhub

Die Website verschwindet nicht, sie bekommt nur eine neue Aufgabe. Sie bleibt Vertrauensanker, wird aber zugleich zur Datenquelle im Hintergrund, aus der Suchmaschinen, Plattformen und KI-Assistenten Informationen ziehen. ­Andreas Cichon fasst es so zusammen: „Webseiten, wie wir sie heute kennen, wird es in ein paar Jahren vielleicht nicht mehr geben – sie werden vielmehr zu einem Datenhub und zur zentralen Schnittstelle für den Webauftritt.“
boy
5/2026