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KWINTELY Intelligence – GmbH Ziemlich patent
„Das ist neu! So hat es noch keiner gemacht! Das funktioniert besser als alles andere!“ So fühlt es sich an, wenn eine gute Idee entsteht. Der Haken: Vieles gibt es in ähnlicher Form bereits – und ist nicht selten patentiert. Bevor aus einer Idee etwas Greifbares wird, lohnt sich daher ein nüchterner Blick: Was existiert schon? Wer hat sich welche Rechte gesichert? Und wo beginnt tatsächlich Neuland? Genau hier setzt das Braunschweiger Unternehmen KWINTELY Intelligence GmbH an. Woche für Woche sichtet KWINTELY Hunderttausende neue Patentschriften und Fachpublikationen, trennt Wichtiges von Unwichtigem – und schafft damit eine belastbare Grundlage für technologische Weichenstellungen.
V. l. n. r.: Dr. Hardy Köke, Dr. Lennart Weiß und Tobias Sell.
Fortschritt hinterlässt Spuren. Wenn ein Werkstoff länger hält, ein Herstellungsprozess Energie spart oder ein Sensor präziser misst – kurz: wenn technische Veränderungen messbaren Nutzen bringen –, tauchen solche Entwicklungen früher oder später in Patenten, Fachpublikationen und klinischen Studien auf. Um in dieser Informationsfülle den Überblick zu behalten, hat KWINTELY eine KI-gestützte Recherchesoftware entwickelt. Sie greift auf einen gewaltigen Wissensbestand zurück: mehr als 270 Millionen Veröffentlichungen aus aller Welt, ständig wachsend. Welche davon für die Einordnung neuer Technologien relevant sind, filtern die Rechenmodelle – im eigenen Haus entwickelt und vollständig auf eigenen Systemen betrieben.
Kontext statt Schlagworte
Doch selbst mit großer Rechenleistung bleibt eine Hürde: Neue Konzepte haben anfangs viele Bezeichnungen. Erst mit der Zeit setzt sich eine gemeinsame Sprache durch. Wer nur nach einzelnen Begriffen sucht, übersieht daher leicht verwandte Entwicklungen – in anderen Fachgebieten, Ländern oder Publikationsformen. Denn in Patenten und Fachartikeln steckt oft dieselbe Idee, nur anders beschrieben: mal juristisch präzise, mal wissenschaftlich abstrakt, mal praxisnah aus der Entwicklung.
„Deshalb arbeitet unsere Methode grundsätzlich schlagwortfrei“, sagt Dr. Lennart Weiß, der sich die Geschäftsführung mit Dr. Hardy Köke teilt. „Wir durchsuchen Publikationen nicht nach einzelnen Begriffen, sondern nach dem Kontext – also dem inhaltlichen Zusammenhang.“ So findet die Technologie inhaltlich verwandte Ansätze auch dann, wenn sie unterschiedlich benannt oder in anderen Disziplinen beschrieben werden. Gerade bei neuen Entwicklungen ohne einheitliches Vokabular macht das einen entscheidenden Unterschied.
Wir wollen dazu beitragen, indem wir Informationen so aufbereiten, dass sie Unternehmen schneller zu tragfähigen Entscheidungen führen – damit der Technologiestandort Deutschland wieder an Stärke gewinnt.Dr. Lennart Weiß
So leistungsfähig die Technologie ist – am Anfang steht immer ein Gespräch zwischen Menschen. Erst im Austausch mit den Fachleuten des Kunden wird klar, worum es inhaltlich geht, welches Ziel verfolgt wird und in welchem technologischen Umfeld sich eine Entwicklung bewegt. Dieses gemeinsame Verständnis steckt den Rahmen für die Analyse ab. Am Ende von Recherche und Analyse steht eine technische Einschätzung. Sie zeigt, wie neu eine Entwicklung tatsächlich ist und wo es vergleichbare Ansätze gibt. Eine Patentprüfung ersetzt das nicht – bildet aber häufig ihre Grundlage. „Wir arbeiten bei Bedarf mit Kanzleien und Patentanwälten zusammen und schaffen so die Basis für die juristische Bewertung“, sagt Lennart Weiß. Wird kein wirksames Patent verletzt, ist der Weg frei – etwa um einen Markteintritt zu prüfen, in eine Produktionslinie zu investieren oder mit der Idee an die Öffentlichkeit zu gehen und Kapital für die Entwicklung einzuwerben. Der Risiko-Check kann jedoch auch anders ausfallen. „Es gibt unglaublich viel, was irgendwo schon dokumentiert, erfunden oder wissenschaftlich untersucht worden ist. Und es ist nur menschlich, das alles nicht auf dem Schirm zu haben.“
Regelmäßig begutachtet KWINTELY Hunderttausende neue Patentschriften und Fachpublikationen. Dadurch schafft das Team eine belastbare Grundlage für technologische Weichenstellungen.
Eine sichere, kontrollierte Umgebung
Die Auftraggeber von KWINTELY kommen aus aller Welt und aus unterschiedlichen Branchen, auch wenn die Life Sciences einen Schwerpunkt bilden. Zum Kundenkreis zählen ebenso Unternehmen aus Energie und Robotik sowie Kliniken und Forschungseinrichtungen. Dass Recherche und Auswertung vollständig in eigenen Systemen erfolgen, ist vor allem dort entscheidend, wo Vertraulichkeit höchste Priorität hat – etwa in Dual-Use- und militärischen Bereichen.
Viele Anbieter gehen heute anders vor: Sie betreiben ihre Systeme bei großen Cloud-Anbietern, nutzen KI-Bausteine externer Firmen und speichern Daten auf Plattformen Dritter. Das ist bequem, aber nicht unbedingt die sicherste Lösung. KWINTELY setzt bewusst auf das Gegenteil: Von der Suchanfrage bis zu den Projektdetails bleibt alles in der eigenen, kontrollierten Umgebung. „Wir wollen bei unserer Leistung nicht davon abhängig sein, ob US-Dienste verfügbar sind oder abgeschaltet werden“, betont Lennart Weiß. „Darauf lässt sich kein stabiles Geschäftsmodell bauen – schon gar nicht in der aktuellen politischen Lage.“ Statt Standard-KI mit aufgesetzter Oberfläche einzusetzen, betreibt KWINTELY eine eigene Serverlandschaft und entwickelt Modelle, die gezielt auf Patente und Fachliteratur trainiert sind. „Alles, was wir tun, bleibt zu jedem Zeitpunkt in unserer geschützten Umgebung.“
Alles, was wir tun, bleibt zu jedem Zeitpunkt in unserer geschützten Umgebung.Dr. Lennart Weiß
KWINTELY arbeitet nicht nur projektbasiert als Recherche- und Analysepartner. Das Unternehmen vergibt auch Softwarelizenzen, sodass Firmen die Technologie selbst für ein kontinuierliches Monitoring nutzen können: Woche für Woche wird automatisch geprüft, ob neue Entwicklungen auftauchen, die für ein Projekt relevant sind.
Forschungsalltag legt das Fundament
Kennengelernt haben sich die beiden Geschäftsführer am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Braunschweig. Dort promovierten die Maschinenbauingenieure im Bereich Faserverbundmaterialien und arbeiteten gemeinsam an wissenschaftlichen Projekten. Die Idee zu KWINTELY entstand im Forschungsalltag. Drittmittelanträge erfordern, den Stand der Technik präzise darzustellen – und dafür muss Literatur recherchiert, ausgewertet und eingeordnet werden. „Wir haben uns immer wieder gefragt: Kann mein Projektantrag an Qualität gewinnen, wenn ich vorhandene Informationen besser aufbereite?“, sagt Lennart Weiß rückblickend. Also begannen sie, Algorithmen und Machine-Learning-Methoden einzusetzen, zunächst für ingenieurwissenschaftliche Fragestellungen, heute für die systematische Patent- und Wissensrecherche. „Unsere Stärke liegt darin, Prozesse, die sonst Menschen leisten, dem Computer verständlich zu machen.“
KWINTELY ist in einem Gründerumfeld gewachsen. In Braunschweig wurde das Team von der Start-up-Akademie Wachstum und Innovation (W.IN) begleitet; parallel erhielten die Gründer unternehmerisches Coaching – bei UnternehmerTUM in München und beim German Legal Tech Hub in Hannover. Aktuell nimmt das Unternehmen am Weconomy-Mentorenprogramm teil, das Start-ups in der Wachstumsphase unterstützt, wenn die frühe Gründungszeit bereits hinter ihnen liegt.
Standort wird gestärkt
Noch ist das Team klein: Neben Lennart Weiß und Hardy Köke gehört Tobias Sell dazu. Perspektivisch soll die Belegschaft auf zehn bis zwölf Mitarbeitende steigen – auch, weil die Arbeit über die Patent- und Wissensrecherche hinausreicht und sich neuen technologischen Fragestellungen öffnet. Kooperationen in Form von Pilotprojekten sind ausdrücklich erwünscht. „Wir greifen Fragestellungen auf, für die es noch keine Lösung gibt“, sagt Lennart Weiß. „Unser Ziel ist es, daraus Wege zu entwickeln, die Unternehmen den nächsten Schritt ermöglichen.“
Gerade für Firmen in Deutschland kann das entscheidend sein. Im internationalen Wettbewerb steigt der Druck, technologische Weichen zügiger zu stellen. „Wir wollen dazu beitragen, indem wir Informationen so aufbereiten, dass sie Unternehmen schneller zu tragfähigen Entscheidungen führen – damit der Technologiestandort Deutschland wieder an Stärke gewinnt.“
boy
2/2026
