Innovatives aus der Sprachküche

Mit ihrem wohlschmeckenden Auflauf bunt illustrierter Lernzutaten, überbacken mit viel Spielspaß und Bewegung sowie großzügig gewürzt mit digitalen Inhalten, hat „Sprachköchin“ Silke Koch ein neues Rezept für die kindliche Sprachförderung entwickelt. Ab Oktober 2021 darf gekostet werden.
Wo normalerweise junge Firmen an der Zukunft der Mobilität, der Navigation von Satelliten oder den Möglichkeiten von Virtual Reality forschen und tüfteln, bereitet Silke Koch ein ganz anderes Süppchen zu. Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass die Sprachköchin, wie die 36-Jährige sich und ihr Unternehmen nennt, vom Braunschweiger Start-up-Zentrum MO.IN gefördert wird. Meistens kommen Tech-Gründungen zu diesen Ehren. Koch hingegen verfolgt das Ziel, mit künstlerisch und kindgerecht illustrierten Lern- und Fördermaterialien die Möglichkeiten der Sprachtherapie zu erweitern. Der Ansatz, den sie dabei wählt, ist in erster Linie spielerisch, haptisch und auf Bewegung ausgelegt, bedient sich andererseits aber auch digitaler Möglichkeiten – mittels einer App.
Die Geburt ihrer zweiten Tochter und die kurz danach beginnende Corona-Zeit sorgte bei Koch für ein berufliches Umdenken. Zuvor hatte die Sonder- und Sprachheilpädagogin in Praxen und Kliniken in Braunschweig und der Region gearbeitet, zuletzt als Lehrkraft für Psychomotorik bei der Stiftung Neuerkerode. Zu Beginn der Pandemie sprach sie dann mit ihrem Mann darüber, „welche Träume man hat, wo man sich sieht, was einen wirklich erfüllen würde, wo die Reise hingehen soll“, erinnert sie sich. Schließlich war es ihr Partner, der den entscheidenden Impuls gab, „dann reifte die Idee, und ich begann dafür zu brennen“. Im Oktober 2020 gründete sie ihr Start-up.

Einzigartig dank QR-Codes und Bewegungsaufgaben

„Ich entwickle und produziere Materialien für die kindliche Aussprache, die in jedem Bereich, wo man lernt und fördert, zum Einsatz kommen können. In Grundschulen und Kindergärten, in Fördereinrichtungen und logopädischen Praxen“, beschreibt die Sprachköchin ihre Idee. Sie betont, dass das Zwischenmenschliche dabei im Mittelpunkt stehen soll, „das haptische Spiel, das Material auf dem Tisch“. Das Neue daran: Auf all ihren Produkten, Wort- und Lautkarten etwa, bunt bemalt und hübsch illustriert, finden sich QR-Codes, die zu einer kostenlosen App mit spielerischen, aber fachlich fundierten Übungen führen. So verbindet die Gründerin analoges Spiel und digitale Medien, ohne dass dabei die Pädagogik zu kurz käme, wie es bei rein digitalen „Gamification“-Ansätzen oft der Fall sei. „Alle meine Produkte kann man auch rein analog spielen“, betont sie, „und den digitalen Input auf Wunsch dazunehmen.“
Gleichzeitig verknüpft Koch ihre Sprachaufgaben mit Bewegungsspielen, damit neben den kommunikativen auch die motorischen Fähigkeiten der Kinder gefördert werden. „Dadurch, dass der Fokus zwischendurch immer wieder auf etwas anderes gelenkt wird, steigt die Motivation“, erläutert Koch die Idee dahinter, die in dieser Umsetzung ebenfalls neu sei: „Den ganzheitlichen Ansatz, Sprach- mit Bewegungsaufgaben zu kombinieren, eingebettet in einen analog-digitalen Kontext, gab es bisher so noch nicht.“
Sprachküche und Speisekammer von Silke Koch befinden sich nicht am Rebenring, wo das MO.IN seinen Gründern auf Wunsch Büroräume zur Verfügung stellt, sondern in ihrer Wohnung im Östlichen Ringgebiet. Hier entstehen ihre Ideen für Aufgaben und Spiele, von hier aus kommuniziert sie mit einer Illustratorin in Bayern, die ihr Lernmaterial detailreich und mit Liebe gestaltet, und einem Braunschweiger Programmierer, der für sie an der Entwicklung der Smartphone-App arbeitet. Hier spricht sie selbst die Texte für die App ein – mehr als 300 seien das mittlerweile, überschlägt sie grob. Hier produziert sie, mit einem extra zu diesem Zweck angeschafften 3-D-Drucker, Spielfiguren für ein sprachtherapeutisches Brettspiel, das sie ebenfalls selbst entwickelt hat. Und hier übernimmt sie auch die kleinen Aufgaben, etwa das Stempeln oder Bekleben der hübschen Papiertüten, in denen die Spiel- und Lerninhalte zu erwerben sein werden. Lediglich die Produktion des Lernmaterials hat sie an Druckereien übergeben – was sich in Corona-Zeiten jedoch als nicht ganz problemlos erwies. „Durch die Pandemie haben sich die Produktionszeiten der Spiele und Karten unwahrscheinlich verzögert“, berichtet die Mutter von zwei Kindern. Einerseits, weil in Lockdown-Zeiten nicht so viele Mitarbeiter in den Fertigungsstätten arbeiten durften, zum anderen, weil Gesellschaftsspiele derzeit einen Boom erleben, was sich in puncto Rohstoffen und Lieferkapazitäten bemerkbar machte. „Deswegen zog sich alles hin.“ Die gelieferten Materialien lagern nun ebenfalls in ihrer Wohnung, „die Kinderzimmer haben nun noch ein paar mehr Spiele als normal“, sagt sie mit einem Lachen.
„Den ganzheitlichen Ansatz, Sprach- mit Bewegungsaufgaben zu kombinieren, eingebettet in einen analog-digitalen Kontext, gab es bisher so noch nicht.“

Arbeit an der eigenen Sichtbarkeit

Ungeachtet der logistischen Probleme sollen die Lern- und Spielmaterialien der Sprachköchin schon bald in den Verkauf gehen, mit einer Auflage von zunächst einmal 1000 Stück pro Produkt. Nur noch zwei Module fehlen ihr, um loszulegen. „Mein Ziel ist es, im Oktober den Markteintritt zu wagen“, skizziert die gebürtige Lübeckerin ihren Zeitplan. Neben Online-Verkauf und Direktvertrieb über ihre beruflichen Kontakte möchte sie auf Kooperationen mit dem lokalen Buchhandel setzen. Im September endet ihre Förderung durch das MO.IN, durch die sie schon jetzt „viel wertvolle Unterstützung erfahren“ habe, „menschlich wie fachlich“.
Mittlerweile brütet Koch außer über ihren Produkten auch verstärkt über den Themen Vertrieb und Marketing. Mit dem Erstellen von Homepage, Webshop und Social-Media-Auftritten hatte sie sich zunächst bewusst Zeit gelassen. Nun, das ist ihr klar, müssen diese Bereiche allmählich Fahrt aufnehmen, um Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit zu generieren. Momente des Zweifelns, die viele Gründer immer mal wieder befallen, hatte Silke Koch nach eigener Aussage nie, „weil ich von dem Konzept überzeugt bin und ganz viel positives Feedback bekommen habe“. Und auch den frühen Testessern, ihren eigenen Töchtern und den Kindern von Freunden, haben die ersten Appetithäppchen der Sprachköchin vorzüglich geschmeckt.          
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