5 min
Lesezeit
David Smyczek & GuardUp – Turmhoch voraus
Ob Gelegenheitsdieb oder organisierte Bande – Baustellen sind ein beliebtes Ziel. Wertvolle Werkzeuge, meterweise Kupferkabel und randvolle Dieseltanks stehen oft unzureichend geschützt herum und können binnen Minuten verschwinden. Nachts und an Wochenenden ist zudem kaum Personal vor Ort, sodass Diebstähle oft erst spät bemerkt werden. Genau hier setzt mobile Baustellenüberwachung an: Kameratürme sichern das Gelände rund um die Uhr und melden jeden Versuch, sich an Material oder Gerät zu schaffen zu machen. Einer, der diese Technik in Deutschland etabliert hat und sie heute leichter zugänglich machen will, ist David Smyczek. Mit seinem Online-Marktplatz GuardUp bringt er Bauunternehmen und Anbieter von Überwachungssystemen zusammen.
David Smyczek (links) und GuardUp-Entwickler Martin Kiehn.
Um zu verstehen, wo David Smyczek heute steht, lohnt sich ein Blick zurück. Der 42-jährige Braunschweiger kommt aus der Bauwelt, kennt ihre Akteure und Abläufe aus eigener Erfahrung – und damit auch ihre Schwachstellen. 2016 stößt er erstmals auf mobile Videoüberwachungstürme. Damals verkauft er noch Baumaschinen, als ihn ein Sicherheitsanbieter dafür gewinnt, die neue Technik in Deutschland einzuführen. Was in den Türmen steckt, ist ihm anfangs unklar, doch ihr Potenzial erkennt er sofort: Sie könnten ein hartnäckiges Baustellenproblem lösen. „Wie oft hatten mich Bauleiter angerufen, weil wieder etwas gestohlen worden war?“, erinnert er sich.
„Wir mussten den Markt praktisch erst erfinden“
Mobile Videoüberwachungstürme funktionieren wie rollende Wachposten: anliefern, aufstellen, Mast ausfahren – und schon überwacht ein Bündel Kameras die Baustelle im 360-Grad-Radius. Registriert das System verdächtige Bewegungen an Containern, Maschinen oder Kabelsträngen, wird die Leitstelle informiert und der Eindringling per Lautsprecher aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Bleibt das ohne Wirkung, rücken Sicherheitsdienst oder Polizei an.
Die ersten Jahre sind echte Pionierarbeit: Kaum jemand kennt die Technik, viele Bauunternehmen reagieren skeptisch. Trotzdem fährt er von Baustelle zu Baustelle, erklärt, überzeugt, räumt Vorbehalte aus. „Wir mussten den Markt praktisch erst erfinden“, sagt er.
Der Einsatz lohnt sich. Die Nachfrage steigt, die Türme werden zum vertrauten Bild auf deutschen Baustellen. Aus wenigen Dutzend Systemen werden einige Jahre später Tausende. David Smyczek verfolgt dieses Wachstum aus nächster Nähe – inzwischen als Vertriebsleiter eines bundesweiten Teams. Durch den Einsatz der Technologie gehen Diebstahl und Vandalismus nachweisbar deutlich zurück.
Die ersten Jahre sind echte Pionierarbeit: Kaum jemand kennt die Technik, viele Bauunternehmen reagieren skeptisch. Trotzdem fährt er von Baustelle zu Baustelle, erklärt, überzeugt, räumt Vorbehalte aus. „Wir mussten den Markt praktisch erst erfinden“, sagt er.
Der Einsatz lohnt sich. Die Nachfrage steigt, die Türme werden zum vertrauten Bild auf deutschen Baustellen. Aus wenigen Dutzend Systemen werden einige Jahre später Tausende. David Smyczek verfolgt dieses Wachstum aus nächster Nähe – inzwischen als Vertriebsleiter eines bundesweiten Teams. Durch den Einsatz der Technologie gehen Diebstahl und Vandalismus nachweisbar deutlich zurück.
Baustellensicherheit wird immer wichtiger. Die durch Vandalismus und Diebstahl entstandenen Schäden gehen in die Millionen.
Gründen mit klarem Fokus
Die Videoüberwachungstürme bleiben sein Revier – nur seine Rolle verändert sich. Immer häufiger wenden sich Unternehmen an ihn, die selbst in das Geschäft mit mobiler Baustellenüberwachung einsteigen wollen. Also macht er sich selbstständig und gründet ein Beratungsgeschäft, das Sicherheitsunternehmen beim Aufbau ihrer Expertise begleitet. Und mehr noch: Er ruft die GuardUp GmbH ins Leben – eine Art Booking.com für Baustellensicherheit, die Angebot und Nachfrage erstmals auf einer Plattform zusammenführt. Verdient wird an der Vermittlung: Kommt ein Auftrag zustande, erhält GuardUp eine Provision.
David Symczeks Online-Marktplatz erleichtert den Zugang zu Sicherheitstechnik und schafft für Unternehmen niedrigschwellige Abhilfe.
Nun könnte man meinen, damit sei die Gegenwart erreicht. Doch eine entscheidende Etappe in der Start-up-Story von David Smyczek fehlt noch: Im November 2024 geht GuardUp online. „Wir haben gedacht: Wow, der Markt wartet auf uns – und alle werden fleißig buchen.“ Doch die Realität sieht anders aus. „Nach kurzer Zeit hat sich herausgestellt, dass das eben nicht der Fall ist.“ Unmittelbar darauf folgt der nächste Rückschlag: Zwei Geschäftspartner steigen aus, die Finanzierung gerät ins Wanken – und GuardUp steht plötzlich auf der Kippe.
Und heute, gut ein Jahr später? David Smyczek ist sichtlich gelassen. Die Turbulenzen liegen hinter ihm, GuardUp ist wieder auf Kurs. Die vergangenen Monate seien hart gewesen, erzählt er, voller organisatorischer und gesellschaftsrechtlicher Baustellen. Er verhandelte mit Banken über Geld, übernahm die Anteile der ausgestiegenen Partner und gewann einen neuen Gesellschafter, der nicht nur frisches Kapital mitbrachte, sondern vor allem Zeit verschaffte: für den Neustart von GuardUp.
Und heute, gut ein Jahr später? David Smyczek ist sichtlich gelassen. Die Turbulenzen liegen hinter ihm, GuardUp ist wieder auf Kurs. Die vergangenen Monate seien hart gewesen, erzählt er, voller organisatorischer und gesellschaftsrechtlicher Baustellen. Er verhandelte mit Banken über Geld, übernahm die Anteile der ausgestiegenen Partner und gewann einen neuen Gesellschafter, der nicht nur frisches Kapital mitbrachte, sondern vor allem Zeit verschaffte: für den Neustart von GuardUp.
Als die Gesellschafterstruktur neu geordnet war, stellte Smyczek ein schlankes Team aus Entwicklern und Marketing-Spezialisten zusammen, überarbeitete zentrale Funktionen des Marktplatzes und gewann weitere Anbieter mobiler Videoüberwachung für GuardUp. Noch arbeitet das Team ausschließlich auf Freelance-Basis. „Natürlich habe ich den Wunsch, alle irgendwann fest einzubinden“, sagt er. Doch zunächst müsse GuardUp wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen.
Sicherheit wird nie weniger wichtig
Seine Zuversicht speist sich nicht nur aus der Weiterentwicklung der Plattform und steigenden Besucherzahlen. Das Grundproblem bleibt: Auf deutschen Baustellen wird weiterhin gestohlen. „2023 waren es laut Statista 226 Millionen Euro“, sagt Smyczek mit Blick auf die Schäden. Wo Kameratürme stehen, steigt die Hemmschwelle für Diebstahl deutlich – und GuardUp erleichtert den Zugang zu dieser Technik. Die Plattform bündelt Angebote, macht sie vergleichbar und senkt die Hürden für Bauunternehmen. „Sicherheit ist wichtig, aber niemand beschäftigt sich gern damit“, sagt er. „Also machen wir es so einfach wie möglich.“
Sicherheit ist wichtig, aber niemand beschäftigt sich gern damit. Also machen wir es so einfach wie möglich.David Smyczek
Als Kenner der Szene beobachtet er, wie sich die Systeme technisch weiterentwickeln: bessere Sensorik, höhere Bildauflösung, präzisere Erkennung. Doch der Nutzen beschränkt sich nicht auf Bauunternehmen. Auch die Sicherheitsbranche selbst steht unter Druck. Rund 8500 Stellen seien unbesetzt, Wachpersonal nur schwer zu finden. Videotürme sind damit für Wachdienste nicht nur ein Zusatzgeschäft, sondern auch eine wirtschaftliche Antwort auf Personalmangel und Kostendruck. Sie ermöglichen es, größere Bauflächen, kritische Infrastrukturen wie Umspannwerke oder Bereiche mit zeitweise erhöhtem Schutzbedarf wirksamer abzusichern.
Pionierarbeit leisten
Kaum ein Start-up bleibt von Momenten verschont, in denen alles auf der Kippe steht. GuardUp hat sie hinter sich: Aufbruch, Rückschläge, Neuordnung. „Die Momente, in denen man sich fragt: Wird das was oder nicht – die gibt es immer wieder“, so David Smyczek. „Aber man muss einfach dranbleiben.“ Dass sein digitales Geschäftsmodell kopierbar ist, weiß er. Sorge bereitet ihm das nicht. Entscheidend sei, früh voranzugehen und den Markt mit aufzubauen. „Wenn wir den Weg ebnen, bleiben wir Vorreiter“, konkludiert er selbstbewusst. Selbst wenn andere folgen, sei darin Platz für mehrere Marktplätze – und zwar in einem Feld, das lange als sperrig galt.
boy
2/2026
