Waldhaus Oelper - Rundum-Sorglos-Paket für alle Feiern
Es kann eigentlich gar nicht anders sein: Halb Braunschweig ist schon über den roten Teppich ins Waldhaus Oelper geschritten. Hat es dort zum Geburtstag so richtig krachen lassen, bei der diamantenen Hochzeit noch einmal die große Liebe beschworen oder der Oma zum 80. viel Gutes und vor allem noch lange währende Gesundheit gewünscht. Das Waldhaus Oelper hat seinen Platz in vielen Familienalben von der Taufe bis zur Trauerfeier. Vor 125 Jahren von der Forstgemeinschaft in Oelper erbaut, ist es immer ein Gastronomiebetrieb gewesen und nicht erst im Jubiläumsjahr zum vielseitig aufgestellten Veranstaltungsort gereift. Ein Haus mit langer Geschichte, dessen Geschicke seit 1996 erfolgreich in der Hand einer Familie liegen. Der Staffelstab wurde 2023 an die nächste Generation übergeben, seither hat Achim Baumgart den Hut auf.
Seit 2023 ist Achim Baumgart Geschäftsführer des Waldhaus Oelper.
Er ist auf dem am Waldrand gelegenen Grundstück in Lehndorf groß geworden, mittlerweile liebt es sein Sohn Leon, mit seinem Trecker über die Halme zu rattern oder sich auf dem weitläufigen Areal auszutoben. „Mein Sohn sagt immer ‚Papa, du bist der Drinnen- und ich der Draußen-Chef‘.“ Wir treffen uns zu Rundgang und Gespräch mit dem Drinnen-Chef, der andere ist gerade nicht abkömmlich. Wahrscheinlich Schulpflichten.
Den Sonntagsbrunch lassen sich 180 Gäste schmecken
Es ist ein Montag. Ein bisschen Ruhe nach dem Sturm. Dass sich allein im großen Saal noch einen Tag zuvor 180 Gäste den Sonntagsbrunch schmecken ließen, merkt man kaum noch. Alles picobello sauber, die Tische werden schon wieder für die nächste Feier positioniert. Im Saal „Gartenterrasse“, der mit fast bodentiefen Fenstern selbst im November lichtdurchflutet anmutet und einen ausladenden Blick in den Garten gewährt, hat der Chef einen Tisch herrichten lassen. Geschmackvolle weihnachtliche Note mit weißer Amaryllis, roten Bändern um die tannengrünen Servietten, goldenem Besteck. An so einer Tafel kann eigentlich nur gehobene Festtagsstimmung aufkommen.
Die Räumlichkeiten der populären Veranstaltungslocation laden zum gemütlichen Verweilen ein.
Seine Lebensgefährtin Simone Hoffmann kümmert sich um Dekoration, Ausstattung, Mutter Maggy Ossada hat die Betriebsleitung inne, der Küchenchef ist seit Anfang der 90er-Jahre im Haus. „Den haben meine Eltern damals mitgekauft“, sagt der 35-Jährige lachend. „Ich hoffe, dass ich ihn bei uns bis zur Rente begleite.“ Onkel, Tanten, Vater und Stiefvater arbeiten ebenfalls im Waldhaus Oelper, machen es zu einem echten Familienbetrieb. „Gelebtes Patchwork“, freut sich Baumgart. Wenn sich Leon beim Toben und Tollen in Haus und Garten mal das Knie aufratscht – kein Problem, um die nächste Ecke ist immer wer, der trösten kann. Familie eben.
„Niemals Fertigung, niemals Gastronomie“
Was nach einem vorgezeichneten Berufsweg von Kindesbeinen an klingt und eben fast schon so in den Block notiert wäre, ist ein Holzweg. Baumgart machte eine Ausbildung bei der DLR, später wechselte er zu Perschmann, wurde Assistent der Geschäftsführung. „Niemals Fertigung, niemals Gastronomie“, das sei damals sein Credo gewesen. Eigentlich. Denn als Justus Perschmann mit ihm einen Karriereplan erstellen, schauen wollte, wohin es mit Baumgart beim Werkzeug-Großhändler noch hingehen sollte, fragte die Familie an, ob er sich den Einstieg im Waldhaus Oelper vorstellen könne. Er konnte. Perschmann nahm es ihm nicht krumm, reagierte auf den Ausstieg, indem er eine Firmenfeier mit 400 Leuten im Waldhaus Oelper feierte. Ausrichter: sein ehemaliger Assistent. „Meinen Ausstieg mit solch einem Respekt hinzunehmen, das ist schon super.“
Neun Doppelzimmer komplettieren das Angebotsportfolio.
Baumgart hat das Handwerk der Gastronomie zwar nicht von der Pike auf gelernt, hat nicht die Ochsentour von eimerweise zu schälenden Kartoffeln und Co. hinter sich. Als technischer Betriebswirt sei er aber gerade für das historische Juwel im Braunschweiger Nordwesten genau der Richtige: „Bei so einem alten Gebäude muss man ständig achtsam die Substanz im Blick haben, sie in Schuss halten. So ist es bei den zahlreichen Reparaturen im Laufe der Jahre gut, wenn man das nach Dringlichkeit bewerten und kalkulieren kann.“ Das Haus in seiner Pracht, seinen Stil zu erhalten, das liegt ihm sehr am Herzen, und das spürt man im Gespräch, wenn er die großformatigen Fotografien an der Wand zeigt, die andere Schmuckstücke der Löwenstadt zeigen. Ein Stück Kultur, ein Stück Architekturgeschichte von Braunschweig sei eben auch das Waldhaus Oelper.
Das À-la-carte-Geschäft war chancenlos
Als er 2018 einstieg, hat er nicht alles umgekrempelt, aber doch einen entscheidenden Einschnitt gewagt: Er besiegelte das Ende der À-la-carte-Ära. „Es war aus betrieblicher Sicht chancenlos. Was wir am Wochenende erwirtschaftet hatten, ging in der Woche wieder verloren.“ Ein mutiges Wagnis, das mit Erfolg belohnt wurde. Zwischen Ostern und Ende September ist Hochsaison in Oelper, gewiss ballt sich vieles an den Wochenenden, aber Baumgart und seinem Team ist es gelungen, das Waldhaus zum Veranstaltungsort zu machen. Er sieht sich als Dienstleister, der, nehmen wir mal Hochzeitspaare, ein Rundum-Sorglos-Paket anbietet. Freie Trauungen werden romantisch im Garten in Szene gesetzt. Panisches Flackern in den Augen und der Stimme der Braut, was denn wäre, wenn das Wetter schlecht sei, beruhigt er so: „Dann warten wir auf gutes.“ Im Ernst: Wenn absehbar ist, dass zum Ja-Wort-Zeitpunkt ein Platzregen droht, wird eben um eine Stunde verschoben. Auch Trauerfeiern können im stilvollen Rahmen mit Andachtpult begangen werden. Auf Wunsch ist der Andachtsraum weiß und hell ausgestattet.
Bei so einem alten Gebäude muss man ständig achtsam die Substanz im Blick haben, sie in Schuss halten.Achim Baumgart
Je mehr das Veranstaltungsgeschäft in Schwung kam, desto weniger machte das parallele À-la-carte-Geschäft aus seiner Sicht Sinn. „Da stoßen zwei Welten aufeinander, wenn in einem Raum ein hochwertiges Menü für zwei Personen serviert wird und in Ruhe genossen werden will, und nebenan eine Gesellschaft Hochzeit feiert, die sich möglicherweise auch mal etwas lauter herzt und begrüßt beim Sektempfang.“
Ein Hauch von Glanz und Glamour auf dem roten Teppich
Früher, sagen wir vor 30 oder 40 Jahren, plante man seine Hochzeit natürlich auch. Aber heute wird für solch freudigen Anlass ein Konzept entwickelt. Das Büfettgespräch ist dabei essenziell, logisch, aber bei weitem nur ein Punkt. Manche Gäste wollen anderes Mobiliar, spezielle Fotohintergründe, eine raffinierte Deko. Man könnte hier noch lang weiter listen, kann‘s aber auch abkürzen: alles wird ermöglicht. Auch für jeden Geldbeutel. Denn: der rote Teppich soll zwar ein bisschen Glanz und Glamour, einen Hauch von Luxus verströmen, aber niemanden abschrecken. Nur Fotografen und Musik vermittelt Baumgart nicht, da seien die Geschmäcker zu verschieden, da kann man mit gut gemeinten Empfehlungen auch mal schwer daneben liegen.
Die beliebte Veranstaltungslocation im Braunschweiger Nordwesten ist nicht nur bei Brautpaaren beliebt.
Baumgart und sein Team betreiben in Braunschweig und Umgebung natürlich nicht das einzige Veranstaltungshaus. „Wir haben ein gutes Verhältnis untereinander, schicken uns auch schon mal gegenseitig Kundinnen und Kunden zu. Wer zum Beispiel ein Haus im modernen Glas-Sichtbeton-Stil bevorzugt, den würde ich bei uns mit nicht so gutem Bauchgefühl feiern lassen.“ Dass die Kolleginnen und Kollegen sich gegenseitig wertschätzen, untermauert eine kleine Anekdote: „Wir hatten gerade die kaufmännische Union hier. Und ausgerechnet da ging mir das Bier aus. Bernd Weymann von den Wendezeller Stuben telefonierte kurz und schon hatte ich zwei Fässer von ihm als Leihgabe.“
Beim Brautpaar-Ball beseelt über das Parkett gleiten
Klar ist der Job nichts für Menschen, die es gerne als 35-Stunden-Woche geregelt haben möchten. Sieben Veranstaltungsräume für 20 bis 500 Gäste, neun Doppelzimmer, 20 Festangestellte und 30 Aushilfen. Da bleibt wenig Zeit. Wenn er den Kopf mal frei kriegen möchte, geht er zum Kitesurfen. Auf der Ostsee oder ab nach Ägypten. Aber, und an diesem Punkt ist Baumgart dann doch Gastronom, Veranstalter mit Leib und Seele, wenn ein Paar, das bei seiner Mutter Hochzeit gefeiert hat, zur Silberhochzeit wiederkommt, dann freut ihn das. Oder wenn eine 80-Jährige sich nach dem Sonntagsbrunch im Kreis ihre Lieben bedankt mit den Worten, es sei wie ein Kurzurlaub gewesen, dann berührt das sein Herz.
Themenbüfetts, Weinreisen, Schlachtefeste und Krimi-Dinner gibt es ebenfalls in Oelper. Was Baumgart zukünftig noch forcieren will, sind die Bälle. Er hat gemerkt: die Menschen lieben das. Der Ball Polonia war augenblicklich ausverkauft mit 300 Gästen. Also wird es 2026 mehr geben, unter anderem auch einen Brautpaar-Ball. Die Frauen sind verzückt, in großer Abendrobe oder gar in ihrem Brautkleid übers Parkett zu gleiten. Und die Herren dürfen an solchen Abenden ungestraft Führungsqualitäten an den Tag legen.
9/2025
