IHK Wirtschaft online
Nr. 6996128
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20 Jahre im Dienste des Maschinenbaus – Im Gespräch mit der KIM e. V.

Seit nunmehr zwei Jahrzehnten ist die Kooperationsinitiative Maschinenbau e. V. ein verlässlicher Anker für Industriebetriebe aus Braunschweig und der Region. Mit einem besonderen Sinn fürs Gemeinschaftliche schafft der Verein rund um Geschäftsführerin Siw Jung und Vorstandsvorsitzenden Jan-Peter Ewe ein Umfeld, das mit voller Überzeugung für Wissenstransfer und Fachkräftegewinnung eintritt.

IHK Braunschweig: 20 Jahre Koope­rationsinitiative Maschinenbau e. V.: Ein Jubiläum in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Jan-Peter Ewe:

Sehr positiv – trotz der Rahmenbedingungen. Die vergangenen Jahre haben uns deutlich vor Augen geführt, wie wertvoll abgestimmtes und gemeinschaftliches Handeln gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen ist. Die aktuellen Turbulenzen betreffen längst nicht nur den Maschinenbau, sondern viele Industriezweige. Auf eine große Feier verzichten wir vor diesem Hintergrund daher bewusst, doch der Freude über das Erreichte tut dies keinen Abbruch.

Siw Jung:

Wir sind als Verein in hohem Maße auf unsere 23 Mitgliedsunternehmen angewiesen. Umso erfreulicher ist es, dass wir über die Jahre ein tragfähiges Netzwerk aufbauen konnten. Der Mehrwert, den wir bieten, ist gewissermaßen der Beleg für unseren Erfolg – denn das fachliche Know-how rund um den Maschinenbau liegt in den Unternehmen selbst.

Worin besteht dieser Mehrwert konkret?

Jung:

Im Kern fördern wir den Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen kleinen und mittelständischen Betrieben der Branche. Gemeinsam richten wir den Blick über das eigene Unternehmen hinaus: Wo lässt sich voneinander lernen? Wo können Erfahrungen geteilt werden? Jedes Haus verfügt über einen gewachsenen Wissensfundus, getragen von den Kompetenzen der Mitarbeitenden. In unseren fachspezifischen Arbeitskreisen führen wir diese Expertise zusammen. So erhalten die Betriebe Zugang zu den Ressourcen und Kernkompetenzen eines hochspezialisierten Netzwerks und können neue Impulse direkt im eigenen Arbeitsumfeld nutzen. Der Wissenstransfer ist dabei ein zentrales Element.

Ewe:

Stichwort Arbeitskreise: Aktuell betreuen wir die Fachbereiche Arbeitssicherheit, Ausbildung, Produktion, Einkaufsbündelung, Finanzen, IT, Personalmanagement, Qualitätsmanagement sowie Umwelt und Energie. Aus dem Austausch entstehen konkrete Projekte. Bei der Einkaufsbündelung etwa erzielen wir durch gemeinsames Vorgehen bessere Konditionen – insbesondere bei Strom und Gas. Darüber hinaus bestehen zahlreiche Rahmenverträge mit Dienstleistern, darunter Datenschutzbeauftragte, Betriebsärzte oder Lieferanten. Und auch jenseits formaler Strukturen funktioniert die Unterstützung: Wird kurzfristig ein Spezialist für eine defekte Maschine benötigt, hilft das Netzwerk schnell und unkompliziert weiter.

Ist die KIM damit ein Unikat?

Jung:

Nach unserer Einschätzung ja – zumindest in Deutschland. Ein Unternehmenszusammenschluss mit einem derart ausgeprägten Synergiesystem ist uns in dieser Form nicht bekannt. Die klare branchenspezifische Ausrichtung bildet die Basis, doch entscheidend ist die intensive Verzahnung untereinander.

Ewe:

Es gibt vergleichbare Initiativen, allerdings nicht mit dieser Verbindlichkeit und Tiefe der Zusammenarbeit. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist zum Beispiel unser Tarifvertrag zur Arbeitnehmerüberlassung. Dass andere Verbände und Organisationen regelmäßig den Austausch mit uns suchen, um Einblicke in unsere Arbeitsweise zu erhalten, sehen wir als Bestätigung unseres Kurses.

Spielt diese enge Kooperation auch bei der Nachwuchsförderung eine Rolle?

Ewe:

Ohne Frage. Pro Lehrjahr kommen wir auf insgesamt 60 bis 70 Auszubildende aus allen Mitgliedsbetrieben. Auch an dieser Stelle bündeln wir Synergien und stellen für alle Unternehmen hilfreiche Seminare auf die Beine, die angehenden Arbeitskräften zugutekommen. So profitieren alle gleichermaßen. In der Region nehmen wir damit eine Vorreiterrolle ein. Inzwischen sind mehrere Seminarreihen entstanden, die kontinuierlich weiterentwickelt werden. Auch größere Unternehmen haben dieses Prinzip für sich entdeckt und dessen Nutzen erkannt.

Jung:

Im Bereich Weiterbildung planen wir sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr umfangreiche Einkäuferseminare für Mitarbeitende unserer Mitgliedsbetriebe. Darüber hinaus bieten wir regelmäßig Schulungen an, beispielsweise zu arbeitsrechtlichen Fragestellungen. Wichtig ist uns jedoch: Diese Angebote verstehen wir nicht als dauerhafte Dienstleistung, sondern als bedarfsorientierte Unterstützung. Wir prüfen fortlaufend, welche Themen aktuell relevant sind oder aufgefrischt werden sollten, und stimmen uns dazu mit den jeweiligen Fachbereichen ab. So kann auch eine Gabelstaplerschulung kurzfristig initiiert werden.

Die Industrie ist offenkundig mehr denn je auf Fachkräfte angewiesen …

Ewe:

An der Gewinnung und Bindung von Fachkräften führt kein Weg vorbei. Deshalb sind wir auf Messen präsent, um junge Menschen für gewerblich-technische Berufe zu begeistern. Zudem organisieren wir regelmäßig Veranstaltungen in Kooperation mit Schulen und Hochschulen, bei denen sich unsere Mitgliedsunternehmen vorstellen und als direkte Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Wir starten auch Projekte, die darauf abzielen, Menschen in die Arbeitswelt zu begleiten, darunter vor allem Ausbildungssuchende, Geflüchtete, Berufsrückkehrer und alle, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Jung:

In diesem Zusammenhang können wir auch eine positive Entwicklung vermelden: Wir beschäftigen eine eigene Fachkraft für Arbeitssicherheit, die unsere Mitgliedsunternehmen in allen Fragen rund um Arbeitsschutzmaßnahmen betreut.
An der Gewinnung und Bindung von Fachkräften führt kein Weg vorbei.

Wie kann man junge Menschen für Maschinenbau gewinnen?

Ewe:

Der direkte Kontakt ist entscheidend. Wir holen junge Menschen in die Betriebe, damit sie praktische Erfahrungen sammeln können. Viele haben zunächst Respekt vor dem vermeintlich komplexen Feld des Maschinenbaus. Wir möchten zeigen, dass die Arbeit mit Werkstoffen kreativ und erfüllend sein kann. Anfassen, ausprobieren, gestalten – das steht im Vordergrund. Wer am Ende ein selbst gefertigtes Produkt in den Händen hält, entwickelt häufig eine starke Identifikation mit dem Beruf.

Jung:

Wir beobachten, dass zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Schule ohne klare berufliche Orientierung verlassen und oft nicht wissen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Mit Schulkooperationen möchten wir sensibilisieren und verdeutlichen, dass eine Ausbildung nach wie vor attraktiv ist – insbesondere, weil der Mittelstand dringend Nachwuchs benötigt. Davon profitieren beide Seiten. Häufig erhalten die Jugendlichen in den Betrieben die Gelegenheit, erste praktische Einblicke zu gewinnen. Gleichzeitig fungieren wir als Schnittstelle: Praktikumsbewerbungen können online bei uns eingereicht werden, wir leiten sie innerhalb des Netzwerks weiter. So entscheidet jedes Unternehmen eigenständig, ob eine Bewerberin oder ein Bewerber für eine Ausbildung infrage kommt.

Welches Thema wird die KIM künftig besonders beschäftigen?

Ewe:

Wir greifen konsequent die Themen auf, die unsere Unternehmen aktuell beschäftigen. Gemeinsam mit der Ostfalia – die ebenfalls Mitglied bei uns ist – stehen wir derzeit im Austausch zum Thema Künstliche Intelligenz. Insbesondere im Kontext von „Industrie 4.0“ möchten wir aufklären und konkrete Anwendungsmöglichkeiten aufzeigen. Auch hier ergeben sich Chancen, die unseren Mitgliedsbetrieben neue Perspektiven eröffnen können. Und genau solche Impulse sind in der aktuellen Zeit von größtmöglicher Bedeutung.
2/2026