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Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH - Wo aus Vergangenheit Zukunft wird

In Helmstedt ist die Geschichte der Region bis heute vielerorts sichtbar. Die Grenze, die Spuren der innerdeutschen Teilung und der Braunkohleabbau haben den Landkreis geprägt. Lange wurde Helmstedt vor allem mit seiner Randlage und dem Verlust wichtiger wirtschaftlicher Grundlagen verbunden. Inzwischen hat sich der Blick darauf verändert. Für Thomas Klein ist dieses Erbe Teil der Identität des Landkreises, zugleich aber auch Ausgangspunkt eines tiefgreifenden Wandels. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH bringt es so auf den Punkt: „Weg von fossilen Brennstoffen, hin zu neuen Projekten in den Bereichen erneuerbare Energien, Infrastruktur und Bildung.“
Bei dieser Entwicklung kommt der Wirtschaftsregion Helmstedt eine zentrale Rolle zu – zwischen Verwaltung, Unternehmen und Förderprogrammen, aber auch zwischen der Geschichte des Landkreises und neuen Perspektiven vor Ort. Sie versteht sich nicht nur als klassische Wirtschaftsförderung, sondern als Bindeglied zwischen den Bereichen, die hier ineinandergreifen sollen: Unternehmensservice, Tourismusentwicklung, Gründungsförderung und die Begleitung des Strukturwandels nach dem Ende des Braunkohleabbaus.

Vom Nebeneinander zum Miteinander

„Wir sind dann stark, wenn wir Kräfte bündeln, die richtigen Partner zusammenbringen und Projekte gemeinsam voranbringen“, sagt Thomas Klein. Dahinter steht ein neuer Ansatz: Seit Anfang 2021 arbeiten die acht kreisangehörigen Kommunen und der Landkreis in der Wirtschaftsregion Helmstedt GmbH zusammen, statt wirtschaftspolitische und strukturelle Fragen weiterhin getrennt voneinander zu behandeln.
Wie wichtig diese gemeinsame Stärke ist, zeigt sich besonders bei den Strukturhilfen. Hier geht es nicht um Einzelinteressen, sondern um Vorhaben, die den Landkreis langfristig prägen sollen. Der Bund unterstützt das ehemalige Braunkohlerevier Helmstedt mit bis zu 90 Millionen Euro, um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen des Kohleausstiegs abzufedern und neue Beschäftigung sowie Wertschöpfung zu schaffen.

Neue Flächen, neue Chancen

Thomas Klein und seinem Team kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Sie treiben Projekte gemeinsam mit Kommunen und weiteren Partnern so weit voran, dass daraus förderfähige Vorhaben werden – etwa bei der geplanten Entwicklung eines neuen Industrie- und Gewerbegebiets am Autobahnkreuz A 2/A 39. Die Lage an diesem Verkehrsknotenpunkt soll genutzt werden, um neue Unternehmen anzusiedeln und den Landkreis wirtschaftlich zu stärken. „Wir schaffen neue Arbeitsplätze und verbessern damit die Grundlage für Gewerbesteuereinnahmen“, sagt Klein, der seit vielen Jahren in der regionalen Standortentwicklung tätig ist und für die Stadt Wolfsburg, die Wolfsburg AG, die Allianz für die Region und die Metropolregion gearbeitet hat.
Das Infrastrukturprojekt steht beispielhaft für eine Reihe von Vorhaben, die derzeit auf den Weg gebracht werden – darunter auch das Bildungszentrum für Mobilitäts- und Landbautechnik, kurz MoLaTec. In Königslutter soll es am früheren Ausbildungsstandort für das Steinmetz- und Bildhauerhandwerk vor allem die Bereiche Kfz-Technik, Land- und Baumaschinentechnik sowie nachhaltige Antriebe abdecken. „Es wird das größte Bildungszentrum in unserer Wirtschaftsregion werden.“

Mehr als nur ein Lernort

Nach seiner Einschätzung reicht die Bedeutung dieses Projekts weit über das Bildungszentrum selbst hinaus – etwa für Erreichbarkeit, Versorgung und die weitere Entwicklung des Standorts. Denn wo im MoLaTec jährlich einige tausend Auszubildende und Lehrkräfte zusammenkommen, verändert sich auch das Umfeld des Standorts. Genau so sollen die Strukturhilfen wirken: nicht nur in einzelnen Projekten, sondern in die Region hinein.
Ein frühes Beispiel dafür ist Amazon: Im Logistikzentrum in Helmstedt, das vor vier Jahren in Betrieb ging, arbeiten inzwischen mehr als zweitausend Menschen. Auch der Energiestandort Buschhaus steht für diese Neuausrichtung – mit anderen Formen der Energieerzeugung und einem neuen Blick nach vorn.

Helmstedt sucht die Bühne

Der Landkreis sowie die kreisangehörigen Kommunen im Allgemeinen und die Wirtschaftsregion Helmstedt im Besonderen wollen sich als vernetzte, selbstbewusste Mitgestalter des Strukturwandels präsentieren – so auch beim Revieraustausch, der nach zwei Ausgaben auf Landesebene in diesem Jahr erstmals deutschlandweit stattfindet: Am 6. Mai lädt die Wirtschaftsregion Helmstedt gemeinsam mit Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und weiteren Partnern auf Burg Warberg ein.
Thomas Klein sagt: „Der Revieraustausch ist für uns wichtig, weil wir sehen, wie andere Regionen mit ähnlichen Herausforderungen umgehen – und weil wir dabei auch deutlich machen können, was bei uns schon entstanden ist.“ Dabei wird bald auch das digitale Landschaftsmodell wichtig – eine virtuelle Zukunftskarte des Helmstedter Reviers. Sie veranschaulicht Unternehmen, was in der Region möglich ist und welche Perspektiven die Flächen des ehemaligen Reviers bieten.

Was Betriebe am Standort bewegt

Firmen wenden sich an die Wirtschaftsregion Helmstedt meist dann, wenn im Alltag etwas drängt: wenn Fachkräfte fehlen, Ausbildungsplätze besetzt werden sollen, Investitionen anstehen oder Fördermöglichkeiten gesucht werden. Oft geht es auch um die Frage, wie sich Betriebe am Standort weiterentwickeln, miteinander ins Gespräch kommen und voneinander profitieren können. „Manchmal braucht es dafür gar nicht in erster Linie Fördermittel, sondern einfach das richtige Netzwerk“, heißt es.
Die Menschen hier sind mittlerweile an einem Punkt, an dem sie nicht mehr mit Angst auf morgen schauen müssen, sondern sehen, dass sich vieles in die richtige Richtung entwickelt.
Für die Wirtschaftsförderung sind Bürokratie und mangelnde Geschwindigkeit die größten Bremsklötze, betont Thomas Klein. Gerade bei Fördermitteln dauerten viele Verfahren deutlich länger, als es der Entwicklung vor Ort guttut. Umso größer ist für ihn die Bedeutung des Industrie- und Gewerbegebiets: Die Fläche soll planungsrechtlich so weit vorbereitet sein, dass Unternehmen deutlich schneller bauen und sich ansiedeln können.

Zwischen Oberzentren und kurzen Wegen

Neben besser verfügbaren Flächen nennt Thomas Klein weitere Gründe, die für den Landkreis sprechen. Gute Bedingungen zum Leben und Arbeiten zählen für ihn ebenso dazu wie vor allem die Lage: Helmstedt liege zwischen den Oberzentren Braunschweig, Wolfsburg und Magdeburg, sei verkehrlich gut angebunden und biete zugleich kurze Wege. „Und die Unternehmen haben mit uns einen verlässlichen Partner an ihrer Seite“, sagt er.
Auf einen solchen Rückhalt setzt Thomas Klein auch intern. Zum Selbstverständnis der Wirtschaftsregion gehören für ihn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit viel Eigenverantwortung sowie ein Miteinander, das die Arbeit spürbar erleichtert. „Ich habe das beste Team, das man sich vorstellen kann.“

Den Charakter bewahren, Neues ermöglichen

Dass die Wirtschaftsregion Helmstedt im historischen Postamt ein Zuhause gefunden hat, wirkt fast wie ein Bild für den Landkreis selbst. Das Gebäude hat seinen Charakter bewahrt, ist im Inneren aber auf der Höhe der Zeit – so wie auch Helmstedt seine Geschichte nicht abstreifen, sondern in etwas Neues überführen möchte.
2016 ging die jahrzehntelange Ära der Braunkohle zu Ende. Damals, sagt Thomas Klein, habe im Landkreis vor allem Unsicherheit geherrscht: über Arbeitsplätze und die Zukunft ganzer Orte. Zehn Jahre später klingt das anders. „Die Menschen hier sind mittlerweile an einem Punkt, an dem sie nicht mehr mit Angst auf morgen schauen müssen, sondern sehen, dass sich vieles in die richtige Richtung entwickelt.“
boy
3/2026