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Brückenschlag zwischen Wirtschaft und Wissenschaft - Das Deutschlandstipendium an der TU Clausthal

Im globalen Wettbewerb um MINT-Talente setzen Unternehmen verstärkt auf frühzeitige Bindungsstrategien. Die Technische Universität Clausthal bietet hierfür mit dem Deutschlandstipendium ein Instrument, um private Fördergebende mit leistungsstarken Nachwuchskräften zu vernetzen. Dieses Modell stützt nicht nur individuelle Karrierewege, sondern sichert über den direkten Technologietransfer nachhaltig die Innovationskraft des regionalen Mittelstands.
Die letzte Vergabefeier der Deutschlandstipendien liegt nicht lange zurück, berichtet TU-Präsidentin Dr.-Ing. ­Sylvia Schattauer. Am 19. Februar konnte die TU Clausthal wieder 38 Stipendiatinnen und Stipendiaten mit ihren Förderinnen und Förderern zusammenbringen. Das Stipendium unterstützt ausgewählte nationale und internationale Studierende ein Jahr lang mit monatlich 300 Euro. Finanziert wird diese einkommens- und BAföG-­unabhängige Zuwendung zu gleichen Teilen durch private Akteure – wie Unternehmen, Stiftungen oder Privatpersonen – sowie durch Bundesmittel. „Aktuell übersteigt die Zahl der förderwürdigen Kandidaten unser Kontingent an Stipendien. Wir sind daher sehr an weiteren Partnern interessiert, um dieses Potenzial voll auszuschöpfen“, so Dr. Schattauer. Mehr Fördergebende bedeuten mehr Flexibilität und bessere Matching-Möglichkeiten. Allerdings könne die Universität keine Zusicherung für fachspezifische Studierende machen, „aber wir möchten auch, dass unsere Studierenden von dem Matching profitieren und thematisch mit der fördergebenden Einrichtung oder Person harmonieren, sodass wir mit Sinn und Verstand vorgehen.“
Die Entscheidung für Clausthal ist immer eine bewusste Wahl für MINT-Studiengänge, unseren guten Ruf und die familiäre Studienatmosphäre. Diese Gemeinschaft prägt unsere Studierenden ein Leben lang.
Den Auftakt der Zusammen­arbeit bildet die feierliche Vergabeveranstaltung, die TU-Präsidentin ­Schattauer jedes Jahr persönlich mit einer Eröffnungsrede würdigt. Andrea Langhorst, Leiterin der Stabs­stelle Alumnimanagement und zentrale Ansprechpartnerin für Fördernde, organisiert den intensiven Dialog vor Ort: Ziel des Abends ist es, durch strategisches Netzwerken den Grundstein für nachhaltige Kooperationen zu legen, was die Förderinstitutionen gerne annehmen: Aus den Firmen beteiligen sich die Führungsebenen oder Human-Ressources-Abteilungen, aber auch private Spenderinnen und Spender nehmen zum Teil weite Anreisen auf sich. „Wir merken immer wieder, dass es für Fördergebende nicht nur eine Marketingstrategie ist, sondern sie sehr daran interessiert sind, ihre Stipendiaten kennenzulernen“, berichtet die Präsidentin. Das Interesse der TU Clausthal liege darin, den kontinuierlichen Austausch zu fördern, „aber in welcher Form, das entscheiden die Beteiligten selbst, wir organisieren nur den Rahmen“, fährt sie fort.

Eine familiäre Gemeinschaft

Ein Highlight sind die von den Studentinnen und Studenten selbst gestalteten Dankesbriefe für ihre Fördergeberinnen und -geber. Aufgrund eines hohen Anteils von 60 Prozent internationaler Studierender weisen die Briefe zudem eine bemerkenswerte kulturelle Vielfalt auf, von der sich Dr. Schattauer nachhaltig beeindruckt zeigt und erwähnt: „Die vertraulichen Einblicke in die individuellen Bildungsbiografien schaffen eine emotionale Bindung, die weit über die finanzielle Förderung hinausreicht und zum Teil langfristige Partnerschaften festigt.“ Neben der starken Beziehungskontinuität bestätigen auch die Erfolgsgeschichten, dass die Brücke zur Praxis funktioniert: Aus den Stipendien ergeben sich zum Beispiel Praktika sowie Bachelor- und Masterarbeiten in den Partnerbetrieben.
Manche Studierende arbeiten als Werkstudenten oder erhalten sogar eine Anstellung nach ihrem Studium. „Über solche Rückmeldungen freuen wir uns sehr. Wir kommunizieren deutlich, dass die Förderung für beide Seiten eine Chance sein soll“, betont Dr. Schattauer. Dies sei ein entscheidender Vorteil einer kleinen Hochschule, in der der Raum für ein familiäres Umfeld und individuellen Austausch geschaffen werden könne. Interessant ist auch, dass häufig Alumni als private Fördergebende an die TU Clausthal zurückkehren oder als Projektverantwortliche in größeren regionalen Partnerunternehmen das Deutschlandstipendium betreuen und vorantrieben. „Es ist beachtlich, mit wieviel Herzblut unsere Alumni sich engagieren und so eine einzigartige Verbindung zwischen akademischer Ausbildung und unternehmerischer Praxis schaffen“, so Dr. ­Schattauer stolz. Ein Fakt, der zweifellos für die TU Clausthal spricht und für die Präsidentin kein Zufall ist: „Aufgrund unseres Standortes verirrt man sich nicht aus Versehen zu uns – die Entscheidung für Clausthal ist immer eine bewusste Wahl für MINT-­Studiengänge, unseren guten Ruf und die familiäre Studien­atmosphäre. Diese Gemeinschaft prägt unsere Studierenden ein Leben lang.“
Die Förderung ist für beide Seiten eine Chance.

Stipendien als Investition in die Zukunft

Insbesondere für internationale Studierende, die auf dem Campus wohnen und ihr Studium durch zum Teil mit weiten Pendelstrecken verbundene Nebenjobs finanzieren, schafft das Deutschlandstipendium eine notwendige Entlastung. Neben finanzieller Unterstützung ermöglicht es ihnen idealerweise auch den Zugang zu einem praxisnahen Nebenjob, in dem die MINT-Expertise der Clausthaler Studierenden zum Einsatz kommt. Hier sieht Dr. Schattauer enormes Potenzial, um die jungen Fachkräfte dauerhaft an die Region zu binden, da das Stipendium gezielt Barrieren abbaut. „Indem Förderer ihre Stipendiaten direkt ins Unternehmen einladen und erste Kontakte knüpfen, sinkt die Hemmschwelle für spätere Bewerbungen deutlich. Und Firmen, die einmal die Vorteile dieser frühen Bindung erlebt haben, bleiben dem Programm meist dauerhaft treu“, kommentiert sie die Win-win-­Situation.
Gerade kleine, regionale Unternehmen hätten häufig Vorbehalte gegenüber Sprachbarrieren, würden aber im direkten Austausch mit den Stipendiaten die hohe fachliche Qualität sowie gute Deutschkenntnisse erleben. Für die Region sei es essenziell und eine extrem lohnende Investition, um die jungen Fachkräfte für den lokalen Arbeitsmarkt zu gewinnen. „Wir bilden auch gerne für die Welt aus“, fährt Dr. Schattauer fort, „aber noch lieber für die regionale Wirtschaft.“ Die Studierenden-Community verständigt sich darüber hinaus untereinander, sodass sich gute Erfahrungen in Unternehmen weitertragen. Insbesondere für kleine Unternehmen ist „guter Leumund mindestens genauso viel wert wie jedes Marketing.“

Stärkung der regionalen Wirtschaft

Das Deutschlandstipendium, das die TU Clausthal seit 2011 mit kleineren Unterbrechungen anbietet, erfüllt auf diese Weise durchaus die Funktion eines strategischen Instruments zur regionalen Fachkräfte­sicherung. Über die gezielt eingesetzte Förderung und ihren familiären Charakter gelingt es der Universität, die Studierenden an den Standort zu binden. Dabei setzt die Hochschule nicht nur auf regionale Identifikation, sondern qualifiziert ihre nationalen und internationalen Studierenden außerdem in den so dringend benötigten MINT-­Berufen. Präsidentin Schattauer sieht darin eine zentrale Verantwortung zur Stärkung des hiesigen Wirtschaftsstandorts. Wenn internationale Absolvierende dennoch in ihre Heimat zurückkehren, bemühe sich die Universität, sie als wertvolle Fachkräfte in Niederlassungen deutscher Konzerne unterzubringen.
Die Ingenieurin erläutert das Vorgehen am Beispiel des chinesischen Marktes, wo Alumni bereits erfolgreich als Schnittstelle fungieren. Global agierende Unternehmen hätten diesen Mehrwert längst für sich erkannt und die TU unterstütze ihre Internationalität aktiv. Dabei nehmen die TU-Professoren – allen voran Prof. Gunther Brenner als Beauftragter und langjähriger Wegbereiter des Deutschlandstipendiums – mit ihrem fachlichen Bezug zu den Kooperationspartnern eine zentrale Rolle in der Vernetzung ein. Diese enge Verzahnung ist besonders dort entscheidend, wo die Transformation zur Nachhaltigkeit neue Kompetenzen erfordert. Als Circular Economy Universität beweist die TU Clausthal ebenso Weitblick für die Zukunftsfähigkeit der Region, indem sie die Kreislaufwirtschaft bereits in nahezu alle Studiengänge integriert hat. „Wir sind zwar eine kleine Universität, aber mit historisch gewachsenem Elitecharakter. Unsere Absolventinnen und Absolventen sitzen in den einschlägigen Branchen in der Führungsebene.
Dass unser Name etwas wert ist, wollen wir auf die jetzige Generation der Studierenden übertragen.“ Der erfolgreiche Werdegang der Alumni gibt der TU-Präsidentin recht. Was sie sich jedoch für die Zukunft wünscht, sind weitere Kennenlernformate wie das Deutschland­stipendium, die Hemmschwellen zwischen insbesondere kleinen sowie mittelständischen Unternehmen und den Studierenden abbauen. Frühzeitige Praxiserfahrungen gepaart mit einer verbesserten Mobilität könnten so einen Unterschied in der langfristigen Beheimatung qualifizierter Fachkräfte machen.
Die aktuelle Bewerbungsphase für die nächsten Stipendien läuft bis zum 31. Juli und Präsidentin Dr. ­Sylvia Schattauer sieht den kommenden Bewerbungen mit großer Erwartung entgegen – besonders den individuellen Geschichten hinter der Förderung. Zu ihren persönlichen Highlights zählt dabei nicht nur die Entlastung internationaler Studierender, sondern auch die Förderung von Talenten, die das Stipendium zur Vertiefung ihres Studiums nutzen und zum Beispiel in private Heimlabore investieren. Ebenso am Herzen liegen ihr vor allem Studentinnen mit Familien­verantwortung, die durch die Förderung die nötige finanzielle Unabhängigkeit gewinnen, um sich voll auf ihr Studium konzentrieren zu können.

Kontakt für interessierte Förderer

Andrea Langhorst (Leitung der ­Stabsstelle Alumnimanagement): andrea.langhorst@tu-clausthal.de
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