IHK Wirtschaft online
Nr. 6949986
7 min Lesezeit

Bundesbestenehrung in Berlin – Auszeichnung für Braunschweigs Top-Azubis

Von der Nordsee bis in den Harz – Niedersachsens beste Nachwuchskräfte haben das Berliner Parkett erobert. Bei der 20. Nationalen Bestenehrung der DIHK am 8. Dezember 2025 standen insgesamt 211 ausgebildete Fachkräfte im Rampenlicht, darunter 22 niedersächsische Preisträgerinnen und Preisträger. Ganz oben auf dem Podium mit dabei: drei Top-Absolventen aus dem Bezirk der IHK Braunschweig, deren Erfolgsgeschichten beweisen, dass die „Generation Ausbildung“ das Rückgrat der wirtschaftlichen Zukunft bildet.
Dabei nahm der glänzende Karrierestart der drei jungen Talente seinen Anfang bereits vor der großen Bühne in Berlin und der besonderen Ehrung durch Bundes­ministerin Karin Prien und DIHK-­Präsident Peter Adrian. Denn schon im Rahmen der Landesbestenehrung wurden sie am 21. November in der Ilseder Gebläse­halle im heimischen Niedersachsen gefeiert: Helene Vogel, Delijan Seeleke und ­Benedikt Saatze haben sich zwischen bundesweit 250 000 Prüfungsabsolventinnen und -absolventen im Jahr 2025 hervorgetan. Auffällig ist, dass alle drei nach dem Abitur zunächst ein Studium begonnen haben, das sie nach wenigen Semestern gegen eine Ausbildung eintauschten. Handlungskompetenz statt Hörsaal war für alle drei ein Wendepunkt, dabei kristallisierte sich der Traumberuf erst nach und nach bei ihnen heraus. „Da ich das Thema Bier und Brauerei schon immer interessant fand und wissen wollte, was hinter diesem Produkt steckt, habe ich mit der Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin eine gute Alternative zum Chemiestudium gefunden“, so Helene Vogel, die bei der Braunschweiger Zweigniederlassung von OeTTINGER GETRÄNKE lernte. Auch Benedikt Saatze, Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik (Fachrichtung Faserverbundtechnologie), und Delijan Seeleke, Mikrotechnologe, studierten zuvor Lebensmittelchemie beziehungsweise Chemie und Mathe auf Lehramt – eine auffällige Parallele in ihren Lebensläufen. Wer hätte geahnt, dass aus dem mutigen Kurswechsel in die Fachpraxis binnen kürzester Zeit eine nationale Spitzenleistung wird? Ein gutes Gefühl sei bei allen mitgeschwungen und Benedikt Saatze, der seine Ausbildung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) absolvierte, ergänzt den nicht zu verachtenden Vorteil des abgebrochenen Studiums, der bei ihm schon während der Ausbildung zu sehr guten Ergebnissen geführt habe. Von der Ehrung auf Landes- und Bundesebene erfuhren die Absolventen per Post oder E-Mail – eine überwältigende Nachricht, die Familie und Freunde gleichermaßen beeindruckte. Auch wenn sie nicht für jeden überraschend kam: So berichtet Seeleke, dass seine Angehörigen ihm diesen Erfolg absolut zutrauten. Der 26-Jährige habe sich damals auf drei Berufe an der Technischen Universität Braunschweig beworben. Dass das Institut für Mikrotechnik ihm am schnellsten antwortete und er daraufhin dort die Ausbildung begann, sei „reiner Zufall“ gewesen.
Für mich war es etwas ganz Besonderes, in Berlin vor über 1000 Menschen auf der Bühne zu stehen.

Vom Beruf zur Berufung

Alle drei sind sich einig: Was als bloße Berufswahl begann, entwickelte sich schnell zur echten Berufung. „Zum Glück habe ich die Ausbildung angenommen. Die handwerklichen Fähigkeiten, die ich während meiner Ausbildung in den Bereichen Dreh- und Frästechnik sowie in der Kunststoff- und Holzverarbeitung erwerben konnte, lassen sich vielseitig anwenden und kommen mir auch in der Ausübung meiner Hobbys zugute“, betont Saatze, der seinen Ausgleich im kreativen Handwerk findet und beispielsweise individuelle Möbelstücke entwirft. Vogel erinnert sich, dass sie schon früh selbstständig Aufgaben übernehmen konnte und damit aktiv an der Bierherstellung beteiligt war. „Der Beruf ist sehr vielfältig und reicht von naturwissenschaftlichen Grundlagen über handwerkliche Tätigkeiten bis hin zu technischen Abläufen und der Arbeit am PC.“ Während der 24-Jährigen der Berufsschulunterricht in Bremen und der Austausch mit Mitschülerinnen und Mitschülern aus anderen norddeutschen Brauereien über Betriebsgrößen, Arbeitsweisen und Perspektiven sehr gefallen hat, musste sich Seeleke erst an den Blockunterricht in Itzehoe gewöhnen. Für das aktive Lernen seien die kompakten Präsenzphasen aber sehr effektiv gewesen. Dank seines vorangegangenen Studiums gestaltete sich der Einstieg für ihn „relativ leicht“ – ein Effekt, der durch die unmittelbare praktische Umsetzung des Lernstoffs im Ausbildungsbetrieb noch verstärkt wurde. „Nach der Zwischenprüfung wurde das Niveau stark angehoben und ich musste deutlich mehr lernen, um mitzukommen“, so Seeleke, dessen Motivation maßgeblich aus dem Anspruch an einen sehr guten Abschluss resultierte. Auch ­Vogel investierte viel Zeit in selbstständiges Lernen, was ihr nicht schwerfiel, da sie die Zusammenhänge verstehen und nicht nur oberflächlich auswendig lernen wollte. Lediglich Saatze lässt durchblicken, dass er für den Lernstoff nicht allzu viel Zeit investieren musste, weshalb er die Auszeichnungen mit einer gewissen Bescheidenheit entgegennahm.
Benedikt hat bewiesen, dass er alles erreichen kann und wir sind froh, ihn fest zu übernehmen.

Ein gemeinschaftlicher Erfolg

Die Bestleistungen sind untrennbar mit der hohen Qualität in den Ausbildungsunternehmen sowie der Kompetenz und dem Einsatz der Ausbildungsverantwortlichen verbunden. Bettina Thürmann, Ausbilderin von Delijan Seeleke, hat nach über 25 Jahren Erfahrung im Ausbilden von Mikrotechnologen ein geschultes Auge für das Potenzial ihrer Azubis und daher „bei Herrn Seeleke mit einem besonders guten Abschluss gerechnet“. Tatsächlich reiht er sich in eine lange Liste von Bezirks-, Landes- und Bundesbesten ein, die das Institut für Mikrotechnik der TU Braunschweig mittlerweile hervorgebracht hat. Die Ausbilderin ist zurecht nicht nur stolz auf ihren ehemaligen Auszubildenden, sondern auch „ein bisschen auf uns“. Laut Thürmann sind die Erfolgsfaktoren eine Mischung aus Motivation und Einsatzbereitschaft der Auszubildenden, guter Schulbildung, einem hohen Engagement seitens der Ausbildenden und der betrieblichen Voraussetzung, theo­retisch erlerntes Wissen aus der Berufsschule in die Praxis überführen zu können. „Das bringt große Vorteile in Bezug auf Wissensvertiefung, Selbstständigkeit und Erfahrungsaufbau mit sich.“ Ähnlich sieht es auch Frank Söhlke, Regionalleiter der Ausbildung beim DLR. Er findet fast dieselben Worte für die Gelingensfaktoren, die dazu führen, dass Auszubildende ihre volle Stärke entfalten können. Ein nicht zu unterschätzender Faktor sei zudem, geeignete Bewerberinnen und Bewerber nicht nur zu erkennen, sondern sie auch nachhaltig für den Betrieb zu begeistern. In Zeiten des Fachkräftemangels stellt dies längst keine Selbstverständlichkeit mehr dar. Im Falle von Benedikt Saatze hat sich das Gespür für die ideale Besetzung rückblickend als goldrichtig erwiesen und das überragende Ergebnis „alle Erwartungen übertroffen“. Bei Helene ­Vogel stand vor allem die Begeisterung für den Beruf im Vordergrund, erinnert sich Siegfried Hanisch, der sie als Technischer Betriebsleiter der Braunschweiger Zweigniederlassung von OeTTINGER GETRÄNKE während ihrer Ausbildungszeit begleitete. „Dieses Interesse ergänzte sie durch die Fähigkeit, die naturwissenschaftlichen Anforderungen aus Biologie, Chemie und Physik erfolgreich umzusetzen. Hinzu kam ihre Leidenschaft für Verfahrens- und Prozesstechnik gepaart mit der Freude an den vielfältigen Möglichkeiten, ein qualitativ hochwertiges und geschmackvolles Bier herzustellen.“ Eine gehaltvolle Kombination, die, so Hanisch stolz, die Grundlage für die außergewöhnliche Entwicklung Vogels war.
Ich mache eine Aufstiegsfortbildung zum ‚Staatlich geprüften Techniker Mikrotechnologien (TFM) – Bachelor Professional‘ und gleichzeitig meinen Ausbilderschein – Mit dem Gedanken, in Zukunft auch Ausbilder zu werden.

Die Zukunft fest im Blick

Wie schon seine Vorredner unterstreicht er, dass das berufliche Umfeld entscheidend ist, damit sich Talente optimal entwickeln können. Der Ausblick, Helene Vogel als qualifizierte Fachkraft gewinnen zu können, wird dadurch getrübt, dass der Getränkehersteller Anfang 2026 seine Produktion von Braunschweig nach Oettingen und Mönchengladbach verlagert und Vogel eine Weiterbeschäftigung an diesen Standorten nicht wahrnehmen kann. Dennoch prognostiziert Hanisch der engagierten jungen Frau, dass ihr in der Branche viele Türen offenstehen werden. Vogel möchte sich mit dem Weiterbildungsstipendium des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gezielt weiterbilden und beispielsweise die Ausbildereignung erwerben. „Für diese Unterstützung bin ich sehr dankbar und ich fühle mich außerdem bei der IHK Braunschweig sehr gut aufgehoben.“ Für ihre beiden Mitstreiter geht der Weg in ihren Ausbildungsunternehmen weiter. Seeleke wird zunächst drei weitere Jahre am Institut für Mikrotechnik beschäftigt sein und berufsbegleitend die Aufstiegsfortbildung zum staatlich geprüften Techniker sowie die Ausbildereignung anstreben – mit dem erklärten Ziel, künftig selbst Nachwuchskräfte anleiten zu wollen. Auch Benedikt Saatze und das DLR haben bereits die Weichen für eine langfristige Zusammenarbeit gestellt. „­Benedikt hat bewiesen, dass er alles erreichen kann und wir sind froh, ihn fest zu übernehmen und auf seinem weiteren Werdegang – aktuell mit der Technikerausbildung als nächster Stufe – innerhalb der vielfältigen Möglichkeiten des DLR zu fördern“, findet Frank Söhlke anerkennende Schlussworte für die gemeinsame Zeit und die künftige Erfolgsgeschichte.
Für das Trio bleiben die beiden Events, die zu ihren Ehren in Ilsede und Berlin stattfanden, beeindruckende Höhepunkte, die ihnen nachhaltig in Erinnerung bleiben werden. „Für mich war es etwas ganz Besonderes, in Berlin vor über 1000 Menschen auf der Bühne zu stehen“, so Vogel, die außerdem die Organisation beider Veranstaltungen lobt. In dieser Größenordnung waren die Ehrungen auch für Delijan Seeleke eine aufregende Premiere und er war „sehr begeistert davon, was alles für die ehemaligen Auszubildenden vorbereitet wurde. Besonders wichtig war mir, dass mich meine Familie und Ausbilderinnen zu den Veranstaltungen begleitet haben, da sie eine große Stütze während der Ausbildung für mich waren.“ Zusammenfassend sind die Spitzenleistungen weit mehr als ein Einzelerfolg: sie sind das Ergebnis erfolgreicher Teamarbeit zwischen motivierten Nachwuchskräften, unterstützenden Familien und engagierten Ausbildungsbetrieben.
1/2026