Saisonumfrage Tourismus - Tourismusbranche zeigt Widerstandskraft in herausforderndem Umfeld
Die Sommersaison 2025 stellte die Tourismusbranche im Bezirk der IHK Braunschweig vor anspruchsvolle Rahmenbedingungen. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und gedämpfter Konsumstimmung gelang es vielen Unternehmen, ihre Angebote auf die veränderten Bedürfnisse der Gäste abzustimmen.
Die halbjährliche Saisonumfrage der IHK, bei der Hotels, Restaurants, Reiseveranstalter und Reisebüros ihre Einschätzungen zur Geschäftslage und zu den Erwartungen teilen, zeigt ein differenziertes Bild: Während ein Drittel der Betriebe die Lage als herausfordernd bewertet, sieht ein Viertel positive Entwicklungen und Chancen.
Verbrauchende agieren derzeit bewusster bei ihren Ausgaben – ein Zeichen für eine zunehmende Sensibilität gegenüber Preis-Leistungs-Verhältnissen. Bei einer Familie mit zwei Kindern kommen bei einem Restaurantbesuch gegenwärtig zwischen 80 bis 100 Euro zusammen – vor allem auf Urlaubsreisen. Apropos Reisen: Hier entfällt ab und an auch das eine oder andere verlängerte Wochenende, wenn das Budget knapper oder die Sorge um den Arbeitsplatz größer wird. Fast täglich wird von wachsenden Insolvenzzahlen, Personalabbau oder dem Strukturwandel in Schlüsselindustrien wie dem Automobilbau berichtet. Auch das trübt die Konsumlaune. Reisen im In- und Ausland bleiben jedoch nach wie vor beliebt und auf die Erholung mit der Familie in der Ferienzeit wollen die wenigsten verzichten. Die Reisebüros und Reiseveranstalter im Bezirk der IHK Braunschweig waren mit der zurückliegenden Sommersaison insgesamt zufrieden.
Fachkräftemangel und steigende Kosten hemmen Geschäft
Die Geschäftserwartungen an die Herbst- und Wintersaison fallen indes in der regionalen Tourismusbranche eher verhalten aus, haben es die Anbieter doch weiterhin mit vielfältigen Herausforderungen zu tun: So ist Personal infolge des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels sowohl knapp als auch teuer und eine Entspannung bei den hohen Energiepreisen ist derzeit ebenfalls nicht in Sicht. Unternehmen sind daher gezwungen, Kostensteigerungen in ihren Preisen einzukalkulieren, die auf absehbare Zeit noch weiter ansteigen werden. Das sehen nahezu alle Umfrageteilnehmende so. Gerade bei Verbrauchenden mit eher festen Einkommen – zum Beispiel Pensionäre – droht eine weitere Konsumzurückhaltung, wenn es nicht zu Entlastungen kommt, etwa zu einer Senkung der Mehrwertsteuer im Gastgewerbe. Gegenüber Geschäftsreisenden und Urlaubern sind es wesentlich heimische Gäste, die sich zuletzt eingeschränkt haben.
Verbrauchende agieren derzeit bewusster bei ihren Ausgaben.
Nach Ansicht der Betriebe stellen die jetzt schon hohen Arbeitskosten sowie ungünstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen derzeit die größten Risiken für die Entwicklung in den nächsten zwölf Monaten dar, gefolgt von der Entwicklung der Energiepreise und dem Fachkräftemangel. Es muss sogar mit einem weiteren Personalabbau gerechnet werden. Die Nachbesetzung offener Stellen wird für viele zu einem immer größeren Problem. Nahezu die Hälfte aller Befragten plant in nächster Zeit keine Investitionen zu tätigen. Wenn investiert werden soll, so handelt es sich meist um notwendige Modernisierungen, gelegentlich auch um die Einführung von Produktinnovationen sowie vereinzelt um Maßnahmen zur Rationalisierung.
Am Ende bleibt aber auch Raum für Optimismus. Kaum eine Branche zeigt sich so anpassungsfähig wie die Tourismusbranche. Trotz gestiegener Ausgaben gelingt es vielen, durch Effizienzsteigerungen und innovative Konzepte ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Besonders bemerkenswert ist das Engagement zahlreicher Unternehmen, auch unter schwierigen Bedingungen ein hohes Serviceniveau zu halten und neue Zielgruppen zu erschließen.hei
9/2025
