IHK-Vollversammlung - „Der Herbst der Reformen ist zum Herbst der Reförmchen verkümmert“

Auch bei der letzten Sitzung der IHK-Vollversammlung für das Jahr 2025 gab es viel zu ­besprechen. Die Konjunkturaussichten, so IHK-Präsident Tobias Hoffmann, seien ununterbrochen getrübt. Zu allem Überfluss gesellen sich nun auch Infrastrukturthemen zu den schlechten Nachrichten, denn: zwei bedeutende Neubauprojekte der Region sind ins Wanken geraten.
„Die Bundespolitik hält die Wirtschaft in Atem“, resümierte Hoffmann gleich zu Beginn seines Berichts. Die Verschlechterung wirtschaftlicher Perspektiven sei in vollem Gange und viele der in Brüssel und Berlin platzierten Themen seien nur in einem unzureichenden Maß umgesetzt worden. Auch die von der Großen Koalition selbstbewusst proklamierten Reformversprechen würden nicht in der zuvor angekündigten Intensität verwirklicht. „Der Herbst der Reformen ist zum Herbst der Reförmchen verkümmert“, verlautbarte Hoffmann ernüchtert.
Mindestens genauso schleppend geht es mit dem Lückenschluss der A 39 als auch dem Ersatzneubau der Schleuse Üfingen voran. Die im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit „vordringlichem Bedarf“ eingestuften und technisch weit fortgeschrittenen Planungen stehen aufgrund fehlender Finanzierungszusagen und klaren Zeitplänen abermals auf der Kippe. IHK-Vizepräsident Dr. Ralf Utermöhlen fand dazu passende Worte: „Wenn der Bund Millionenbeträge für hochpreisige städtebauliche Leuchtturmprojekte im Rahmen der ‚Nationalen Projekte des Städtebaus‘ oder gar für eine Fledermausbrücke an der A 94 mit ökologisch unklarem Nutzen bereitstellen kann, dann erwarten wir als IHK, dass sich im Bundeshaushalt auch die erforderlichen Mittel zur Sanierung dieser wirtschaftsrelevanten Schleuse auffinden lassen – ohne dafür bei Verteidigung, Bildung oder anderen kritischen Infrastrukturaufgaben kürzen zu müssen.“ Eine entsprechende Positionierung wurde im Anschluss durch die Vollversammlung beschlossen.
Dabei sollte es nicht bleiben. Auch andere Themen und Beschlüsse kamen auf die Agenda, darunter die geplante Fusion der IHK DIGITAL GmbH mit der IHK GfI GmbH, die aufgrund zahlreicher Schnittmengen im IT- und Digitalisierungsbereich ihre Synergien in Form einer neuen Organisation bündeln. Auch der Wirtschaftsplan der IHK für 2026 mitsamt Wirtschaftssatzung, Risikoanalyse sowie Erfolgs- und Investitionsplan konnte von den Mitgliedern erfolgreich auf den Weg gebracht werden. Obendrein steht der IHK eine Neugründung ins Haus: Der erst kürzlich konstituierte Arbeitskreis Energie und Umwelt wird 2026 seine Arbeit aufnehmen.
Vollversammlungsmitglied Juliane ­Saupe, Standortleiterin bei der H. C. Stark Tungsten Powders in Goslar, rührte nach dem formalen Teil der Sitzung die Werbetrommel für das IHK-Frauennetzwerk „Business Women IHK“, dessen Mitwirkende sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in der Wirtschaft einsetzen. Messungen zufolge liege der Anteil von Frauen an Start-up-Gründenden in Deutschland derzeit bei lediglich 19 Prozent und ist im vergangenen Jahr sogar zurückgegangen.
Zum Schluss kamen noch BZ-Chefredakteurin Dr. Kerstin Loehr und ihre Stellvertreterin Katrin Schiebold zu Wort“, die in ihrem Gastvortrag den tiefgreifenden Wandel in der Medienbranche kommentierten und insbesondere den Blick auf das Schrumpfen von Print-Ausgaben bei paralleler Zunahme von digitalen Angeboten richteten. Nicht nur der reine Verkauf einzelner Zeitungsexemplare, so waren sich beide einig, werde für Medienunternehmen immer wichtiger, sondern auch das Anbieten gesonderter Artikel.jk
9/2025