IHK Wirtschaft online
Nr. 6952052
4 min Lesezeit

Regionaler Wirtschafts­ausschuss Wolfenbüttel empfängt Gitta Connemann

Die vierte Sitzung des Regionalen Wirtschaftsausschusses Wolfenbüttel in der aktuellen Vollversammlungsperiode, zu der IHK-Vizepräsident und Ausschussvorsitzender Holger Bormann Mitte Dezember 2025 auf das Rittergut Lucklum eingeladen hatte, stand ganz im Zeichen der Wirtschaftspolitik des Bundes.
Den Mitgliedern des IHK-Präsidiums sowie des Ausschusses gewährte Gastgeber Florian Rehm, Unternehmer und Aufsichtsratsvorsitzender der Mast-Jägermeister SE, einen Einblick, wie nachhaltiges und wertegetriebenes Handeln in einem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb in Zeiten der Klimakrise umgesetzt werden kann. Nach einer Analyse zur regionalen Konjunkturentwicklung von IHK-Präsident Tobias Hoffmann erhielten die Anwesenden auch die exklusive Möglichkeit, ihre Anliegen an Gitta Connemann heranzutragen, die neben ihrer Position als Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie auch Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung ist.

Mittelstand in herausfordernden Zeiten

Während seiner Begrüßung hob Bormann die Wichtigkeit ihres Besuchs hervor: ­„Gitta Connemann ist als Parlamentarische Staatssekretärin sowie als Mittelstandsbeauftragte erste Ansprechpartnerin der Bundespolitik für die Belange unserer mittelständischen Unternehmen.“
„Es gibt eines, das uns verbindet – das ist die Leidenschaft für den Mittelstand“, entgegnete Connemann ihm gleich zu Beginn ihres Vortrags über die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Neben den Finanzierungproblemen im Mittelstand berichtete sie auch über hohe Energie- und Sozial­kosten, den Bürokratieabbau sowie notwendige Strukturreformen mitsamt der von der Bundesregierung diesbezüglich geplanten Maßnahmen. Anschließend nahm ­Connemann sich die Zeit, um sich den zahlreichen Appellen und Fragen der Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter zu stellen.
IHK-Präsident Tobias Hoffmann blickte in seinem Beitrag auf die aktuelle konjunkturelle Situation im IHK-Bezirk und betonte dabei die Notwendigkeit des Austauschs zwischen Politik und Wirtschaft und dankte Connemann für ihr Kommen: „In der anhaltend schwierigen Situation brauchen die Unternehmen statt weiterer Ankündigungen endlich spürbare Entlastungen und Erleichterungen. Vor diesem Hintergrund ist der Dialog zwischen Betrieben und politischen Verantwortlichen von großer Bedeutung. Und wir sehen ja, dass die Bundespolitik inzwischen auf Teile unserer Forderungen und Einwände reagiert.“

„Wir sind überzeugt, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind“

Die ökonomische Bedeutung von nachhaltigem und wertegetriebenem Handeln in Zeiten der Klimakrise, insbesondere für den Erfolg des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs der Güterverwaltung Reinau in Lucklum, verdeutlichte Florian Rehm im anschließenden Impuls. Rehm, Urenkel des Jägermeister-Erfinders Curt Mast, ist seit 2007 Hauptanteilseigner der international erfolgreichen Firma. Der Kräuterlikör aus Wolfenbüttel gehört heute zu den meistverkauften Spirituosen weltweit. Mit ihm als Mehrheitsgesellschafter konnte das Unternehmen den weltweiten Absatz um etwa 50 Prozent steigern.
Neben seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender ist Florian Rehm auch Land- und Forstwirt, wie er den Anwesenden auf dem Rittergut Lucklum, dem Sitz der Güterverwaltung Reinau, erläuterte. „Wir sind überzeugt, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind“, so Rehm. „Dass in Deutschland trotzdem noch viel zu wenig Flächen nachhaltig bewirtschaftet werden, liegt auch an den enorm vielen Rechtsvorschriften, die ökologisches Wirtschaften eher behindern statt fördern.“ Rehm plädiert daher für ein stärker förderndes öffentliches Rechtsdenken.
Dass in Deutschland trotzdem noch viel zu wenig Flächen nach­haltig bewirtschaftet werden, liegt auch an den enorm vielen Rechtsvorschriften, die ökologisches Wirtschaften eher behindern statt fördern.
Die Güterverwaltung betreibt erfolgreiche Landwirtschaft, bei der bereits mehr als 60 Prozent der Flächen nach „Naturland“-Richtlinien bewirtschaftet werden oder sich zumindest in der Umwandlung befinden. Im Rahmen der PEFC-zertifizierten Forstwirtschaft übersteigt die Holzentnahme nicht den natürlichen Zuwachs. Im Bereich der Tierhaltung werden prioritär die Themen Artenvielfalt und Schutz des natürlichen Lebensraumes behandelt. Alle Produkte werden daher überwiegend regional vermarktet. Dass zum Gesamtkonzept auch der Betrieb einer Biogas-, Photovoltaik- sowie Hackschnitzelanlage und die Beteiligung an Windparks gehören, ist selbstredend.
Jedoch gilt es, Herausforderungen zu meistern, schilderte Rehm. Zum einen Bedarf es zum Schutz der Artenvielfalt dringend politischer Förderung, zum anderen treffen zumindest die letzten Entwicklungen beim Thema Mindestlohn die Landwirtschaft und insbesondere den Bioanbau von Sonderkulturen besonders hart. Dennoch scheint das Konzept aufzugehen und zu beweisen, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sind.
1/2026