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Saisonumfrage Tourismus – Ungünstige Rahmenbedingungen dämpfen Stimmung der regionalen Tourismusbranche
Zwei Mal jährlich befragt die IHK Braunschweig Hoteliers, Gastronomen, Reiseveranstalter und Reisebüros zur Einschätzung der aktuellen und zukünftigen Geschäftslage im Rahmen ihrer Saisonumfrage Tourismus. Das Ergebnis der aktuellen Umfrage ist durch eine mehrheitlich negative Stimmung der Befragten geprägt, was auf die infolge von Kriegen und Krisen nochmals verschlechterten Rahmenbedingungen zurückzuführen ist.
Während der Krieg in der Ukraine weiterhin schwelt, verschärft der jüngste Iran-Konflikt die geopolitischen Spannungen zusätzlich. Benzin- und Energiekosten erreichen immer neue Höchststände, in der Industrie häufen sich Meldungen über Stellenabbau und Insolvenzen, die Staatsverschuldung wächst unaufhaltsam, und die explodierenden Sozialabgaben treiben bisweilen Reformvorschläge hervor, deren Sinnhaftigkeit durchaus hinterfragt werden darf.
Lust auf Reisen ist ungebrochen
Bei so vielen schlechten Nachrichten ist es nicht überraschend, dass sich auch die Stimmung in der Tourismusbranche im Kammerbezirk der IHK Braunschweig weiter eingetrübt hat. Die Auslastungszahlen sind laut Umfrage bisher aber weitgehend stabil geblieben. Auch sind nicht bei allen Umfrageteilnehmenden Umsatzerlöse rückläufig, dennoch klagen zwei von fünf Betrieben über Rückgänge. Viele Kunden – dies betrifft sowohl Urlaubsgäste, heimische Gäste und Geschäftsreisende – agieren heute deutlich preisbewusster. Die Geschäftserwartungen sind gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres deutlich eingebrochen. Demgegenüber gibt es auch Lichtblicke: Die Lust an der Urlaubsreise ist ungebrochen. Die Reisebüros spüren Rückgänge, aber noch in einem erwartbaren Rahmen. Der zuletzt permanent spürbare Preisanstieg scheint etwas an Schwung verloren zu haben.
Schwache Konjunktur und Fachkräftemangel tun ihr Übriges
Hinsichtlich der aktuell größten Risikofaktoren sind sich die Befragten einig: Die steigenden Energiekosten, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die daraus resultierende schwache Inlandsnachfrage werden als Hauptursachen genannt. Die schwache Konjunktur führt ebenfalls dazu, dass die Investitionsbereitschaft der Umfrageteilnehmenden deutlich zurückgegangen ist; wenn doch investiert werden soll, handelt es sich meistens um notwendige Modernisierungen oder auch um Produktinnovationen in geringem Umfang.
Die steigenden Energiekosten, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die daraus resultierende schwache Inlandsnachfrage werden als größte Risikofaktoren genannt.
Bedauerlicherweise ist das schwache konjunkturelle Umfeld nicht die einzige Herausforderung, vor der die Tourismusbranche derzeit steht. Ein Dauerthema ist vor allem der Fachkräfte- und Personalmangel aufgrund der demografischen Entwicklung. Ausscheidende Mitarbeitende können häufig nicht durch junge Fachkräfte ersetzt werden, weil zu wenige ausgebildet wurden oder diese sich in einigen Fällen beruflich umorientiert haben. Mittlerweile kann jeder zweite Betrieb offene Stellen länger als zwei Monate aufgrund des Mangels an geeigneten Bewerbenden nicht besetzen.
KI kann Tourismusbranche helfen
Etwa jeder fünfte Umfrageteilnehmende setzt digitale Technologien auf Basis Künstlicher Intelligenz zur Steigerung der Produktivität ein. Wenn KI zum Einsatz kommt, dann vorwiegend im Marketing oder im Kundenservice. Dennoch sind viele davon überzeugt, mit Hilfe von KI zukünftig Produktivitätsgewinne zu erzielen, Kosten zu senken oder die Servicequalität zu verbessern.
Was also hindert die Unternehmen daran, noch stärker als bisher Künstliche Intelligenz einzusetzen? Gegenwärtig herrscht noch viel Unsicherheit, welche KI-Lösungen in der Praxis den größten Nutzen bieten könnten. Auch sind die Ressourcen gerade bei kleineren Betrieben begrenzt, um sich strategisch mit deren Einsatz auseinanderzusetzen. Zum Teil liegen auch bereits Erfahrungen mit dem Einsatz neuer digitaler Techniken vor und nicht immer wurden die Ergebnisse so wie gewünscht erzielt. Dies führt mitunter zu Akzeptanzproblemen bei Kunden und Beschäftigten. Da es in den Betrieben nicht selten an Fachpersonal mangelt, wird vor dem erfolgreichen Einsatz Künstlicher Intelligenz zunächst ein erforderlicher Schulungsaufwand zu bewältigen sein. Diejenigen, die sich dieser Herausforderung offensiv stellen, werden vermutlich später davon profitieren.
5/2026
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Uwe Heinze
