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Delegationsreise nach Ostasien – Zu Gast in Shenzhen und Hongkong
Allen Herausforderungen in der Zusammenarbeit zum Trotz: China ist und bleibt ein relevanter Markt für deutsche Unternehmen. Gerade weil das Land als deutscher Handelspartner exportseitig auf den sechsten Platz zurückgefallen ist, bleiben deutsche Direktinvestitionen wichtig. Erst kürzlich trommelte Bundeskanzler Merz höchstpersönlich bei seiner China-Reise für einen Ausbau der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit. Einen ähnlichen Spirit nahm eine niedersächsische Delegation aus Unternehmens- als auch IHK-Vertreterinnen und -Vertretern zum Anlass, dem technologischen Hotspot an der Südküste Ostasiens einen Besuch abzustatten. Ein Reisetagebuch.
Tag 1:
Mit der Landung in der südchinesischen Metropole beginnt für zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus Niedersachsen eine Reise, die ganz im Zeichen von Innovation und internationalem Austausch steht. Begleitet wird die Delegation von der AHK Greater China sowie der IHK Elbe-Weser, der IHK Braunschweig und der Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg.
UBTECH Robotics ist der erste börsennotierte Hersteller humanoider Roboter.
Bereits zum Auftakt wurde deutlich, welche Faktoren den wirtschaftlichen Aufstieg der Region prägen. In Gesprächen mit Josefine Wallat, Generalkonsulin vor Ort, sowie den AHK-Vertretern Jonathan Schoo und Christoph Hering stand die Sonderwirtschaftszone Shenzhen mit ihren systemischen Besonderheiten im Fokus. Als zentrale Triebkräfte der dortigen Innovationsdynamik nannten sie den ausgeprägten Gründergeist, die Risikobereitschaft von Investoren sowie ein hohes Maß an politischer Planung und Verlässlichkeit. Dieses Zusammenspiel habe den Standort in wenigen Jahrzehnten von einer Produktionshochburg zu einem globalen Technologiezentrum entwickelt.
Einblicke in die praktische Umsetzung dieses Fortschritts bot der Besuch bei der Shenzhen Bus Group. In der Leitstelle des Unternehmens wurde die inzwischen vollständig elektrifizierte Bus- und Taxiflotte vorgestellt – ein Meilenstein urbaner Mobilität. Der Betreiber gilt als Vorreiter intelligenter Verkehrskonzepte und setzt auf Echtzeitdatenanalysen, um Kapazitäten effizient zu steuern und zugleich die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen. Digitalisierung und Nachhaltigkeit greifen hier sichtbar ineinander.
Die Shenzhen Bus Group gilt als Vorreiter intelligenter Verkehrskonzepte.
Ein weiterer Programmpunkt führte die Delegation zu UBTECH Robotics, dem ersten börsennotierten Hersteller humanoider Roboter. Die Präsentation schilderte eindrucksvoll, wie weit die Technologie bereits fortgeschritten ist und wo ihre Grenzen liegen. Humanoide Systeme sind längst keine ferne Vision mehr, sondern werden in Bildungseinrichtungen, in der Logistik, in Pflege- und Servicebereichen sowie in industriellen Anwendungen eingesetzt. Die Begegnung vermittelte ein differenziertes Bild zwischen technologischer Euphorie und realistischen Einsatzmöglichkeiten.
Tag 2:
Der Besuch bei Autel Robotics, einem führenden Hersteller von Drohnen mit Niederlassungen in den USA und Singapur sowie einer deutschen Tochtergesellschaft, der Autel Robotics Europe GmbH, eröffnete den zweiten Tag der Reise. Am Innovationsstandort Shenzhen entwickelt das Unternehmen seine marktführenden Quadcopter- und Kameradrohnen, deren Leistungsfähigkeit durch KI-basierte Funktionen deutlich gesteigert wird. Besonders eindrucksvoll war die enorme Innovationskraft, die sich in einer umfangreichen Patentlandschaft widerspiegelt. Mit über 1700 erteilten Patenten und rund 2950 Patentanmeldungen nimmt Autel Robotics eine Spitzenposition in der globalen Drohnenindustrie ein.
Am Innovationsstandort Shenzhen entwickelt das Unternehmen seine marktführenden Quadcopter- und Kameradrohnen, deren Leistungsfähigkeit durch
KI-basierte Funktionen deutlich gesteigert wird.
KI-basierte Funktionen deutlich gesteigert wird.
Im Anschluss führte die Reise die Delegation zu InnoX Shenzhen, einem lebendigen Start-up-Zentrum und Inkubator. Hier erhalten junge Gründerinnen und Gründer gezielten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten sowie zu technischen und organisatorischen Ressourcen. Das Ziel: Innovative Konzepte zu marktreifen Produkten weiterzuentwickeln, etwa in den Bereichen Sport- und Gesundheitstechnologie oder zur Verbesserung der Lebensqualität. Der Besuch verdeutlichte, wie eng Innovationsförderung, Netzwerkunterstützung und unternehmerischer Tatendrang in der Region verknüpft sind.
Tag 3:
Der dritte Tag der Reise stand ganz im Zeichen rasanter technologischer Entwicklungen und der Umsetzung innovativer Ideen. Ein Besuch bei BriHyNergy Hydrogen zeigte, wie Technologien, die etwa in Deutschland entwickelt wurden, in China in erstaunlichem Tempo weiteroptimiert, skaliert und zu wettbewerbsfähigen Produkten entwickelt werden. Aktuell sucht das Unternehmen nach geeigneten Produktionsstandorten für seine einsatzbereiten PEM-Membranen – auch innerhalb der Europäischen Union.
Aktuell sucht BriHyNergy Hydrogen nach geeigneten Produktionsstandorten für seine einsatzbereiten PEM-Membranen.
Ein weiteres Highlight war der Einblick in die Strukturen von Tencent, einem der größten Technologie- und Internetkonzerne Chinas. Das Unternehmen, führend in den Bereichen soziale Medien, Online-Gaming, Cloud Computing und digitale Unterhaltung, entwickelt eigene Large Language Modelle und die dafür notwendige Infrastruktur mit beeindruckender Geschwindigkeit.
Praktische Anwendungen der Spitzenforschung erlebte die Delegation bei der Fahrt mit einem vollautonomen Taxi des Betreibers Baidu Apollo. Die Flotte, bestehend aus rund 300 Fahrzeugen, hat in Test- und Betriebsszenarien bereits beeindruckende 250 Millionen Kilometer vollständig autonom und unfallfrei zurückgelegt – und das unter realen Straßenbedingungen.
Mit vielen neuen Eindrücken und Inspirationen im Gepäck setzt die Delegation ihre Reise fort. Das nächste Ziel: Hongkong, das neue Perspektiven auf Wirtschaft und Innovation verspricht.
Tag 4:
Zu Beginn des Aufenthalts in Hongkong informierten das deutsche Generalkonsulat, die AHK Greater China Hongkong sowie Germany Trade & Invest die Delegation über die aktuelle wirtschaftliche Lage und die lokalen Rahmenbedingungen. Dabei wurde deutlich, dass Peking den strategischen Wert Hongkongs nach wie vor hoch einschätzt: Die Metropole fungiert weiterhin als Tor zu internationalen Kapitalmärkten und als wichtiger Handelsknotenpunkt. Rund 470 deutsche Unternehmen sind hier ansässig, vor allem in den Bereichen Dienstleistungen und Sourcing, darunter bekannte Namen wie Tchibo, MediaMarkt und Aldi.
Im HKSTP starten Drohnen für den Lieferdienst für Essen und Getränke in Hongkong.
Ein tieferer Einblick in die Innovationskraft der Region boten Besuche beim Hong Kong Industrial Artificial Intelligence and Robotics Centre (FLAIR) und der Hong Kong Science and Technology Parks Corporation. FLAIR fungiert als Technologiecluster und arbeitet unter anderem in Kooperation mit der RWTH Aachen an angewandter Forschung und Entwicklung in den Bereichen KI und Robotik. HKSTP unterstützt Start-ups umfassend bei der Entwicklung, Finanzierung und Markteinführung ihrer Ideen. Unter den geförderten Gründern befinden sich auch deutschsprachige Unternehmer wie Rainer Duespohl, Thomas Butter und Dominik Wiesent, die der Delegation von ihren Erfahrungen im lebendigen Start-up-Ökosystem Hongkongs berichteten.
Tag 5:
Den krönenden Abschluss der Delegationsreise bildete der Besuch bei Hutchison Ports/Hongkong International Terminals (HIT). Strategisch im Herzen Chinas gelegen, erlaubt der Hafen die gleichzeitige Abfertigung von fünf großen Containerschiffen, die jeweils mehr als 400 Meter messen. Trotz dieser herausragenden Kapazität bleibt kontinuierliche Innovation unerlässlich, um im Wettbewerb mit den anderen bedeutenden Häfen Südchinas die Spitzenposition zu behaupten.
Der HIT erlaubt die gleichzeitige Abfertigung von fünf großen Containerschiffen, die jeweils mehr als 400 Meter messen.
Deshalb setzt HIT konsequent auf Automatisierung und Digitalisierung – sei es bei der Fernsteuerung der riesigen Kräne oder beim Einsatz autonomer Trucks. Die Effekte sind vielseitig: Die Sicherheitsstandards steigen, Emissionen werden durch die zunehmende Elektrifizierung reduziert, die Attraktivität der Arbeitsplätze verbessert sich, und zugleich werden Effizienzgewinne erzielt, da Betriebsvorgänge weniger von Wetterbedingungen oder Tageszeiten abhängig sind. Dieser Besuch machte anschaulich, wie technologische Exzellenz und operative Effizienz Hand in Hand gehen, um den Hafen zukunftsfähig zu gestalten. Autorin: Doreen Weisheit
Die Stimmen zur Reise:
Der Austausch mit Unternehmen vor Ort ist immer bereichernd – ganz unabhängig davon, ob man selbst in diesem Markt aktiv werden möchte. Delegationsreisen schaffen wertvolle Kontakte, stärken das Netzwerk unter den mitreisenden Unternehmerinnen und Unternehmern und fördern die interkulturelle Kompetenz. Das schafft Verständnis und erleichtert internationale Geschäftsanbahnungen.Tobias Hoffmann
IHK-Präsident Tobias Hoffmann
Unsere Wirtschaftsreise nach China und Hongkong zeigt eindrucksvoll, wie dynamisch, fokussiert und zukunftsorientiert hier gedacht und gehandelt wird. Shenzhen – eine Stadt, die Innovation atmet: Spannende Gespräche mit der AHK Greater China, Einblicke in politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen, intensive Diskussionen zu Innovation, Mobilität und smarter Infrastruktur – und der direkte Austausch mit führenden Akteuren vor Ort.Olaf Jaeschke
IHK-Vizepräsident Olaf Jaeschke
Ich habe meine Eindrücke nach dieser intensiven Reise zunächst bewusst sacken lassen. Es war spannend zu erfahren, was Leistungsbereitschaft und staatliche Zielklarheit in Sachen Klimapolitik bewirken. Für uns bei AGIMUS ist klar: Wer über Klima, Energie und Nachhaltigkeit ernsthaft beraten will, muss diese internationalen Entwicklungen verstehen – ohne sie zu idealisieren, aber auch ohne europäische Selbstzufriedenheit. Der Blick über den Tellerrand ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für belastbare Strategien.Dr. Ralf Utermöhlen
1. Stellvertreter des Präsidenten der IHK Dr. Ralf Utermöhlen
Nach der Reise ist bekanntlich vor der Reise: Für den kommenden November ist ein niedersächsischer Besuch für Brasilien und Argentinien angesetzt. Darüber hinaus steckt die IHK Braunschweig bereits in Planungen für eine Reise nach Irland im Frühjahr 2027. Weitere Informationen erhalten Sie hier. Delegationsreisen werden regelmäßig gemeinsam mit verschiedenen IHKs sowie gelegentlich in Kooperation mit Ministerien organisiert. Mitgliedsunternehmen können bei Interesse ihre Teilnahme anmelden. Die anfallenden Kosten werden in der Regel von den Teilnehmenden selbst oder vom Arbeitgeber getragen.
2/2026
