20.12.2022

Regionale Konjunktur und Energiewirtschaft

Region Bodensee-Oberschwaben:
Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben beschäftigte sich in ihrer Wintersitzung in Weingarten schwerpunktmäßig mit der regionalen Konjunktur.
Weingarten – Mit der regionalen Konjunktur beschäftigten sich die Mitglieder der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK) schwerpunktmäßig in ihrer Wintersitzung in der IHK in Weingarten. Zuvor hatten sie die Möglichkeit genutzt, das moderne e-Mobility-Labor der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten zu besichtigen. „Wir haben Einblicke in ein Institut erhalten, welches die Innovationskraft der Region stärkt und an dem nicht nur die Technologien, sondern auch die Fachkräfte von morgen vorangebracht werden“, so IHK-Präsident Martin Buck in seiner Begrüßung. Er lobte: „Die RWU scheut die kulturellen Hürden nicht und ist auch für internationale Studierende attraktiv. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Menschen dann auch in der Region bleiben und hier als dringend benötigte hochqualifizierte Fachkräfte arbeiten werden, ist groß.“ Ein Grußwort an die Versammlung, die die regionale Wirtschaft vertritt, sprach gleichfalls Clemens Moll, seit Juli im Amt als neuer Oberbürgermeister von Weingarten. Er hob die Bedeutung seiner Stadt als Wirtschaftsstandort hervor und lobte die gute Zusammenarbeit mit der IHK sowie das ehrenamtliche Engagement der Vollversammlungsmitglieder.
Wirtschaft in der Region vor großen Herausforderungen
Die aktuelle wirtschaftliche Lage stelle alle vor große Herausforderungen, gab IHK-Präsident Buck zu bedenken. Neben den weltweiten politischen Spannungen und Wirrnissen hätten Spätfolgen der Corona-Pandemie noch immer ihre Auswirkungen. Der Ukraine-Krieg habe weltweit zu ungeahnten wirtschaftlichen Verwerfungen geführt. Hinzu kämen große strategische Herausforderungen: „Wir haben lange profitiert von günstiger Fertigung in China, von billiger Energie aus Russland, eng getakteten, hochoptimierten Lieferketten, niedrigen Zinsen und einem großen Reservoir an verfügbaren Arbeitskräften.“ Diese fünf Faktoren seien aktuell nicht mehr oder nicht mehr im selben Maß gegeben. Die Herausforderungen seien groß und keine der drei Kräfte Staat, Wirtschaft oder Gesellschaft könne die Herausforderung alleine bewältigen. Eine große gemeinsame Kraftanstrengung sei vonnöten. Zugleich mahnt er: „Seien wir uns bewusst: Wenn ein Unternehmen einmal weg ist, ist es für immer weg.“ Er sieht die Region aber auf einem guten Weg: „Wir haben immer davon gelebt, Innovationen voranzubringen und die Dinge mutig gemeinsam anzupacken. Ich bin zuversichtlich, dass wir so auch die kommenden Jahre gut angehen werden.“
Die regionale Konjunktur
Aktuelle Informationen zur regionalen Konjunkturentwicklung hatte IHK-Expertin Bettina Wolf für die Vollversammlungsmitglieder. Die Konjunkturumfrage bei Mitgliedsunternehmen im Herbst habe gezeigt, dass sich die Konjunktur zunehmend abkühle. Sei im ersten Halbjahr noch ein Wirtschaftswachstum zu messen gewesen, sei für das dritte Quartal ein Nullwachstum prognostiziert. Die Wirtschaftsweisen, der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, erwarteten für das Jahr 2022 insgesamt ein Wachstum von 1,7 Prozent. Trotz allem sei die regionale Wirtschaftslage aktuell stabil. Noch drei Viertel der Unternehmen verzeichneten steigende oder gleich bleibende Umsätze, bei einem Viertel seien allerdings bereits Rückgänge spürbar. Die Auftragseingänge seien dagegen deutlicher eingebrochen. Als größte Risiken betrachteten die Unternehmen dabei mit Abstand die Energiepreise. Auch der Fachkräftemangel, die hohen Rohstoffpreise und eine unsichere Inlandsnachfrage belasteten die Stimmung zusätzlich. Als Reaktion auf die hohen Preise für Energie planten die Mehrheit der Unternehmen eine Weitergabe der Kosten an ihre Kunden, einige Unternehmen wollten die Produktion reduzieren, bis jetzt nur sehr wenige ziehen eine Verlagerung der Produktion in Erwägung. Auch die Exportaussichten, so die IHK-Expertin, könnten die weitere Entwicklung nicht stützen. Investitionspläne würden daher zurückgefahren, Expansionsabsichten zurückgestellt. Als Investitionsgründe würden vor allem Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und im Bereich der Digitalisierung genannt. Auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen seien zurückhaltender. Die große Mehrheit, 58 Prozent, wolle ihren Personalbestand jedoch beibehalten.
Wie unterschiedlich sich die aktuell abkühlende Konjunktur auf die Unternehmen aus der Region auswirkt, zeigten die Erfahrungsberichte von regionalen Unternehmern. Allen gemein allerdings war die Aussage, dass für die kommenden Monate und Jahre zunehmend auf Sicht gefahren werden müsse, da Prognosen für die nahe, mittlere und ferne Zukunft aktuell nur schwierig zu treffen seien. 
Aktuelles aus der IHK-Arbeit
In ihrer Wintersitzung verabschiedete die Vollversammlung den vorgelegten Wirtschafts- und Finanzplan sowie die Wirtschaftssatzung 2023 der IHK Bodensee-Oberschwaben. Für das kommende Jahr 2023 bleibt der Hebesatz der Beitragsumlage unverändert bei 0,21 Prozent und auch die Grundbeiträge bleiben stabil.
Zustimmung erteilten die Vollversammlungsmitglieder der Resolution der DIHK-Vollversammlung zur Energiekrise als weitere Grundlage für die politische Arbeit der IHK Bodensee-Oberschwaben. In ihrer Sommersitzung im Juli hatte die Vollversammlung bereits eine umfassende Resolution der IHK Bodensee-Oberschwaben zur Sicherung der Energieversorgung und Wettbewerbsfähigkeit in der Region beschlossen, aus der wichtige Punkte in die DIHK-Resolution eingeflossen sind.
Die IHK Bodensee-Oberschwaben erhielt zudem den Zuschlag für das Regionalbüro für berufliche Fortbildung für den Landkreis Ravensburg und den Bodenseekreis. Der Landkreis Sigmaringen ist dem Regionalbüro in Pfullendorf zugeordnet, hier wird es eine enge Zusammenarbeit geben. Für zunächst zwei Jahre kann jetzt eine Vollzeitstelle eingerichtet werden. Das Fördervolumen des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg beträgt 189.700 Euro, die Projektlaufzeit umfasst zunächst die Jahre 2023 und 2024.

Medieninformation Nr. 137/2022