14.11.2022

Energiewende praxisorientiert umsetzen

Bodensee-Oberschwaben:
In der Klimapolitik verpflichtet die Bundesrepublik Deutschland sich zu einem ehrgeizigen Programm. Damit dadurch die Wettbewerbsfähigkeit nicht verloren geht, muss der Ausbau der Erneuerbaren Energien entschlossen vorangehen. Doch dabei behindert viel zu oft überflüssige Bürokratie, finden Energieagentur Ravensburg und Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK).
„In unserer gemeinsamen Zusammenarbeit mit der Energieagentur bei den Energieeffizienznetzwerken nennen uns Unternehmen viele Themen, die zu bürokratisch ablaufen”, sagt Stefan Kesenheimer, Referent für Umwelt und Energie bei der IHK. Demnach sei bei vielen Unternehmen der Wille zu mehr Nachhaltigkeit da, zu strenge oder komplizierte Regulierungen durch den Staat bremsten die Umsetzung aber zu oft aus. Beispiele kennen er und Michael Maucher, Prokurist der Energieagentur Ravensburg, viele. So sei es für Unternehmen, die Solarzellen auf Fabrikhallen besäßen, nicht ohne Weiteres möglich, ihre unmittelbaren Nachbarn im Gewerbegebiet oder auch nur eigene Tochterfirmen mit Strom zu beliefern. „Sie müssen sich dazu als Stromlieferant registrieren lassen, was viel Aufwand verursacht. Hier brauchen wir unbedingt eine Bagatellgrenze“, fordert Kesenheimer. Für Unternehmen mit einer Solarstrom-Kapazität über 135 Kilowatt, was nur etwa zwanzig Privathäusern mit Solaranlagen auf dem Dach entspricht, wird es noch aufwendiger: Hier verlangt der Gesetzgeber aktuell ein Zertifikat, das nur durch speziell bestellte Fachkräfte ausgestellt werden kann. Die Wartezeit beträgt aktuell vielfach über ein Jahr, da die Nachfrage sehr hoch ist. „Obwohl Installation und Anschluss der Anlage bereits durch Fachpersonal durchgeführt wurden, wird nochmals eine Kontrolle gefordert“, kritisiert Maucher, „dies verursacht unnötige Verzögerungen und Kosten.“
Den beiden Experten ist es aber wichtig, nicht nur Probleme zu benennen, sondern auch mögliche Lösungswege aufzuzeigen. Dazu machen sie in einem gemeinsamen Papier konkrete Vorschläge, um die Energiewende praxisnah umzusetzen. Kritik erfährt dort auch die Umsetzung von Förderprogrammen, die IHK und Energieagentur aber grundsätzlich befürworten. „Die Antragstellung für die Fördermittel des Bundes oder des Landes frisst oft unnötig Zeit und Anträge bleiben lange liegen. Die Fördergeber müssen hier unbedingt schneller werden“, fordert Maucher auf. Das Land stehe sich hier selbst im Weg: „Fördermittel müssen rasch genehmigt werden können, Förderprogramme langfristig aufgelegt und bürokratische Hindernisse unbedingt beseitigt werden, wo immer das möglich ist. Nur so machen wir die Energiewende zu einem echten Erfolg.“
Die Industrie- und Handelskammer ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und vertritt die Interessen der regionalen Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Sie befasst sich dabei auch mit den Themen Energiewende und Versorgungssicherheit. Die Energieagentur Ravensburg ist eine gemeinnützige GmbH und berät Unternehmen und Privathaushalte zum Thema Erneuerbare Energien. Das gemeinsame Arbeitspapier der beiden Einrichtungen  Energiewende praxisnah umsetzen kann online eingesehen oder bei IHK und Energieagentur angefordert werden.
Ansprechpartner:
IHK Bodensee-Oberschwaben
Stefan Kesenheimer
Telefon: 0751 409-140
E-Mail:  kesenheimer@weingarten.ihk.de
Energieagentur Ravensburg gGmbH
Michael Maucher
Telefon: 0751 7647070
E-Mail: maucher@energieagentur-ravensburg.de