Ruhrlagebericht 2026: Konjunktur im mittleren Ruhrgebiet tritt weiter auf der Stelle

Die Konjunkturumfrage im Herbst dieses Jahres zeichnet ein ernüchterndes Bild: Gut ein Drittel aller Unternehmen in Bochum, Herne, Witten und Hattingen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht. Besonders angespannt ist die Lage im Handel. Dagegen schauen Dienstleistungsunternehmen deutlich positiver in die Zukunft.
„Die hohen Energie- und Rohstoffpreise sind mittlerweile wieder das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung der Unternehmen im mittleren Ruhrgebiet“, stellt Fatma Yüceoglu, kommissarische Hauptgeschäftsführerin der IHK Mittleres Ruhrgebiet heraus. „Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die hohen Arbeitskosten lasten schwer auf den Unternehmen. Da hat sich im Vergleich zum Vorjahr nur wenig getan.“ Zudem sei die schwache Inlandsnachfrage weiterhin ein großes Risiko für Mitgliedsunternehmen der IHK, auch wenn hier eine Besserung eingetreten sei.
Die angespannte wirtschaftliche Lage zeigt sich zudem bei den Investitionsausgaben sowie beim Arbeitskräftebedarf: „Die Unternehmen investieren in den allermeisten Fällen nur dann, wenn sie Ersatz beschaffen müssen“, so Fatma Yüceoglu.
Weitere zentrale Ergebnisse der Umfrage im Herbst 2026:
Konjunkturklima: Der Konjunkturklimaindex im mittleren Ruhrgebiet verbessert sich im Vergleich zum Vorjahr um etwa sechs Punkte auf 91,95. Im Vergleich zum Frühjahr 2026 sinkt er aber leicht. Die Verbesserung geht vor allem auf das Konto der Dienstleistungsunternehmen, die ihre Zukunftsaussichten deutlich positiver beschreiben.
Risiken: Sowohl der Fachkräftemangel als auch die Auslandsnachfrage spielen bei der Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung aktuell eine untergeordnete Rolle. Finanzierung und Wechselkurse sind ebenfalls für die Unternehmen zurzeit kein Thema.
Beschäftigung: Nur jedes fünfte Unternehmen im mittleren Ruhrgebiet hat aktuell Probleme, offene Stellen zu besetzen. Fast 60 Prozent der Unternehmen haben aktuell keinen Personalbedarf. Unbesetzte Stellen gibt es vor allem im Handel und in der Industrie. Wenn die Unternehmen Personal aufstocken möchten, suchen sie vor allem nach Menschen mit einer dualen Berufsausbildung (72,2 Prozent der Befragten).
Arbeitsmarktpolitische Maßnahmen: Fast zwei Drittel der Unternehmen bewerten die Senkung der Sozialversicherungsbeiträge als relevanteste Maßnahme für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Auch die Flexibilisierung des Kündigungsschutzes und die Ausweitung von Möglichkeiten befristeter Beschäftigung sind für viele Unternehmen relevante Maßnahmen.
KI und Beschäftigung: Unternehmen im Mittleren Ruhrgebiet erwarten v.a. veränderte Qualifizierungsbedarfe und Tätigkeitsprofile durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Gleichzeitig setzt fast 30 Prozent der Unternehmen keine KI ein und plant auch nicht, dies zu tun.
„Unsere Konjunkturumfrage beweist einmal mehr, dass die Unsicherheit in den Unternehmen weiterhin hoch ist. Wir brauchen jetzt eine umfassende Reform der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“, so Fatma Yüceoglu. Entscheidend sei nun, dass die Regierung Merz ihren Ankündigungen auch Taten folgen lasse.