Lebendiges Welper: Einzelhandel, Genuss und viel Tradition
Der Stadtteil von Hattingen hat einiges zu bieten – nicht nur, wenn es ums Essen und Trinken geht. Wer ihn entdecken will, sollte allerdings eines beachten: Die Mittagspause ist vielen Menschen und Einzelhändler:innen nach wie vor heilig.
Von Daniel Boss (Text) und Sascha Kreklau (Fotos)
Weinhütte
In Christian Blanks „Weinhütte“ dreht sich alles um edle Tropfen.
Die Wand aus Holz und Glas ist ein Hingucker: Auf clever umgearbeiteten Europaletten steht Weinflasche neben Weinflasche – und das auf mehreren Etagen. Gegenüber hängt ein Schild, das „Blubber“ verspricht: Für das so bezeichnete Prickeln im Glas und im Mund sorgen Winzer-Sekt, Cremant, Cava und Cider. Kein Zweifel, bei Christian Blank dreht sich alles um edle Tropfen. Nicht umsonst hat er sein Geschäft „Weinhütte“ getauft. Wie der Name schon vermuten lässt, ist das Ladenlokal an der Marxstraße – direkt gegenüber dem Restaurant „Toscana“ – nicht besonders groß. Aber Platz für muntere Tastings für bis zu 14 Personen bietet der Raum allemal.
Vor rund vier Jahren, mitten in der Pandemie, hat Blank seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Nach zwei Dekaden Einzelhandelserfahrung im Bettenbereich wandte er sich dem Wein zu. „Ursprünglich wollte ich online starten und dann einen Laden suchen. Es kam aber genau umgekehrt.“ Denn das leerstehende Geschäft, das der Mann aus Welper gemeinsam mit seiner Frau entdeckte, passte einfach zu gut ins Konzept. „Also habe ich es gewagt.“
Inzwischen ist die Weinhütte ein beliebter Treffpunkt geworden, sowohl im Viertel als auch darüber hinaus. Regelmäßig finden Verkostungen statt, gebucht von Privatleuten, aber auch von Firmen. Etabliert hat sich zudem der sogenannte Bordstein-Wein. Bei diesem Event, das jeden zweiten Mittwoch im Monat stattfindet, öffnet Blank fünf bis sechs verschiedene Weine und bietet sie zum Probieren an – je nach Wetter draußen oder drinnen. „Damit möchte ich erreichen, dass die Leute auch mal Weine probieren, die für sie ganz neu sind.“
Ursprünglich wollte ich online starten und dann einen Laden suchen. Es kam aber genau umgekehrt.
Die Weinhütte hat eine klare Philosophie: Angeboten werden ausschließlich Weine aus Europa – und sie müssen „handwerklich erzeugt“ sein. Stichworte sind „biodynamisch“ und „Naturweine“. Blank legt Wert darauf, dass er seine Winzer:innen persönlich kennt – ob sie nun im Trentino, an der Loire oder in der Pfalz ihren Betrieb haben. Die günstige Flasche gibt es ab rund sechs Euro. Nach oben hin ist bei etwa 55 Euro Schluss. Neben Rot, Weiß und Rosé gibt es auch orangefarbenen Wein. „Die Methode stammt ursprünglich aus Georgien.“
Noch kaufen die meisten Kund:innen stationär ein. Doch der Onlineshop, im Jahr 2024 gestartet, wird für den Umsatz immer wichtiger. „Am Laden halte ich aber auf jeden Fall fest“, betont der 59-Jährige. „Es ist wichtig, dass nicht nur in der Hattinger Innenstadt, sondern auch in den Stadtteilen Leben und Handel herrschen.“
Moden Morek
Inhaber Andreas Morek mit seiner Mutter Renate im Laden an der Thingstraße
In Windeseile ist das Smartphone auf einen Haltergeschraubt, und die kabellosen Mini-Mikrofone sind verteilt: Den Besuch der IHK in seinem Geschäft nutzt Andreas Morek direkt für seine Social-Media-Kanäle und nimmt das Interview in professioneller Influencer-Manier auf Video auf. Später wird er es dann schneiden und hochladen. „Schließlich wollen und müssen wir auch die jüngeren Zielgruppen erreichen“, sagt der Einzelhändler. Der 61-Jährige setzt auf Trends in dem traditionsreichen Familienbetrieb.
Seit 1967 steht der Name Morek in Welper für Textilien. Zunächst hatte Mutter Renate ein Handarbeitsgeschäft eröffnet. „Über vier Standorte hinweg ist daraus im Laufe der Jahre das Modegeschäft geworden, das wir heute mit viel Erfahrung und Herz weiterführen“, so der Sohn. Seit 1990 befindet sich das Geschäft an der Thingstraße / Ecke An der Hunsebeck – und damit in einer „1a-Lage in Welper“, wie Morek lächelnd betont. Er ist seit 1995 Inhaber. Seine Mutter – inzwischen 87 – unterstützt ihn zusammen mit einer weiteren Verkäuferin.
Die Bekleidung bei Moden Morek ist „in der Mitte angesiedelt“, so der Hattinger. Gemeint ist damit sowohl das Preissegment als auch die breite Altersklientel: „Unsere jüngsten Kundinnen sind Mitte 20, die älteste Stammkundin wird demnächst 100.“ Angeboten wird das gesamte Spektrum – von Schuhen über Hosen und Blusen bis hin zu Kopfbedeckungen. Auch Accessoires wie etwa Gürtel fehlen nicht. Für Herren gibt es einen kleineren Bereich mit Hemden, Jeans, Sakkos und Jacken. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf der Damenmode. „Das Verhältnis ist etwa 85 zu 15“, erklärt Morek.
In Welper setzen wir ganz bewusst auf persönlich ausgesuchte Mode und eine Beratung, die Zeit und Aufmerksamkeit schenkt.
„In Welper setzen wir ganz bewusst auf persönlich ausgesuchte Mode und eine Beratung, die Zeit und Aufmerksamkeit schenkt.“ Ganz wichtig sei die Flexibilität. Aus einst 15 sogenannten Orderfirmen, die Bestelltes liefern, sind inzwischen drei geworden. „Wir halten nicht mehr so viel auf Lager wie früher, sondern richten uns nach den ganz aktuellen Modetrends, die immer schnelllebiger werden“, sagt Morek. Zweimal monatlich ist er in großen Modezentren unterwegs, um neue Ware zu besorgen. Das weiß vor allem die Stammkundschaft zu schätzen. Wichtig zu wissen: „Mittags haben wir geschlossen. Das ist sozusagen Tradition in Welper.“
Ein zweites Standbein ist die Elektromobilitätsplattform car-morek360.de. „Darüber vermitteln wir seit einigen Monaten E-Fahrzeuge in unterschiedlichen Finanzierungsmodellen. Diese Kombination aus klassischem Einzelhandel und digitalem Mobilitätsgeschäft spiegelt gut wider, wie wir Tradition und Zukunft zusammenbringen.“
Pizzeria & Kebaphaus Burak
Ismail Abay (Mitte) mit seinen Söhnen Burak und Kerem vor dem Imbiss der Familie in Welper
Direkt gegenüber dem Modegeschäft liegt eine Imbiss-Institution: „Gäste fahren kilometerweit für Hattingens besten Döner“ schrieb die WAZ vor etwas mehr als einem Jahr nach einem User-Voting. Gemeint ist die „Pizzeria & Kebaphaus Burak“, benannt nach dem ältesten Sohn des Betreibers Ismail Abay. Der 48-Jährige kam vor 25 Jahren aus der Türkei, wo er im Einzelhandel tätig war, ins Ruhrgebiet. „Hier habe ich zunächst als Angestellter in einem Dönerladen gearbeitet“, erzählt er. Seit 2005 führt er selbst den Imbiss mit Kult-Charakter. Vor einem halben Jahr gab es eine deutliche Veränderung: „Durch die Zunahme weiterer Räumlichkeiten haben wir uns von 16 auf 60 Quadratmeter vergrößert“, berichtet der Betreiber.
Allerdings gilt auch weiterhin: Geschmaust wird außer Haus. Stühle und Tische gibt es nicht. Das Essen kann abgeholt oder geliefert werden. „Wir haben unser eigenes Pizza-Taxi und kommen ohne die großen Online-Bestellportale aus“, betont Burak Abay. Der 23-Jährige und sein jüngerer Bruder Kerem helfen dem Vater manchmal aus. Sie ergänzen das Team aus mehreren Angestellten. Richtig in die Gastronomie einsteigen wollen die Brüder nicht; beide sind im Elektrohandwerk tätig. Aber eine enge Verbundenheit ist vorhanden: „Wir sind natürlich mit dem Kebaphaus groß geworden“, so Burak Abay.
Wir haben unser eigenes Pizza-Taxi und kommen ohne die großen Online-Bestellportale aus.
Verkaufsschlager an der Thingstraße ist der vielgelobte Döner. „Pizza wird aber ebenfalls sehr stark nachgefragt“, sagt Ismail Abay. „Der Renner ist die Calzone.“ Auf der Karte stehen unter anderem auch Pasta, Baguette, Salate und Schnitzel-Gerichte. Unter der Woche ist der Imbiss bis 21.30 Uhr geöffnet, am Wochenende geht der Verkauf eine halbe Stunde länger. Das Publikum ist bunt gemischt. „Wir haben Familien, die bei uns kaufen, aber auch Firmen, die für den Mittagstisch vorbestellen“, so Burak Abay. Nicht zu vergessen die jugendliche Laufkundschaft, die „was Schnelles auf die Hand“ möchte. Ismail Burak freut sich, dass inzwischen schon Eltern mit ihren Kindern zu ihm kommen, die früher als Teenager bei ihm bestellt haben.
Ihm ist es wichtig, „die Qualität der Speisen weiter hochzuhalten“. Deswegen weiß er auch noch nicht, ob er im Frühling und Sommer Stehtische vor dem Imbiss aufstellen soll. „Die Erlaubnis dafür habe ich“, sagt er. „Aber vielleicht wird der Aufwand dann so hoch, dass irgendwann die Qualität leidet. Das will gut durchdacht sein.“ Mit der finalen Entscheidung will er sich daher noch etwas Zeit lassen.
Pott Bakery (OK)
Patrick Gambalat in seiner „Wochenendbäckerei”. Die Pott Bakery zelebriert das Ruhrgebiet und seine Traditionen - mit Backwaren.
Ebenfalls um das leibliche Wohl der Menschen in Welper (und darüber hinaus) kümmert sich Patrick Gambalat mit seiner „Pott Bakery“. Auch sie befindet sich an der Thingstraße. Es ist ein kleines Geschäft mit etwa 20 Quadratmetern Verkaufsfläche, „aber für diese Zwecke absolut ausreichend“, sagt Gambalat. Zuvor war hier das „Schnitzel-Stübchen“ und davor eine Fleischerei. „Daran erinnern sich noch viele ältere Welperaner und sprechen uns darauf an“, sagt Gambalat.
Seit November 2023 gibt es nun Brot und Brötchen. Der 36-Jährige aus Witten beschreibt das Angebot als „Wochenendbäckerei“. Geöffnet hat diese nämlich nur freitags, samstags und sonntags. Montags werden zudem von 14 bis 18 Uhr Vortagswaren mit einem Rabatt von 50 Prozent angeboten. „Wir haben in der Vergangenheit andere Zeiten ausprobiert, aber das hat sich nicht rentiert“, so Gambalat. Am Wochenende kommen die Leute – „manche sogar aus Stiepel, Wattenscheid und Sprockhövel“. Sogar einige Fans aus Velbert nehmen die Anfahrt auf sich, „weil sie unser Sortiment kennen und lieben“.
Die Pott Bakery will die Vergangenheit in Hattingen und Umgebung nicht in Vergessenheit geraten lassen. Sie soll vielmehr über unsere einzigartigen Produkte weitererzählt werden.
Gambalat steht nicht etwa selbst frühmorgens in der Backstube: Der gelernte Mediengestalter, der zehn Jahre lang eine kleine Werbeagentur geführt hatte, bezieht die Ware von einer Handwerksbäckerei in Essen. „In ihren Kreationen zelebrieren sie das Ruhrgebiet und seine Traditionen“, so Gambalat. Er verweist unter anderem auf das „Grubengold“: Es wird mit Sepia eingefärbt und hat eine „goldene Kruste“ aus Mais. „Die Pott Bakery will die Vergangenheit in Hattingen und Umgebung nicht in Vergessenheit geraten lassen. Sie soll vielmehr über unsere einzigartigen Produkte weitererzählt werden“, beschreibt Gambalat seine Idee. Etwa 30 Brotsorten gibt es bei ihm und seinem Verkaufsteam in Welper.
Viele Kund:innen kommen auch wegen der Spezialitäten von Gambalats Vater: Uwe Gambalat ist als Frikadellenkönig weit über die Wittener Stadtgrenzen hinaus bekannt. Im vergangenen Jahr hat er seinen Imbiss-Wagen nach 18 Jahren zum letzten Mal abgeschlossen. „Bei uns bietet er seine Highlights aber weiterhin an“, so der Sohn – der selbst schon im Alter von zehn Jahren an der väterlichen Gulaschkanone stand, wie er sich erinnert. „Mit der Bäckerei bin ich ein Stück weit zu meinen familiären Wurzeln zurückgekehrt.“ Seit dem vergangenen November gibt es nun auch eine Filiale in der Wittener Innenstadt. „Der Standort Ruhrstraße ist größer als in Welper. Hier gibt es Sitzmöglichkeiten für bis zu 30 Personen“, so der Betreiber.
pottbakery.de
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In Christian Blanks „Weinhütte“ dreht sich alles um edle Tropfen.
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Ismail Abay (Mitte) mit seinen Söhnen Burak und Kerem vor dem Imbiss der Familie in Welper
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Unsere Streifzüge
In jeder Ausgabe der WiR picken wir uns ein Viertel oder einen Stadtteil in unserem Kammerbezirk heraus und stellen engagierte Firmen, Geschäfte, Gastronomie und Initiativen dort vor. Die redaktionelle Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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