Umfrage

Aus- und Weiterbildungsumfrage 2020


Die IHK Berlin hat auch in diesem Jahr in der Zeit vom 15. bis zum 19. Juni 2020 gemeinsam mit dem DIHK die bundesweite Ausbildungsumfrage durchgeführt. Rund 420 Unternehmen beteiligten sich daran. Die Ergebnisse bestätigen das Bild der ersten Corona-Ausbildungsumfrage der IHK Berlin. Insgesamt könnte jeder sechste Ausbildungsplatz Corona-bedingt entfallen. Im Vergleich zum Vorjahr könnte sich das Ausbildungsplatzangebot so um fast 17 % reduzieren. Berlin ist damit im Vergleich zum Bundesdurchschnitt (s. DIHK-Umfrageergebnisse) deutlich stärker betroffen, was vor allem an der Berliner Branchenstruktur liegt. In besonders stark betroffenen Branchen wie dem Gastgewerbe, der Medienbranche und dem Handel ist mit einem deutlichen Rückgang zu rechnen. Im Gastgewerbe könnte so beispielsweise mehr als jeder zweite Ausbildungsplatz wegfallen. Kaum Veränderungen gibt es hingegen in der Industrie (ohne Bau), der Gesundheit und Pflege, dem Verkehr und nicht-touristischen Dienstleistungen, wie den unternehmerischen Dienstleistungen und Banken/ Versicherung.

Veränderung des Ausbildungsplatzangebots

Kleine- und mittelständische Unternehmen (KMU) sehen sich im Vergleich zu Großunternehmen eher gezwungen, Corona-bedingt ihr Ausbildungsplatzangebot zu minimieren. Die geplante Ausbildungsprämie  für KMUs birgt in Kombination mit anderen Instrumenten die Möglichkeit, diese Zielgruppe in ihrer Ausbildungstätigkeit zu unterstützen.
 
Ausbildungsumfrage-2020-1-Anteil-geplanter-Ausbildungsstellen

Ausbildungsalltag in Corona-Zeiten

Trotz Corona-Krise gaben rund 61% der Betriebe an, dass die Ausbildung weiterhin normal im Betrieb stattfinde. Die Hälfte aller Auszubildenden befindet sich derzeit gelegentlich im Homeoffice. Auch hier gestaltet sich der Ausbildungsalltag je nach Branchenzugehörigkeit und Betroffenheit anders. So wird Homeoffice beispielsweise vermehrt in den Bereichen IT (79,5%), Verkehr und Logistik (69,2%), sowie Banken und Versicherungen (66,7%) eingesetzt. Ein normaler Ausbildungsbetrieb vor Ort findet u.a. beim Großteil des Baugewerbes (93,3%), der Industrie (76,3%) und im Bereich Gesundheit und Pflege (75%) statt.
Rund sieben Prozent der Ausbildungsbetriebe meldeten Kurzarbeit für ihre Auszubildenden an. Auch hier zeigt sich die branchenspezifische Betroffenheit, denn auf Kurzarbeit wurde nur in Betrieben aus drei Branchen - Gastgewerbe, Medienbranche und „andere Branchen“– zurückgegriffen. Erfreulich bleibt, dass nahezu kein Unternehmen, seinen Auszubildenden Corona-bedingt kündigen musste. Auch gaben nur vier Prozent der befragten Unternehmen an, ihre Ausbildungsverträge 2020 Corona-bedingt auflösen zu müssen. 
Ausbildungsumfrage-2020-2-Auswirkung-auf-Ausbildungsalltag

Auswahl potenzieller Auszubildender

Die Hälfte aller Unternehmen hat während der Corona-Zeit weiterhin persönliche Bewerbungsgespräche geführt. Fast jedes dritte Unternehmen hat auf ein digitales Bewerbungsformat zurückgegriffen. Die Krise wird aber auch hier deutlich: Jedes fünfte Unternehmen gab an, derzeit keine Bewerbungsgespräche zu führen. Beinahe jedes zehnte Unternehmen hat zum Zeitpunkt der Umfrage seine Bewerbungsgespräche aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Situation verschoben.
 
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Übernahme von AbsolventInnen

Obwohl die Corona-Krise für Unsicherheit auf dem Ausbildungsmarkt sorgt, gaben 56% der Unternehmen an, alle AbsolventInnen in diesem Jahr zu übernehmen. Auch hier ergeben sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen: So gaben im Gastgewerbe nur noch 32 % und im Handel 50% der Unternehmen an, alle AbsolventInnen zu übernehmen.  Blickt man in die Gründe für die Nicht-Übernahme so fällt auf, dass gut jedes vierte Unternehmen angab, dass Auszubildender und Betriebe nicht zusammenpassen. Auch ausbleibende freie Stellen und die schwer einzuschätzende wirtschaftliche Entwicklung werden ebenfalls von rund jedem vierten Unternehmen als Begründung genannt.
 
Ausbildungsumfrage-2020-5-Keine-Übernahme-von-Absolventen

Wünsche im Rahmen des DigitalPakts

Wie bereits die letzte Umfrage gezeigt hat, wünschen sich Berliner Ausbildungsbetriebe von den Berufsschulen ein breiteres digitales Lehrangebot. 75 % aller Betriebe wünschen sich im Rahmen des DigitalPakts eine gemeinsame Lernplattform. Auch die Nachfrage nach Blended-Learning-Konzepten, also die Verbindung von Präsenzunterricht und eLearning, ist hoch. Jeder zweite Betrieb erhofft sich einen besseren E-Mail-Austausch mit den Berufsschullehrern. 
Ausbildungsumfrage-2020-4-Wuensche-Digitalpaket