BERLINER WIRTSCHAFT – Februar 2015

City West zunehmend attraktiv

Ob es vor allem am Veranstaltungsort, an den fünf Podiumsteilnehmern mit ihren vielen Themen oder am großen Interesse der 120 Gäste lag, ließ sich nicht genau sagen, aber der „Tourismus Dialog.Berlin“ am 20. Januar mündete in einen ausgesprochen lebhaften Schlagabtausch mit vielen Fragen und Meinungen. Einig war man sich, dass die City West touristisch neu erblüht ist und als Standort auch für Einwohner attraktiv bleibt. Unter der Moderation von Ulrich Bülow, ZDF Hauptstadtstudio Berlin, wurde diskutiert, wie die City zu früherem Glanz findet oder ob die touristischen Angebote den Wünschen von Reisenden wirklich entsprechen.
Ted Walle, Centre Manager der Bikini Berlin Concept Mall, stellte als Gastgeber sein Haus vor und ging auf den runderneuerten Zoo Palast oder das 25hours Hotel ein, die nach seiner Auf-fassung – genau wie das Waldorf Astoria gegenüber und die c/o-Galerie im Amerika- Haus – Symbole des Aufschwungs in der City seien. Der Abriss des alten Aschinger-Gebäudes beginne jetzt und mit dem Neubau des Geschäftshauses von US-Investor Hines würde auch diese Ecke ansehnlicher. Angesprochen auf die Mieterstruktur im Bikini sagte Walle: „Wir arbeiten daran, dass der Branchen- Mix noch runder wird.“
Gregor Andreewitch, General Manager Waldorf Astoria Hotel, kommentierte die Zunahme von Hotelbetten in Berlin – bis 2020 sind noch 40 weitere Hotels geplant – mit der Feststellung: „Das Potenzial nach oben ist da: Es ist genug Platz für alle Preissegmente. Berlin ist die drittattraktivste Stadt in Europa nach London und Paris, aber diese Ziele sind viel, viel teurer. Und wenn der BER erst eröff net, dann wird der Zustrom der Gäste noch stärker.“ Er mahnte davor, Berlin nur als „arm und sexy“ anzupreisen. Die Stadt hätte Besuchern wirklich viel zu bieten und dass sei es wert, auch gut bezahlt zu werden. Die Forderung, alles immer „billiger, billiger“ zu machen, sei keine Voraussetzung für den Aufschwung.
Dr. Stefan Elfenbein, Juryvorsitzender „Berliner Meisterköche“ und Gastro- Journalist, liebt in der City die „tollen, kleinen gastronomischen Orte“, die „echte Schätze“ im Bezirk sind. Diese müssten unbedingt erhalten bleiben. Paris sei ein gutes Vorbild, das seine Traditions-Bistros „unter Schutz“ stelle. New York habe, wenn auch „zu spät“, gerade damit angefangen.
Klaus-Jürgen Meier, Vorstandsvorsitzender AG City, blickte zurück auf die Jahre 2008/09, in denen die Leitlinien für die City-West entstanden. Inzwischen hat die AG City ihre Mitgliederzahl auf 400 fast verdoppelt. Die bevorstehende Renovierung der Bahnhof Zoo-Fassade und die Wiedereröffnung der Zoo- Terrassen 2016 seien Lichtblicke, die die City voranbringen. Insgesamt wünschte sich Meier mehr „Café-Haus-Kultur“ auf den Bürgersteigen und eine bessere Aufenthaltsqualität.
Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg- Wilmersdorf, Reinhard Naumann, zeigte sich erwartungsgemäß stolz auf seinen Bezirk. Die Themen, die ihn bewegen, seien vom Interessenausgleich zwischen Gastronomen und Bürgern geprägt. Das reiche von „mehr Bänken zum Ausruhen“ bis zur „Begehbarkeit der Bürgersteige“. Er berichtete u.a. von den Bemühungen, die Kudamm- Bühnen auch unter dem neuen Investor zu erhalten.  CHRISTINE NADLER  
Leserbrief an die BERLINER WIRTSCHAFT versenden
Artikel der Februar Ausgabe 2015 zum Archiv