05.05.2026

Lichtenfels: Dramatischer Beschäftigtenrückgang in der Industrie

IHK-Vizepräsident Wasikowski warnt vor Deindustrialisierung

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist im Landkreis Lichtenfels seit 2019, dem Jahr vor der Corona-Krise, um 2.282 auf 26.608 im Jahr 2025 gesunken. Das entspricht einer Abnahme von nicht weniger als 7,9 Prozent, so die IHK für Oberfranken Bayreuth in einer aktuellen Analyse der IHK für Oberfranken Bayreuth. "Gerade die Industrie bricht regelrecht weg", warnt Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels.

In welchen Branchen der Beschäftigtenrückgang besonders hoch war, zeigt eine aktuelle Auswertung der IHK für Oberfranken Bayreuth auf Basis von Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Dramatischer Beschäftigteneinbruch im Verarbeitenden Gewerbe
Haupttreiber des Beschäftigtenrückgangs ist das Verarbeitende Gewerbe. Hier gab es seit 2019 einen Einbruch der Beschäftigtenzahlen um 2.196. Wasikowski, zeigt sich alarmiert: Was wir hier erleben, ist ein industrieller Kahlschlag sondergleichen - in nur sechs Jahren ist jeder vierte Industriearbeitsplatz im Landkreis Lichtenfels weggebrochen. Das ist schlichtweg eine Katastrophe für unseren Landkreis! Wer das nicht als Wirtschaftsnotstand begreift, hat die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Wenn die Politik weiterhin so tatenlos zuschaut, ist das der Todesstoß für unseren Industriestandort."

Auch Handel und wirtschaftsnahe Dienstleistungen bauen deutlich Beschäftigte ab
Neben dem Verarbeitenden Gewerbe verlieren der Handel inklusive Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen sowie wirtschaftsnahe Dienstleistungen deutlich. In beiden Wirtschaftszweigen gehen jeweils in nur sechs Jahren rund ein Viertel der Arbeitsplätze verloren. In absoluten Zahlen heißt das 1.242 Beschäftigte weniger im Handel und weitere 417 weniger in den wirtschaftsnahen Dienstleistungen.

Dieser Rückgang wird durch Zuwächse in anderen Branchen nur ansatzweise abgemildert. So legt der Sektor Verkehr und Lagerei um 676 Beschäftigte zu, das Baugewerbe um 290 und die Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung um 195. Kompensieren können diese positiven Entwicklungen die Rückgänge in den oben genannten Branchen allerdings bei weitem nicht.

Wasikowski: "Politik schaut tatenlos zu!"
"Um den Abwärtstrend zu stoppen, muss der Standort Deutschland endlich wieder attraktiv für Investitionen werden. Stattdessen sind wir wieder einmal der 'kranke Mann Europas'" so Wasikowski. "Vor allem braucht unsere Industrie vernünftige Rahmenbedingungen, also weniger Bürokratie, mehr Deregulierung, schnellere Genehmigungsverfahren, niedrigere Energie- und Arbeitskosten sowie eine niedrigere Abgaben- und Steuerlast." Wasikowski macht deutlich, dass das alles keine neuen Forderungen sind: "Allein, passiert ist bis heute nichts! Die Politik schaut tatenlos zu, wie die Industrie und mit ihr die Arbeitsplätze, ins Ausland abwandern, weil der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig ist."

Wasikowski: "Weite Teile der Politik haben offenbar immer noch nicht verstanden, was die Stunde schlägt. Was muss denn noch passieren, damit die Politik endlich tätig wird und Reformen realisiert werden?"

Oberfranken: Seit 2019 Verlust von 15.252 Industriearbeitsplätzen
In Gesamtoberfranken verzeichnet das Verarbeitende Gewerbe einen sehr deutlichen Beschäftigtenabbau mit einem Minus von 15.252 Beschäftigten seit 2019 (-11,1 Prozent). Zudem ist bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen eine nennenswerte Abnahme zu verzeichnen (-1.406 Beschäftigte). Dies lässt sich durch deren enge Verknüpfung mit dem Verarbeitenden Gewerbe erklären. Es gibt allerdings auch Wirtschaftsabschnitte, welche sich im Wachstum befinden, etwa die öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung (+5.741 seit 2019), das Gesundheits- und Sozialwesen (+3.342), Verkehr und Lagerei (+2.566), Erziehung und Unterricht (+2.557) oder die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+2.134).

Während in der Summe seit 2019 oberfrankenweit 4.224 neue Arbeitsplätze entstanden sind, ist die Entwicklung zuletzt spürbar gekippt. Gegenüber 2024 verzeichnet Oberfranken einen Rückgang von 1.858 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, verursacht vor allem durch den Abbau im Verarbeitenden Gewerbe (-3.764), aber auch im Handel und den wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Neue Arbeitsplätze sind im vergangenen Jahr vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen entstanden (+1.524).

Hinweis: Die Berechnungen basieren auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Stichtag 30.06 des jeweiligen Jahres.