Bayerns Exportmotor stottert

IHK für Oberfranken Bayreuth zeigt in einer Analyse deutliche Umbrüche auf
Deutschland, und vor allem Bayern, wird gemeinhin immer noch als Exportweltmeister angesehen. Die glänzende Fassade zeigt zuletzt Risse, vor allem beim Export von Pkw und Pkw-Teilen. "Unsere Exporteure brauchen bessere Standortbedingungen", macht IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfram Brehm deutlich.

"Zukunftsinvestitionen, als Innovationen und Erweiterungen, tätigt unsere oberfränkische Industrie vor allem im Ausland", so Brehm. "Der Standort Deutschland ist international oft nicht mehr wettbewerbsfähig. Das bekommen natürlich auch unsere Exporteure zu spüren." Brehm nennt die Bürokratie, schleppende Planungs- und Genehmigungsverfahren, teure Energie und eine hohe Steuerbelastung als Haupthemmnisse.

Während der Freistaat 2008 noch einen deutlichen Exportüberschuss erzielte, hat sich das Bild seitdem gewandelt: Seit 2019 importiert Bayern mehr Waren, als es exportiert. Besonders deutlich wurde das 2022 mit einem Negativsaldo von 26 Milliarden Euro. Auch 2025 bleibt die Bilanz negativ: Bis September wurden Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro mehr eingeführt als ausgeführt, was natürlich auch mit deutlich gestiegenen Kosten etwa für Erdöl und Erdgas zu tun hat.

Bayerischer Außenhandel im Überblick

Wichtige Absatzmärkte im Wandel

"Die USA bleiben wichtigster Abnehmer bayerischer Waren, auch wenn die Exporte dorthin zuletzt rückläufig waren", macht Dr. Sabine Ebensperger deutlich, die bei der IHK für Oberfranken Bayreuth Ansprechpartnerin für Standortinformationen ist. Österreich, Frankreich, Italien und China folgen mit Abstand. China rutschte wegen eines deutlichen Exportrückgangs von Rang 3 im Jahr 2015 auf aktuell Rang 5 ab. Das Vereinigte Königreich, einst zweitwichtigster Markt nach den USA, fiel infolge des Brexits in den letzten zehn Jahren auf Platz 7 zurück. Russland, 2015 noch auf Rang 18, ist inzwischen auf Platz 47 abgerutscht. Dr. Ebensperger: "Bayern exportiert heute mehr nach Luxemburg oder Litauen als nach Russland." Gleichzeitig gewinnen Länder wie die Ukraine, Malaysia, Marokko, Serbien und Griechenland als Abnehmer an Bedeutung. Dank des Positivtrends in diesen und anderen Ländern gingen die Exporte aus Bayern gegenüber dem Vorjahr nur um 0,9 Prozent zurück.

Importe: China dominiert, Osteuropa holt auf

China ist inzwischen mit Abstand wichtigster Lieferant für Bayern. Während 2015 noch Waren im Wert von jeweils rund 11 Milliarden Euro aus China und Österreich importiert wurden, stieg der Wert der Importe aus China bis 2025 auf 24 Milliarden Euro, aus Österreich nur auf 14 Milliarden. Tschechien, Italien und Polen zählen ebenfalls zu den wichtigsten Importländern. Die USA verloren an Bedeutung und rutschten von Rang 3 auf Rang 7 ab. Russland, 2015 noch auf Platz 10, spielt als Lieferant kaum noch eine Rolle ‑ Bayern importiert inzwischen mehr aus Malta oder Liechtenstein.

Bayerischer Außenhandel mit China und den USA

Handel mit den USA: Rückgänge bei Export und Import

Die Exporte in die USA gingen in den ersten drei Quartalen 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in vielen Warengruppen zurück. Dabei lässt sich deutlich beobachten, dass der Exportmotor immer mehr ins Stottern kommt. Lag das Minus beim Export im 1. Quartal 2025 noch bei -1,2 Prozent, betrug der Rückgang bereits -5,6 Prozent und im 3. Quartal schließlich -12 Prozent.

Auffällig sind insbesondere die Warengruppen Optische und fotografische Geräte (-16 Prozent), Kunststoffe (-15 Prozent), Pkw und Wohnmobile, Maschinen (jeweils -13 Prozent), Autoteile (-9 Prozent), Möbel und Metallwaren (jeweils -8 Prozent).

Auch die Importe aus den USA sanken deutlich, besonders bei Erdöl und Erdgas (-49 Prozent), Kraftmaschinen (-33 Prozent), Pkw und Wohnmobilen (-20 Prozent), Autoteilen (‑15 Prozent) und pharmazeutischen Erzeugnissen (-8 Prozent).

"Die Zollpolitik der USA hat bei unseren Unternehmen zu einer enormen Verunsicherung geführt. Das haben wir auch an den sprunghaft gestiegenen Anfragen an unser Außenhandelsteam gemerkt", so Wolfram Brehm. "Dieser Husarenritt bei der Zollpolitik blieb nicht ohne Auswirkungen auf die bayerischen Exporte in die USA. Die Zahlen haben sich von Quartal zu Quartal zusehends verschlechtert. Besonders stark haben die Exporte im Jahresverlauf etwa bei Pkw, medizinischen Geräten, Maschinen oder Kunststoffwaren nachgelassen - Branchen, die in Oberfranken eine wichtige Rolle spielen."

Handel mit China: Importe steigen, Exporte fallen

Die Importe aus China legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in einigen Bereichen stark zu, etwa Kraftmaschinen (+43 Prozent), Maschinen (+21 Prozent) und Bekleidung (+16 Prozent). Die Exporte nach China hingegen brachen ein, besonders bei Pkw und Wohnmobilen (-68 Prozent), Autoteilen (-31 Prozent) und Maschinen (-22 Prozent).

Bayerischer Außenhandel mit Pkw und Wohnmobilen sowie Pkw-Teilen

Automobilbranche: Oberfrankens Motor unter Druck

Die Automobilzulieferer sind mit gut 200 Unternehmen der wichtigste Arbeitgeber in Oberfranken. "Exporte spielen in dieser Branche eine zentrale Rolle – sowohl über direkte Exporte ins Ausland als auch indirekt über inländische Hersteller, die ihre Autos im Ausland verkaufen", so Ebensperger.

Pkw-Exporte nach China brechen gegenüber 2024 ein

Seit der Corona-Pandemie sinkt der Absatz bayerischer Pkw ins Ausland deutlich. Allein im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sank der Export in den ersten drei Quartalen 2025 um 5,6 Prozent. Dabei fielen die Ausfuhren nach China um satte 68 Prozent von 2,5 Milliarden auf 793 Millionen Euro. Dr. Ebensperger: "War die Volksrepublik China vergangenes Jahr noch drittwichtigster Abnehmer von bayerischen Autos, ist sie nun auf Rang 12 abgestürzt." Auch in das wichtigste Abnehmerland, die USA, sank der Export um 740 Millionen Euro oder 13,3 Prozent. Nach Australien, Taiwan und Belarus gingen die Ausfuhren ebenfalls spürbar zurück. Der Export ins Vereinigte Königreich stabilisiert sich fünf Jahre nach dem Brexit wieder langsam. Die Türkei, Schweden und Norwegen verzeichnen Zuwächse im dreistelligen Millionenbereich.

Trotz allem exportiert Bayern weiterhin deutlich mehr Pkw, als es importiert – das Verhältnis liegt bei 3:1. Südafrika, bis 2018 kaum relevant (Rang 41), ist inzwischen fünftwichtigster Lieferant, hinter der Slowakei, Spanien und Tschechien. Die meisten Fahrzeuge kommen weiterhin aus den USA, allerdings mit rückläufiger Tendenz.

Automobilzulieferer: Exporteinbruch bedingt durch China

In den ersten neun Monaten 2025 exportierten bayerische Zulieferer Fahrgestelle, Motoren und Autoteile im Wert von 9,5 Milliarden Euro – ein Rückgang um 1,1 Milliarden Euro gegenüber 2015. Hauptgrund ist der Exportrückgang nach China um 1,3 Milliarden Euro. Auch in die USA, nach Russland und Südafrika sanken die Ausfuhren. Dagegen stiegen die Exporte nach Polen (+865 Millionen Euro), in die Türkei, die Slowakei und nach Mexiko.

Im Vergleich zu 2024 mussten die Zulieferer vor allem Einbußen nach China, aber auch in die USA, das Vereinigte Königreich, Belgien und Frankreich hinnehmen.

"Die Automobilzulieferer sind das Rückgrat der oberfränkischen Wirtschaft. Doch die internationalen Märkte verändern sich rasant. Wir müssen neue Wege gehen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern", macht Dr. Johanna Horzetzky deutlich, Teamleiterin International bei der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Diversifizierung Exportmärkte

Neue Märkte, neue Chancen: Freihandelsabkommen gefordert

Angesichts der Rückgänge im Handel mit China und den USA müssen aus Sicht der IHK für Oberfranken Bayreuth neue Märkte erschlossen und Handelsbeziehungen diversifiziert werden, was aber gerade für kleinere Unternehmen alles andere als einfach sei. "Wir reden nicht nur über unterschiedliche Sprachen, sondern vor allem über unterschiedliche Rechtsvorschriften und Rahmenbedingungen", macht Dr. Horzetzky deutlich. Geplante Freihandelsabkommen, etwa mit den MERCOSUR-Staaten (Südamerika) oder Indien bieten große Chancen. MERCOSUR umfasst einen Markt mit rund 300 Millionen Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 2,3 Billionen US-Dollar. Indien zählt 1,43 Milliarden Einwohner und ein BIP von 3,7 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Die USA haben 334 Millionen Einwohner und ein BIP von 26,9 Billionen US-Dollar, China erwirtschaftet 17,7 Billionen US-Dollar bei einer Einwohnerzahl von 1,41 Milliarden.

Die geplanten Abkommen betreffen nicht nur Zölle, sondern auch Dienstleistungen, Investitionen und Wettbewerbsfragen. Während beim Wirtschaftsteil des EU-MERCOSUR-Abkommens Chancen auf eine zeitnahe Zustimmung bestehen, laufen die Verhandlungen mit Indien noch.

Handelshemmnisse innerhalb der EU abbauen!

"Wir brauchen offene Märkte und faire Handelsbedingungen. Nur so bleibt unsere Wirtschaft widerstands- und zukunftsfähig", unterstreicht Dr. Horzetzky. "Dazu gehört auch, dass innerhalb der EU unterschiedliche nationale Vorschriften mit der damit verbundenen Bürokratie abgebaut werden. Das Gegenteil ist leider der Fall."

Dr. Horzetzky: "Sie möchten neue Märkte erschließen oder die Vorteile internationaler Handelsabkommen gezielter nutzen? Unsere Expertinnen und Experten unterstützen Sie gerne – sprechen Sie uns an!"