Flächennutzung

"Stadt Aachen verzichtet auf Entwicklungschancen"

Die IHK Aachen kritisiert den aktuellen Entwurf der Stadt Aachen zum Regionalplan, weil sie damit freiwillig auf dringend benötigte Gewerbeflächen verzichten würde. “Unsere regionale Wirtschaft braucht Raum zum Expandieren. Außerdem wollen wir in den kommenden Jahren Neuansiedlungen ermöglichen, um den Strukturwandel erfolgreich zu meistern”, sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. “Wenn die Stadt diese Bedarfe künftig nicht bedienen will, wird unsere Region Wirtschaftskraft verlieren.”
Die IHK Aachen hat eine klare Position: Grundsätzlich sollte es der Anspruch jeder Kommune sein, möglichst viele Gewerbeflächen auszuweisen, sofern sie den Vorgaben des Umwelt- und Klimaschutzes entsprechen. Das wäre zum Beispiel bei einer Fläche in Eilendorf, die von der Bezirksregierung Köln für eine gewerbliche Nutzung in Aachen geprüft wurde, der Fall. “Aus für uns nicht nachvollziehbaren Gründen will die Stadt Aachen die geeignete Fläche nicht im neuen Regionalplan berücksichtigt wissen”, kritisiert Bayer. “Somit verzichtet die Stadt ohne Not auf künftige Entwicklungschancen, die angesichts des Strukturwandels zwingend notwendig sind.”
Besonders unverständlich: Die Stadt spricht in ihrer Stellungnahme davon, das es in Aachen noch rund 76 Hektar “Potenzialflächen” für Gewerbe gebe, die fortlaufend entwickelt würden. Dazu zählen jedoch auch die Gewerbegebiete Avantis und Aachen-Brand, die bereits fast vollständig verkauft und bis auf wenige Flächen bebaut worden sind. Bayer: “Diese Berechnung ist aus unserer Sicht Augenwischerei, weil von den angeblich langfristig vorgesehenen Potenzialflächen heute schon rund zwei Drittel nicht mehr zur Verfügung stehen.”
Der aktuelle Entwurf des Regionalplans, der derzeit in den Ausschüssen diskutiert wird, soll am 24. August vom Rat der Stadt beschlossen werden und bis circa 2045 gelten. Er hat für Aachen nur noch rund fünf Hektar mehr Gewerbeflächen vorgesehen als der derzeitige Flächennutzungsplan der Stadt. Dieser wiederum hat eine Laufzeit von ungefähr 15 Jahren und weist bereits rund 100 Hektar weniger Gewerbeflächen aus, als laut einer Bedarfsprognose notwendig wäre. So konnte nach Auskunft der Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen im Jahre 2021 nur noch jede sechste Unternehmensanfrage positiv beschieden werden. “Die Situation ist ernst: Bereits heute fehlen Gewerbeflächen in erheblichem Umfang”, warnt Bayer. “Welchen Spielraum soll Wirtschaftsförderung dann noch in den kommenden beiden Jahrzehnten haben?”.
Auch aufgrund des Klimawandels braucht die Wirtschaft zusätzliche Flächen. Denn: “Wer das Klima schützen will, muss bereit sein, in einem gewissen Umfang auch bisher unversiegelte Flächen zu nutzen. Wir benötigen in den kommenden Jahren zum Beispiel zusätzliche Flächen für Windräder, für die Produktion von Wasserstoff und für den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen”, betont Bayer. “Jeder sollte bedenken: Der Ausbau erneuerbarer Energien ist ebenfalls ein zentraler Bestandteil unserer Wirtschaft – und definitiv kein unwichtiger.”
IHK-Presseinformation vom 17. August 2022