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Gesundheit als Unterrichtsfach und Berufsorientierung
Der Berufsbildungsverein Eberswalde e. V. (bbv) engagiert sich für Berufsorientierung in der Schule – in Deutschland und Polen. Geschäftsführerin Daniela Salzmann über ein besonderes Projekt und seinen Nutzen – für künftige Azubis und ihre künftigen Arbeitgeber.
Frau Salzmann, der bbv ist seit vielen Jahren in Interreg-Projekten engagiert. Was motiviert Sie dazu?
Wir sind ein klassischer Träger für berufliche Bildung und haben eine deutsch-polnische Historie. Seit 1998 pflegen wir Kontakte zu polnischen Partnern. Begonnen hat es mit einem Wettbewerb in der Gastronomie, unterstützt von der EU und der IHK. Wir sind Träger der Oberbarnimschulen. Solche Kontakte zu Polen zahlen sich für unsere Schüler aus.
Daniela Salzmann ist Geschäftsführerin des Berufsbildungsvereins Eberswalde e.V.
Was war Ziel des aktuellen Projektes?
Das war die Berufsorientierung. Sie findet bei uns ab Klasse 7 statt, vorwiegend im Fach WAT und in vielen Projekten. Mit unserem polnischen Partner, einer Grundschule in Stargard, ging es um das Erweitern von Bildungs- und Ausbildungsangeboten. Wir wollten berufliche Orientierung mit Gesundheitsmanagement sowie Medienkompetenz entwickeln und im Lehrplan verankern. Das ist in Deutschland und Polen einzigartig.
Eberswalde ist eine Gesundheitsregion
Was ist das Einzigartige daran?
Eberswalde ist eine Gesundheitsregion. Alle Erfahrungen, die wir mit der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG) gemacht haben, sind hineingeflossen. Wir haben einen Partner in Polen gesucht, der mitzieht. Unser Projekt will die Ressourcen der Regionen Stargard und Eberswalde für eine neue Qualität von Berufsorientierung nutzen. Dabei wurden die Schüler von Anfang an mit einbezogen. Das hat sich bis in die Elternhäuser fortgesetzt. Mädchen und Jungen werden mit der außerschulischen Wirklichkeit frühzeitig vertraut gemacht. Sie lernen ihre Fähigkeiten kennen.
Wer hat mitgemacht, woran haben die Schüler gearbeitet?
360 Schüler der 6. bis 9. Klassen haben eine bilaterale Schülerbefragung entwickelt und durchgeführt. Ihr Thema: Zwischen Entdeckergeist und digitaler Überforderung. Die Schüler erkannten, dass sie selbst Einfluss auf ihre Gesundheit nehmen können. Es gab Workshops zur Berufsorientierung, Sportfeste, Ausstellungen und ein grenzüberschreitendes Familienfest.
Projektkosten von fast 1,5 Millionen Euro
Was wollten die Schüler in der Befragung wissen?
Unter anderem ging es um die eigene Verantwortung beim Medienverhalten und der Nutzung neuer Technologien. Für die meisten war es wichtig, Schüler aus der Partnerschule zu treffen, die Kultur des Projektpartners kennenzulernen und in der Fremdsprache zu kommunizieren. Es war eine Herausforderung, Schüler im Grundschulalter und von der Oberschule zusammenzubringen. Noch dazu in der Coronazeit.
Das Projekt wurde über Interreg gefördert. Um welche Summen ging es dabei?
Um Projektkosten in Höhe von fast 1,5 Millionen Euro. Davon eine Förderung für den bbv von 1,2 Millionen Euro für Baumaßnahmen und bessere Infrastruktur.
Um welche Bauarbeiten handelt es sich?
Das einst graue Gebäude der Oberbarnimschulen wurde grundlegend umgebaut. Fachkabinette entstanden, die dem Projektinhalt Rechnung tragen. Neue Räume setzen die so lange geforderte Digitalisierung in praktische Unterrichtsrealität um.
Was wir geschaffen haben, wird Generationen von Schülern auf lange Zeit einen Mehrwert bieten und macht den Standort Eberswalde attraktiver.
In Stargard entstanden Fachkabinette, in denen Schüler einen Einblick in verschiedene Berufe bekommen. Moderne Geräte wurden für Sprachkabinette erworben, in denen Deutsch unterrichtet wird. Außerdem gibt es einen neuen Sportplatz.
Das Projekt befindet sich in der Nachhaltigkeitsphase. Das heißt, der bbv ist verpflichtet, die Ergebnisse zu pflegen und anzuwenden. Wie geschieht das?
Was wir entwickelt haben, ist in den Schulalltag integriert. Bei uns gibt es das Unterrichtsfach „Gesundheit“ fakultativ schon ab Klasse 7 und nicht erst in der Abiturstufe. Die Fachkabinette sind ausgelastet. Unser nun im Lehrplan verankertes Ziel ist es, eine Schule zu gestalten, in der junge Menschen mit den notwendigen Zukunftskompetenzen ausgestattet werden.
Jährlich gibt es mehrere Schülertreffen, Begegnungen bei Sport und Theater. Schüler, die mit dem Projekt angefangen haben, wollen gern wieder nach Stargard fahren. Eine Exkursion dorthin erlebten unsere Siebentklässler, die erstmals Polnisch als Begegnungssprache lernen.
Vorurteile beseitigt, Neugierde geweckt
Da ist also zwischenmenschlich etwas passiert.
Genau. Wir wollten vermitteln, was uns von unserem jeweiligen Nachbarn unterscheidet und wo es Gemeinsames gibt. Es entstanden Freundschaften, ein kollegiales Miteinander. Vorurteile konnten beseitigt und Neugierde geweckt werden. Es zeigte sich aber auch, wie ähnlich unsere Herausforderungen sind.
Wie haben sich die Schüler verständigt?
Ohne Berührungsängste. In Polen lernt man schon im Grundschulalter Deutsch. Für unsere Schüler gab es einen tollen Nebeneffekt: Sie wollten gut Englisch lernen für eine bessere Verständigung. Außerdem nutzten viele den Übersetzter im Handy. Bei Sportfesten funktioniert die Verständigung durch Mitmachen.
Wie profitiert die Wirtschaft vom bbv-Projekt?
Wir machen unser Netzwerk für unsere Schüler nutzbar. Sie sollen über den Tellerrand der Familie schauen und erkennen, was möglich ist in der Berufswelt. Wir besuchen proaktiv Messen und Berufemärkte. Am Ende der 9. Klase haben die Schüler in der Regel eine Vorstellung, wo es für sie berufsmäßig hingeht. Wir übergeben nach der 10. Klasse und nach dem Abitur regelmäßig Schüler an die GLG zur Ausbildung. Es fragte Eva-Martina Weyer
Kontakt
Jörn Klitzing
Leiter
Regionalcenter Barnim Uckermark
