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IHK – Finanzierung auf breiter Basis

Die Unternehmen finanzieren die IHKs über ihre Beiträge sowie über Gebühren und Entgelte für individuelle Leistungen. Die umfangreichen IHK-Aufgaben erfordern eine solide Finanzierung. Kaufmännisches Denken und vorausschauende Wirtschaftsführung gehören deshalb zu den Grundsätzen der IHK-Organisation.

Kaufmännische Rechnungslegung statt Kameralistik

Die IHKs erstellen ihre Jahresabschlüsse auf der Basis einer kaufmännischen Rechnungslegung in Anlehnung an das Handelsgesetzbuch. Das entspricht nicht nur der Lebenswirklichkeit der Unternehmen, sondern ermöglicht auch eine bessere finanzielle Steuerung als über kameralistische Haushaltssysteme.

Die konkrete Ausgestaltung der Aufgaben und deren Finanzierung liegen in der Hand der IHK-Vollversammlungen vor Ort. Die von den IHK-Mitgliedern gewählten Unternehmer entscheiden über die Höhe der Grundbeiträge und Umlagen der Mitgliedsunternehmen, über die Höhe der Gebühren sowie über die Finanzierung besonderer Aktivitäten.

Die regionale Wirtschaftskraft, die verschiedenen Branchenstrukturen oder auch besondere Herausforderungen durch die demografische Entwicklung sind maßgebliche Einflussfaktoren für die finanziellen Weichenstellungen vor Ort. Und natürlich setzen die IHKs vor Ort auch unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte.

Das erklärt, warum die Erträge der IHKs nicht nur nach der Größe des IHK-Bezirks variieren, sondern auch in Relation zur Zahl der Mitgliedsunternehmen unterschiedlich ausfallen. 

Finanzierung des DIHK

Aus ihren Erträgen finanzieren die Industrie- und Handelskammern auch ihre Dachorganisation, den Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK e.V.). Darin enthalten ist eine Umlage, mit der sich die IHKs an der Finanzierung des Netzes der Deutschen Auslandshandelskammern beteiligen. Insgesamt zahlten die IHKs im Jahr 2015 Beiträge und Umlagen an den DIHK in Höhe von rund 43 Millionen Euro.

Mix aus Grundbeitrag und Umlage

Die IHK-Beiträge orientieren sich an der Leistungsfähigkeit der Unternehmen und sind deshalb dem Solidarprinzip verpflichtet. Generell zahlt jedes Unternehmen einen jährlichen Grundbeitrag und gegebenenfalls eine an der Ertragsstärke orientierte Umlage.

Die jeweilige Beitragshöhe wird von jeder einzelnen IHK festgesetzt und variiert daher. Dabei wird schon der Grundbeitrag in der Regel nach der Leistungskraft gestaffelt. Für die Umlage ist dann der Gewerbeertrag beziehungsweise der Gewinn als Bemessungsgrundlage maßgeblich – breitere Schultern tragen daher auch mehr zur Finanzierung der IHK bei. Der aktuelle Mindestgrundbeitrag beträgt pro Jahr zwischen 10 und 168 Euro.

Für im Handelsregister eingetragene Unternehmen liegt er zwischen 50 und 290 Euro. Der Umlagehebesatz auf den Gewerbeertrag beziehungsweise Gewinn liegt derzeit zwischen 0,03 und 0,29 Prozent.

Der durchschnittliche IHK-Beitrag beträgt bezogen auf die zahlenden Mitgliedsfirmen 302 Euro pro Jahr.

Bezogen auf die im Handelsregister eingetragenen Firmen liegt er bei rund 527 Euro.

Viele Unternehmen sind beitragsbefreit

Vollständig vom Beitrag freigestellt sind natürliche Personen und Personengesellschaften, die nicht im Handelsregister (HR) eingetragen sind und deren Ertrag 5.200 Euro jährlich nicht übersteigt. Freigestellt sind ebenfalls nicht im HR eingetragene Gründerinnen und Gründer in den ersten beiden Jahren ihrer Existenz, wenn ihr Gewerbeertrag oder Gewinn 25.000 Euro nicht übersteigt. Diese Befreiung dehnt sich hinsichtlich der Umlage auf das dritte und vierte Jahr aus, soweit der Jahresgewinn 25.000 Euro nicht übersteigt. Insgesamt sind 40 Prozent der Unternehmen zuletzt bundesweit vom Beitrag befreit.

Rechnungsprüfer checken Jahresabschlüsse

Die Wirtschaftspläne der IHKs entstehen in einem transparenten Verfahren. Sie werden von der Geschäftsführung vorbereitet, im Haushaltsausschuss der IHK sowie im Präsidium beraten und schließlich von der Vollversammlung diskutiert und verabschiedet. Die IHK-Vollversammlung bestellt zudem zwei ehrenamtliche Rechnungsprüfer aus der Unternehmerschaft, die die Einhaltung des Wirtschaftsplanes überwachen.

Eine unabhängige Rechnungsprüfungsstelle, die Mitglied der Wirtschaftsprüferkammer ist, prüft zusätzlich zu den ehrenamtlichen Rechnungsprüfern die Jahresabschlüsse. Anschließend beschließt darüber die Vollversammlung, die auch für die Entlastung von Präsidium und Geschäftsführung verantwortlich ist.

Veröffentlichung im Internet

Die verabschiedeten Jahresabschlüsse, beziehungsweise Auszüge daraus, stehen auf den jeweiligen Internetseiten der IHK zur Verfügung. Dort finden sich häufig auch diverse Kennzahlen aus den jeweiligen Bilanzen, zum Beispiel zur Vermögenssituation, zum Eigenkapital, zu den Verbindlichkeiten sowie Bilanzgewinn.

Alle Industrie- und Handelskammern veröffentlichen ihren Abschluss.

Steigende Ertragskraft ermöglicht Senkung der Beiträge

Soweit sich Einsparungen ergeben beziehungsweise Einnahmen im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung steigen, senken IHKs häufig die Beitragssätze. 319-mal haben die IHKs in den Jahren 2005 bis 2015 ihre Beitragssätze gesenkt bzw. Beiträge an die Mitglieder zurückerstattet.

Im Schnitt hat damit jede IHK etwa alle zwei Jahre Beiträge gesenkt oder zurückerstattet.

Personalaufwand ist der größte Posten

In den Wirtschaftsplänen der IHKs nimmt angesichts des Dienstleistungscharakters der IHK-Tätigkeiten der Personalaufwand einen erheblichen Teil ein. So lag der durchschnittliche Anteil des Personalaufwands an den Gesamtaufwendungen einer IHK im vergangenen Jahr bei rund 45 Prozent.

Gehälter der Führungsebene

An der Spitze der IHK stehen Präsident und Hauptgeschäftsführung. Während die IHK-Präsidenten ehrenamtlich tätig sind – und im "Hauptberuf" Unternehmer bleiben – leitet der Hauptgeschäftsführer die laufenden Geschäfte der IHK. Zur hauptamtlichen Führungsebene gehören je nach individueller Organisation zudem stellvertretende Hauptgeschäftsführer, Geschäftsführer sowie gegebenenfalls Bereichs- beziehungsweise Abteilungsleiter. Der Anteil weiblicher Führungskräfte liegt in den IHKs bei 25 Prozent.

Die Vergütungen der Hauptgeschäftsführer werden vom unternehmerischen Ehrenamt festgelegt und orientieren sich an den unterschiedlichen Gegebenheiten in den IHK-Regionen, wie Lage im Ballungsraum, Ost-West, Größe der IHK, an den Vertragskonditionen sowie an den jeweiligen Qualifikationen und Werdegängen der Führungspersonen.

Das spiegelt sich auch in der Bandbreite der Vergütung wider: Hier beginnt das obere Quartil bei 231.000 Euro, während das untere Quartil bei 153.000 Euro liegt. Die mittlere Vergütung – der sogenannte Median – eines Hauptgeschäftsführers beträgt 185.000 Euro.

Eigenkapital als Basis solider Haushaltsführung

Zu einer soliden IHK-Finanzierung gehört auch ein Eigenkapital, das eine angemessene Risikovorsorge ermöglicht. Die 79 IHKs verfügen 2015 über insgesamt gut 1,85 Milliarden Euro Eigenkapital, ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Hierzu gehören die Nettoposition, die Rücklagen sowie der Ergebnisvortrag. Die Nettoposition dient der Finanzierung des unbeweglichen Anlagevermögens, das sind insbesondere die selbst genutzten IHK-Immobilien.

Die Bildung von Rücklagen ist bewährte Praxis – nicht nur in den Unternehmen, sondern auch in den IHKs. Die Rücklagen bestehen vor allem aus der Ausgleichsrücklage, die finanzielle Schwankungen zum Beispiel durch konjunkturbedingt sinkende Beiträge ausgleichen soll. Hinzu kommen zweckgebundene Rücklagen für konkret unterlegte künftige Projektaufwendungen wie zum Beispiel die Renovierung von Gebäuden, die Ersatzbeschaffung für IT oder andere besondere Projekte. Die Liquiditätsrücklagen werden nach einem gemeinsamen Beschluss der IHKs bis Ende 2018 aufgelöst.

Das Anlagevermögen der IHKs, das immaterielle Vermögensgegenstände, das Sachanlage- und Finanzanlagevermögen umfasst, liegt in der Summe für alle 79 IHKs bei rund 2,5 Milliarden Euro. Wesentlicher Bestandteil des Sachanlagevermögens sind die Gebäude der IHKs. Das Finanzanlagevermögen (1,6 Milliarden Euro) beinhaltet hauptsächlich Geldanlagen, festverzinsliche Wertpapiere, Fondsanteile und Festgelder zur vermögensseitigen Unterlegung von Rücklagen und Pensionsrückstellungen.

Rückstellungen für eingegangene Verpflichtungen

Für eingegangene Verpflichtungen weisen die IHKs in ihren Bilanzen Rückstellungen aus. Das gilt insbesondere für Pensionsverpflichtungen. Ziel ist, diese nicht nur zu passivieren, sondern auch auszufinanzieren. Auf diesem Wege vermeiden die IHKs, dass Belastungen durch Pensionszusagen aus der Vergangenheit auf zukünftige Generationen verschoben werden.

Im Unterschied zum Umlagesystem der gesetzlichen Rente oder der Beamtenpension sind Altersvorsorgelasten so nicht nur transparent, sondern auch kaufmännisch verantwortungsvoll ausfinanziert. Dabei sind in den vergangenen beiden Jahrzehnten vielfach die Altersversorgungssysteme auf beitragsorientierte Systeme umgestellt worden.

Insgesamt weisen die IHKs bundesweit für 3.738 Anspruchsberechtigte (aktuelle und ehemalige Mitarbeiter) Pensionsrückstellungen in Höhe von insgesamt 1,1 Milliarden Euro aus.

Für 3.123 Rentner, Witwen und Waisen wurden im vergangenen Jahr Altersversorgungszahlungen geleistet.