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Nr. 7160014
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Braunschweiger Flammenfilter GmbH – Feuer und Flamme für Sicherheit und Umweltschutz

Es gibt Technologien, die nahezu unbemerkt arbeiten und doch Leben schützen. Auf solche sicherheitskritischen Bauteile hat sich die Braunschweiger Flammenfilter GmbH spezialisiert. Ihre Armaturen sorgen dafür, dass unzulässige Über- und Unterdrücke vermieden und Explosionen dort gestoppt werden, wo sie nicht weiterkommen dürfen. Sie werden in Raffinerien und Chemieanlagen ebenso verwendet wie auf Schiffen, in Flugzeugen oder Biogasanlagen. Selbst Raumfahrtunternehmen wie SpaceX und Blue Origin setzen auf Technik aus Braunschweig.
International tritt die Braunschweiger Flammenfilter GmbH unter der Marke PROTEGO auf. Das Unternehmen versteht sich als Technologie- und Weltmarktführer in seiner Nische. Wie groß dieser Markt tatsächlich ist, bringt Geschäftsführer Dr. Michael Davies auf den Punkt: „Überall, wo brennbare Flüssigkeiten oder Gase gelagert, transportiert oder verarbeitet werden, kommen unsere Armaturen zum Einsatz.“

Millimeterarbeit gegen Explosionen

Bei einem Filter denken die meisten zunächst an Kaffee, Staub oder Wasser. Das Grundprinzip eines Flammenfilters ist davon gar nicht so weit entfernt: Das Gas darf passieren, die Flamme nicht. Entzündet sich ein brennbares Gas-Luft-Gemisch, kann sich eine Explosion durch Rohrleitungen ausbreiten. Genau das verhindert der Flammenfilter. Winzige Metallkanäle entziehen der Flamme Wärme, bis sie erlischt. Entscheidend ist dabei die Breite der Spalten. Schon Unterschiede im Hundertstelmillimeterbereich können darüber entscheiden, ob eine Flamme zuverlässig eingedämmt wird.
„Die Kunst besteht darin, die Spalten so klein wie nötig zu machen, um die Flamme sicher zu stoppen – und gleichzeitig so groß wie möglich, damit das Gas möglichst ungehindert hindurchströmen kann“, sagt Mitgeschäftsführer Dr. Philip Bosse.

Ventile für den richtigen Druck

Neben Flammenfiltern entwickelt und produziert PROTEGO auch Ventile. Wie sie funktionieren, lässt sich gut am Beispiel großer Lagertanks erklären, etwa auf Flughäfen. Denn solche Tanks müssen, wie ­Michael Davies sagt, „atmen“: Erwärmt die Sonne Tank und Inhalt, steigt der Druck. Kühlt ein Regenschauer den Behälter ab, entsteht Unterdruck. Beides kann den Tank beschädigen. Die Ventile gleichen diese Druckschwankungen aus und sorgen dafür, dass der Druck im zulässigen Bereich bleibt.
Überall, wo brennbare Flüssigkeiten oder Gase gelagert, transportiert oder verarbeitet werden, kommen unsere Armaturen zum Einsatz.
Dabei geht es nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Umweltschutz. Die Armaturen sollen auch verhindern, dass Gase und Dämpfe unnötig in die Umgebung entweichen. „Unsere Ventile haben extrem geringe Leckraten“, sagt ­Michael ­Davies. „Teilweise liegen sie um den Faktor 50 unter den Werten, die internationale Normen zulassen, und leisten so einen bedeutenden Beitrag zur Emissionsreduktion.“
Massenware fertigt PROTEGO nicht. Das Unternehmen produziert überwiegend Einzelstücke und Kleinst­serien. Manche Armaturen sind kaum größer als eine Hand, andere wiegen mehrere Tonnen. Zu den Kunden zählen nahezu alle großen Pharma-, Chemie- und Ölkonzerne weltweit.

Der Vorsprung entsteht im Labor

Damit stellt sich die Frage: Wie gelingt es einem vergleichsweise kleinen Unternehmen aus Braunschweig, solche Weltkonzerne zu beliefern? Ein Teil der Antwort liegt auf dem Firmengelände. Rund zwölf Millionen Euro hat PROTEGO in ein Technologiezentrum mit Strömungsmessanlage, Chemie- und Elektroniklaboren und Klimakammer investiert. Hier wird gemessen, geprüft und experimentiert. „Die großen Konzerne suchen nicht einfach einen Lieferanten, der ihnen eine Armatur verkauft“, erklärt Davies. „Sie benötigen jemanden, der ihr technisches Problem versteht und gemeinsam mit ihnen eine Lösung entwickelt.“

Bewährungsprobe im Explosionszentrum

Außerhalb der Stadt betreibt PROTEGO zudem ein Versuchsgelände, auf dem Armaturen Explosions- und Brandtests bestehen müssen. Manche Versuche gehen bewusst bis an die Belastungsgrenze – und manchmal darüber hinaus. Denn am Ende zählt nicht nur die Theorie, sondern vor allem die Frage, wie sich die Bauteile unter realen Bedingungen verhalten. „Das Verhalten der Armaturen unter solchen Extrembedingungen lässt sich heute nicht einfach berechnen. Deswegen haben wir unser Explosionszentrum“, sagt ­Philip ­Bosse.
Die Kunden sitzen auf der ganzen Welt – also ist das Unternehmen ihnen gefolgt. In den USA, China, Indien, Dubai und Brasilien hat PROTEGO Gesellschaften mit eigener Produktion aufgebaut. Heute umfasst die Unternehmensgruppe zwölf Standorte, beschäftigt mehr als 750 Menschen und erzielte im vergangenen Jahr einen vollkonsolidierten Umsatz von über 155 Millionen Euro. „Am Ende sind wir ein globales Team“, bekräftigt Michael Davies. „In jedem Land funktionieren die Dinge ein wenig anders. Weil wir diese Erfahrungen in die Entwicklung unserer Produkte einfließen lassen, sind wir erfolgreich.“

Der wichtigste Rohstoff: Wissen

In Braunschweig-Bienrode arbeiten rund 340 Menschen. In Forschung und Entwicklung kommen unterschiedliche Fachrichtungen zusammen: Maschinenbau, Chemie- und Verfahrenstechnik sowie Mess- und Regelungs­technik.
Entscheidend sei jedoch nicht allein die fachliche Qualifikation, sagt ­Philip Bosse. Mindestens ebenso wichtig sei die Bereitschaft, sich immer wieder auf neue technische Fragestellungen einzulassen. „Es geht um eine permanente Lernbereitschaft der Mitarbeitenden.“ Ausbildung hat bei PROTEGO einen hohen Stellenwert. Ein Meister kümmert sich ausschließlich um die Auszubildenden in den technischen Berufen.
Im Rahmen der Energiewende werden bei neuen Anwendungen für Wasserstoff sicherheitstechnische Risiken häufig extrem unterschätzt.
Auch die beiden Geschäftsführer haben einen technischen Hintergrund. ­Michael Davies, geboren im walisischen Swansea, ist promovierter Chemie­ingenieur. Er kam 2001 zum Unternehmen, baute das Nordamerika-­Geschäft auf und übernahm nach sechseinhalb Jahren in den USA 2009 die weltweite Leitung der PROTEGO-­Gruppe.
Philip Bosse ist Maschinenbauingenieur und promovierte an der TU Clausthal. Er begann 2003 als Assis­tent der technischen Geschäftsleitung, leitete acht Jahre lang die Tochter­gesellschaft KITO und kehrte 2020 als Geschäftsführer von PROTEGO nach Braunschweig-Bienrode zurück.

Mit Augenmaß gewachsen

Michael Davies und Philip Bosse gehören nicht zur Eigentümerfamilie. Dennoch prägt die Familie ­Leinemann das Unternehmen bis heute. „Wir sind ein Familienunternehmen, wir waren immer ein Familienunternehmen und wir wollen das auch bleiben“, sagt Nina Leip. Ihr Großvater Robert Leinemann entwickelte die weltweit erste Detonationssicherung und gründete 1954 das Unternehmen, aus dem unter der Leitung ihres Vaters Hubert Leinemann die heutige Braunschweiger Flammenfilter GmbH hervorging.
Wenn Nina Leip über die Haltung ihrer Familie spricht, fällt immer wieder ein Wort: Augenmaß. Gemeint ist ein stetiges Wachstum, bei dem nicht allein Umsatz und Gewinn zählen. Auch Bodenständigkeit, unternehmerische Verantwortung und ein langfristiger Blick auf die Mitarbeitenden gehören für sie dazu. „Ich möchte, dass diese Haltung weiterlebt“, so Nina Leip. Das gelinge jedoch nicht allein deshalb, weil die Familie es wolle, sondern auch, „weil wir tolle Geschäftsführer und Mitarbeitende haben“.
Welche Folgen hat die Transformation der Energiewelt für ein Unternehmen, das mit Öl, Gas und Chemie groß geworden ist? Michael Davies stellt die Energiewende grundsätzlich nicht infrage: „Durch neue Technologien und Anwendungen im Zuge der Energiewende entstehen zukunftsweisende Entwicklungspotenziale für PROTEGO.“ Aus seiner Sicht dürfe sie allerdings nicht dazu führen, dass industrielle Produktion aus Deutschland abwandert. „Eine Deindustrialisierung wäre das Schlimmste, was uns passieren kann.“

Neue Lösungen für Wasserstoff

Am Beispiel Wasserstoff zeigt sich, wohin sich das Unternehmen entwickelt: Für neue Stoffe und Anwendungen entstehen passende Sicherheitslösungen. Wie verhält sich Wasserstoff? Wo liegen die Risiken? Welche Sicherheitskonzepte funktionieren – und welche nicht? Denn eine Flammensicherung für Erdgas lässt sich nicht einfach auf Wasserstoff übertragen. Im Braunschweiger Technologiezentrum arbeitet PROTEGO deshalb an neuen Konzepten. „Im Rahmen der Energiewende werden bei neuen Anwendungen für Wasserstoff sicherheitstechnische Risiken häufig extrem unterschätzt“, betont Philip ­Bosse.
Künftig sollen die Armaturen zudem mehr über ihren eigenen Zustand verraten. Sensoren können frühzeitig melden, wenn ein Ventil nicht mehr einwandfrei arbeitet oder sich Verschleiß abzeichnet. Auch Künstliche Intelligenz kann dabei helfen – vorausgesetzt, sie wird mit verlässlichen Daten versorgt.
PROTEGO will Probleme erkennen, bevor sie entstehen. Dabei bleibe das Unternehmen, bekräftigt Michael Davies, seinem bisherigen Weg treu: „Wir setzen weiterhin auf Forschung und Entwicklung – sowie auf gute Partnerschaften mit unseren Kunden.“
Boy
6/2026