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Nr. 7158812
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Manufaktur ELFSALZ – Der Luxus, sich Zeit zu nehmen

Janette Moog kam aus Bremen nach Schöningen – und fand hier ausgerechnet in der Salzstraße den Ort für ihren Neuanfang. In ihrer Manufaktur ELFSALZ verkauft sie Salze und Gewürzmischungen und entwickelt individuelle Geschenkideen – oft gemeinsam mit ihren Kunden.
Die Ladenglocke klingelt. Schon beim Betreten liegt der Duft von Gewürzen in der Luft. Koriander- und Fenchelsamen rösten in einer Pfanne hinter dem Verkaufstresen. Janette Moog rührt um, probiert, überlegt. Vielleicht wird daraus ein Kräutermix zum Snacken. Noch weiß sie es nicht. Erst einmal wird ausprobiert.
Nebenan schnarcht Labrador Hope. Leise Musik läuft, irgendwo plätschert Wasser. An den Wänden stehen Gläser mit Salzen und Gewürzen. Fast 400 Einzelzutaten hat Moog inzwischen zur Auswahl, dazu mehr als 100 eigene Mischungen. Manche entstehen aus ihren eigenen Ideen, andere beginnen mit einem Kundenwunsch. Oft werden die Kunden dann sogar zu Namenspaten des neuen Produkts: So entstand auf Wunsch von Alessia die Aglio-Alessia-Gewürzzubereitung, die heute zu Moogs Lieblingsprodukten gehört. EierElke, BulettenBerta und WildWilli heißen weitere Kreationen. „Ich erarbeite mir meine Produkte mit viel Geduld und Liebe und probiere immer wieder, bis es perfekt ist“, sagt Moog. Manchmal tüftelt sie dafür bis spät in die Nacht.
Ich bin eine Frau, die nicht aufgibt. Die sagt: Das ist mein Weg und den gehe ich.

Ein Neuanfang mit Salz

Dass Moog einmal eine Gewürzmanufaktur führen würde, war nicht vorgezeichnet. Ein entscheidender Impuls kam, als ihr Labrador Hope mit drei Jahren an Epilepsie erkrankte und nicht mehr allein bleiben konnte. Die gelernte Juwelierin begann darüber nachzudenken, wie sie Arbeit und Leben künftig anders verbinden könnte. „Ich wollte mich selbstständig machen, wollte kohärent sein, etwas mit Mehrwert machen“, sagt sie. Sie wollte hinter dem stehen, was sie tut.
Die Verbundenheit mit der Natur begleitet Moog seit ihrer Kindheit. Ihre Mutter weckte mit ihrem Garten die Neugier auf Kräuter und Pflanzen, von ihrem Vater kam die Faszination für Mineralien. Diese Begeisterung für besondere Materialien und feine Details begleitete sie auch in ihre Ausbildung zur Juwelierin. Später entdeckte sie Wildkräuter und fand darin Ruhe und Inspiration. Daraus entwickelte sich die Idee, Kräuter, Gewürze und die Welt der Salze in einer eigenen Manufaktur zu verbinden. Nun brauchte sie nur noch den passenden Ort.

Warum ausgerechnet Schöningen?

Für ihren neuen Standort suchte Moog eine Stadt mit Salzgeschichte. Schöningen kannte sie zunächst gar nicht. Dann entdeckte sie die Salzstraße und ein Haus, das sie sofort begeisterte: Drei Generationen lang war darin eine Bäckerei untergebracht. Noch heute erzählen Kunden von Zimtbrötchen und Rumkugeln, die sie dort früher gekauft haben. Jetzt kaufen sie an derselben Adresse Janette Moogs Kreationen. „Hier war über mehrere Generationen ein Bäcker drin und jetzt Salze und Gewürze – das passt doch einfach“, erzählt sie und ergänzt schmunzelnd: „Dieses Haus hat mich gerufen.“
Auch die Zahl elf wurde Teil ihrer Unternehmensgeschichte. Sie begleitet Moog schon lange und hat für sie eine persönliche Bedeutung. Bei ihrem ersten Besuch entdeckte sie direkt gegenüber ihres späteren Ladens die touristische Informationstafel zur Salzgeschichte mit der Nummer 11. Für sie fügte sich damit ein weiteres Puzzleteil zusammen. Die Verbindung aus Elf und Salz gab ihrer Manufaktur schließlich ihren Namen: ELFSALZ.
Die Entscheidung für Schöningen war dennoch ungewöhnlich. Für eine Gründerin aus Bremen wäre eine größere Stadt mit mehr Laufkundschaft naheliegender gewesen. Moog entschied sich trotzdem für die kleine Stadt – und kaufte das Haus in der Salzstraße. Damit begann der nächste Kraftakt: Innerhalb einer Woche organisierte sie den Verkauf ihres Hauses in Bremen, den Umzug und den Kauf des neuen Standorts. Danach folgten Renovierung, Denkmalschutz, Bauanträge und Handwerker. Ein halbes Jahr verlor sie durch Probleme beim Umbau. Den Kopf in den Sand zu stecken kam aber nie infrage: „Ich bin eine Frau, die nicht aufgibt. Die sagt: Das ist mein Weg und den gehe ich.“
Seit über einem Jahr ist Schöningen für sie längst mehr als nur der Standort ihres Geschäfts. Moog kennt viele Menschen vor Ort, Unternehmen aus der Region bestellen bei ihr, Kunden empfehlen sie weiter. Auch Kooperationen sind entstanden. Mit der Klosterbäckerei Braunschweig gibt es beispielsweise einen gemeinsamen Brot-und-Salz-Korb. Auch das „Schöninger ELFSALZ Weltsalz“ verbindet Produkt und Ort. Weil das ursprüngliche Salz aus der früheren Schöninger Saline nicht mehr erhältlich ist, vereint Moog verschiedene Salze aus aller Welt in einem handgeschichteten Glas. So wird die Geschichte des Ortes Teil ihres Sortiments.

Das Besondere lässt sich nicht anklicken

Moog wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen schnuppern, probieren, entdecken und sich beraten lassen können. Ihr Sortiment bleibt dadurch in Bewegung. Eine Frage im Laden kann der Anfang einer neuen Mischung sein: Moog hört zu, tüftelt, probiert aus – und wenn das Ergebnis überzeugt, wird daraus manchmal ein neues Produkt. Vieles beginnt mit einem Gespräch.
Das „i-Tüpfelchen“ ihrer kleinen Manufaktur sind die Geschenkideen für Geschäfts- und Privatkunden. Steuerkanzleien, Rechtsanwälte, Banken und Zahnärzte zählt sie bereits zu ihrem Kundenstamm. Auch für Hochzeiten entwickelt sie individuelle Präsente: Farben, Schleifen, Namen und Mischungen lassen sich anpassen. „Die Kunden können sich alles aussuchen“, sagt Moog. „Gerne kreiere ich dafür auch eine persönliche Mischung.“
Und manchmal wird aus einem missglückten Online-Kauf erst bei Moog ein Geschenk, das die Kundin tatsächlich verschenken möchte: „Eine Kundin war unzufrieden mit dem Geschenk, das sie in einem Onlineshop bestellt hatte. Da haben wir das einfach veredelt und aufgewertet, so dass sie es schließlich doch gern überreicht hat.“
Mit großen Gewürzhändlern und deren Onlinemarketing könne sie nicht konkurrieren. Das müsse sie auch nicht. Ihre Stärke sei die individuelle Lösung – und die Zeit, die sie sich dafür nimmt. „Ich nehme mir die Zeit für die Kunden, das ist mein Luxus.“ Das gilt auch für die Atmosphäre. Moog möchte niemandem etwas „aufquatschen“. Kunden sollen schauen, probieren und sich wohlfühlen. „Ich möchte allen einen Wohlfühlmoment schenken.“

Ideen entstehen im Alltag

Dass aus einem Gespräch ein neues Angebot werden kann, zeigt auch die kleine Barista-Ecke. Im Winter kam eine durchgefrorene ältere Frau und fragte nach einem heißen Tee. Moog verkaufte zwar Tee, bereitete ihn aber eigentlich nicht zu. Für die Kundin machte sie trotzdem einen und schenkte ihn ihr. Daraus entstand Tee-to-go, später kamen Kaffee und besondere Kaffeezubereitungen mit Gewürzen hinzu.
Moog schaut genau hin, entdeckt Bedarf und entwirft neue Angebote. Für ihren Fundus an Ideen hat der Tag schlicht zu wenig Stunden. Sie entwickelt neue Mischungen, gießt Kerzen, beschäftigt sich mit Hautpflege und tüftelt manchmal bis spät in die Nacht. Auch der Onlineshop soll künftig bekannter werden und wachsen; Rezepte sind geplant. Das Herzstück aber bleibt der Laden. Hier arbeitet sie allein und möchte daran auch nichts ändern. „Ich lebe mein Konzept und genieße die Zeit in meinem Laden.“

„Perfekt unperfekt“ als Gründer-Motto

Vielleicht liegt genau darin ihr Erfolgsrezept: Janette Moog bleibt offen für Neues, hört ihren Kunden zu und entwickelt ihr Geschäft weiter, ohne sich dabei selbst zu verraten. „Man muss sich treu bleiben und sich nicht verbiegen“, sagt sie. „Die Kunden merken, wenn etwas ehrlich gemeint ist. Und sie danken es mit ihrer Treue.“
Was sie anderen Gründerinnen und Gründern mitgeben würde, formuliert sie ziemlich eindeutig: „Raus aus der Angst!“ Nicht alles müsse von Anfang an perfekt sein. „Perfekt unperfekt muss das Motto sein. Es wächst mit der Zeit.“
Draußen in der Schöninger Salzstraße geht der Alltag weiter. Drinnen wird probiert und verpackt. Der Duft von Gewürzen liegt noch immer in der Luft, Labrador Hope schläft nebenan. Und Janette Moog hat wahrscheinlich längst die nächste Idee. „Für mich ist jeder Tag schön und bringt etwas Neues.“
kri
6/2026