IHK Wirtschaft online
Nr. 7158960
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La Chitarra – Mediterrane Genüsse unter Wein­ranken

Vor 26 Jahren kam Murat Gucati das erste Mal nach Deutschland. Er besuchte seinen Bruder in Nürnberg, der dort in einem Restaurant als Kellner arbeitete. Der Wirt war in Ordnung, das Essen schmeckte vorzüglich, und auch der Name des Lokals blieb ihm unvergesslich: La Chitarra. Dass er mal genau 25 Jahre später in Braunschweigs Bertramstraße ein Ristorante e Pizzeria eröffnen würde, konnte der im Kosovo geborene Gucati damals natürlich nicht ahnen. Aber vielleicht hatte der junge Mann auf der Rückreise diesen Gedanken im Gepäck: Welch ein klingender Name, sollte ich mal ein Lokal haben, dann soll es La Chitarra heißen.
La Chitarra – italienisch ausgesprochen hört man die Saiten der Gitarre förmlich klingen, wenn sie mit professionellem Fingerspitzengefühl angeschlagen werden. In einer Ecke des hell und licht gestalteten, kleinen Lokals gibt es einen robusten Weinhalter in Gitarrenform und eine Gitarre, auf der man auch musizieren könnte. Auch die Eckbank hat ­Gucati vom Vorbesitzer übernommen, hier kann man behaglich in großer Runde tafeln. Ansonsten stand vor Eröffnung seines La Chitarra im August 2025 erst einmal viel Räumen und Rabotten an, Reinemachen mit Schrubber und Besen, Runderneuern mit Pinsel und Farbe.

Erfahrung in der Gastroszene mit italienischer Küche gesammelt

Vormals wurde an gleicher Stelle ebenfalls ein Restaurant geführt. Murat Gucati hat seinem Lokal nun einen weißen Anstrich verordnet und sich von dekorativer Überladung verabschiedet. Das Mobiliar spielt sich nicht in den Vordergrund, Stars sollen schließen die Speisen auf den Tellern sein. Die Stühle sind so behaglich, dass man sich darauf bequem den Gaumenfreuden eines Mehrgangmenüs hingeben kann.
Der 48-Jährige kam vor 20 Jahren nach Braunschweig. „Ich habe viel gemacht und ganz viel gelernt.“ Er hat sich in der Braunschweiger Gastroszene mit italienischer Küche einen soliden Erfahrungsschatz aufbauen können, bevor er sich im Östlichen Ringgebiet mit dem Da Erina selbstständig machte. Ein Lokal, das als Alleinstellungsmerkmal eine ganz bezaubernde Dachterrasse hat. Im Sommer war das natürlich toll, spontan einen Tisch zu bekommen war beinahe ausgeschlossen. Doch der Gastraum im Erdgeschoss stieß gerade im Winter an seine Kapazitätsgrenzen. Zu klein, zu wenig Platz. Und so zog es Gucati, als sich ihm die Möglichkeit bot, über den Altewiekring hin in die Bertramstraße.
Der Laden ist mein zweites Zuhause.

Parkplatz mit sechs Stellplätzen für Gäste

Dort können im Innenbereich 55 Gäste bewirtet werden, draußen sitzen bis zu 70 Personen abgeschirmt von Straßengeräuschen auf einem lauschigen Hinterhof. Schirme spenden Schatten, und wer Glück hat, wird unter einem ansehnlichen dichten, grünen Dach aus Weinranken platziert. Das hat Charme, das atmet ein wenig das Flair südlicher Gefilde und italienischer Gassen, durch die melodisch-­melancholische Gitarrenmusik flirrt. Praktischer Neben­effekt dieser Weinlaube: sie schirmt den Parkplatz optisch ab. Dass das Restaurant über sechs Stellplätze verfügt, ist gerade in diesem mit Parkplätzen nicht reich gesegneten Gebiet ein gar nicht hoch genug einzuschätzender Standortvorteil.
Auf die Frage, ob er Klassiker oder „Renner“ von der Speisekarte benennen könne, wiegt Gucati den Kopf hin und her. Soll heißen: Für jeden Appetit ist etwas dabei, alle Positionen auf der Karte werden gern gewählt. Und doch: die Tagliatelle la chitarra stehen in der Beliebtheitsskala weit oben. Tagliatelle, Rinderfilet, Zwiebeln, Steinpilze in Tomaten-Rahmsauce. Wer könnte da widerstehen? Vegetarier werden auf der Karte ebenso wie Veganer fündig. Pizza aus dem Steinofen und hausgemachte Ravioli wären vielleicht noch hervorzuheben. Und natürlich der Wolfsbarsch in Zitro­nenbuttersauce. Auch wenn Gucati einen Koch beschäftigt, diese Kreation ist seine eigene. Ordentlich Zitrone, klar, in Butter reduzieren, ein bisschen Quittengelee als Pfiff hinzu. Und alles weitere bleibt sein Geheimnis.

Manchmal klingelt das Smartphone von früh bis spät

Hobbys? „Arbeiten, arbeiten, arbeiten“, sagt er und lacht. Stress sei sein Hobby. Die Verantwortung für das Lokal, seine drei Mitarbeiter und drei Aushilfskräfte liegt auf seinen Schultern. Von A wie Aufschließen bis Z wie Zuschließen hat er alles im Blick. Und vorm Aufschließen liegen schon der Einkauf und alles andere, was die Organisation so eines Lokals mit sich bringt. Es gibt Tage, da kriegt er das Smartphone gar nicht vom Ohr, weil es permanent klingelt. So nimmt es nicht wunder, wenn er sagt: „Der Laden ist mein zweites Zuhause.“ Doch im Sommer hatte das Lokal drei Wochen Betriebsruhe.
Zusammen mit seiner Frau Liridona, die als Reinigungsfachkraft in einem Krankenhaus arbeitet und selbstredend auch im Lokal mit anpackt, und den drei Kindern Erina, Eron und Erita war er bei seinen Eltern im Kosovo. Bevor wir in Urlaubsplaudereien über Sonne, Strand und Meer abdriften, fällt ihm ein: Als Kind hat er es geliebt, Pfifferlinge zu sammeln. Und auch Steinpilze. „Wir haben gesammelt und gesammelt, Unmengen“, erinnert er sich gern. Ein Teil wurde verzehrt oder getrocknet, viel auch verkauft. Im Kosovo kann man auch heute noch Pilze sammeln, so viel wie das Herz und der Appetit begehren. Menge – egal. In Deutschland ist das reglementiert. Haushaltsübliche Menge.

„Die italienische Küche liebt Pilze!“

Mit dieser Maßeinheit käme er im La Chitarra nicht hin. Derzeit stehen Pfifferlinge in all ihren Zubereitungsvariationen auf der Karte, Steinpilze werden auch noch ihren Einzug auf der Tageskarte haben. „Die italienische Küche liebt Pilze!“, bricht es aus ihm heraus. Wenn seine Familie, mit der er in der Gartenstadt lebt, mittags mal zum Essen beim Papa vorbeischaut, gibt es oft Ravioli mit Feigenwalnuss-Sauce. Leibspeise seiner Lieben.
Einmal noch zurück zum Urlaub: Wie erholt sich denn ein Gastronom? Nach der Zeit bei den Eltern ging es noch nach Albanien in ein Hotel am Meer. Da kann Gucati dann auch mal nur entspannen und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Als der Hotelier ihn bei Abreise um eine Bewertung bat, beließ er es nicht bei den üblichen Gefälligkeitsfloskeln, sondern setzte sich auseinander. Das Essen sei qualitativ und geschmacklich gut gewesen, aber: die Präsentation war verbesserungsbedürftig. Teller zu klein, alles darauf gehäuft, so dass Salatdressing und Fleischsauce ineinanderliefen. Das punktete bei ihm nicht.
Eine Tageskarte gibt es auch, an unserem Gesprächstag stand Seezunge darauf. Ein Edelfisch mit festem, aromatischem Fleisch, der streng limitierten Fangquoten unterliegt. Der auch deshalb seinen Preis hat. Preise bis hin zu annähernd 50 Euro werden mancherorts abgerufen, hier ist er mit moderaten 36,50 Euro notiert. Und wird auch bestellt. Er habe Kunden, die drei Mal in der Woche kämen, „da muss ich auch immer mal was anderes bieten“.

Süßer Abschluss mit Mandelparfait à la Chef

Hochzeiten und Taufen, Jubiläen und Geburtstage – keine Gelegenheit, die hier nicht festlich begangen werden könnte. Auch liefern lassen kann man sich die Spezialitäten aus La Chitarras Küche, von 10 bis 300 Personen ist ein Catering möglich. Kalt-warmes Büfett, Dessertbüfett, alles ist möglich. Apropos: Wenn wir uns dem Ende des Textes nähern, ist es Zeit für den süßen Abschluss: Das Mandelparfait ist auch eine seiner Kreationen. Doch er überlegt sich nicht nur Speisen. Wenn es in der Küche hoch hergeht, steht er auch schon mal mit am Herd. Wenn dann abends alle Gäste gegangen sind, so mancher Stammkunde aus Politik, Wirtschaft und Kultur die Welt oder wenigstens die Stadt wieder ein bisschen zurechtgerückt hat, setzt Gucati sich noch einen Moment mit seinen Leuten hin. Und trinkt ein Glas Primitivo di Manduria.
suja
6/2026