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beic Ident GmbH – Der Scanner ist nur der Anfang
Seit 20 Jahren gehören Scanner, Etikettendrucker, mobile Datenterminals und Kameras zum Werkzeugkasten der beic Ident GmbH aus Baddeckenstedt. Die eigentliche Leistung steckt in der Kombination: Das Unternehmen verbindet passende Hardware mit individuell angepasster Software und richtet die Lösung auf die Abläufe des jeweiligen Kunden aus.
Geschäftsführer Stefan Krauß (2. von links) und sein Team versorgen ihre Kunden mit Lösungen in den Bereichen Barcode-Erfassung, Etikettendruck, Mobility, automatische Identifikation und industrielle Bildverarbeitung.
In einem Lager kann alles vorhanden sein – und trotzdem niemand wissen, wo sich ein bestimmtes Teil befindet. Genau solche Probleme lösen Stefan Krauß und sein Team. Der Mitgründer der beic Ident GmbH verkauft seinen Kunden nicht einfach einen Scanner. Er will zunächst verstehen, wie deren Betrieb funktioniert: Wo kommt die Ware an? Wie wird sie weitergegeben? Was muss erfasst werden? Und wie lässt sich der Ablauf so verändern, dass am Ende nichts mehr gesucht werden muss?
Die Lösung kann aus Scannern, Etikettendruckern, mobilen Datenterminals und Software bestehen. Bei größeren Projekten fährt das Team zum Kunden, spricht mit IT und Mitarbeitenden, testet Geräte und Software im Alltag und passt die Lösung an, bis sie funktioniert. „Wir verkaufen Lösungen“, sagt Krauß.
Wir verkaufen Lösungen.Stefan Krauß
Wenn ein kleiner Fehler große Folgen hat
Besonders deutlich wird das bei der industriellen Bildverarbeitung. Kameras können in Produktionsanlagen Bauteile kontrollieren, Codes lesen und Fehler erkennen. Dafür muss beic Ident zunächst verstehen, was genau geprüft werden soll: Wie sieht das Bauteil aus? Wie schnell läuft das Band? Aus welcher Entfernung muss die Kamera erkennen? Schon kleine Unterschiede können darüber entscheiden, ob eine Lösung zuverlässig funktioniert.
Rund 80 Prozent der Kunden kommen aus der Logistik, der Automobilzulieferindustrie und dem medizinischen Umfeld. Für einen Automobilzulieferer kann ein solches System einen erheblichen Unterschied machen: Wird ein fehlerhaftes oder falsch gekennzeichnetes Bauteil nicht erkannt, kann später eine ganze Palette vom Kunden zurückgeschickt werden. Dann geht es nicht mehr nur um ein einzelnes Teil, sondern um Kosten, Zeit und Vertrauen.
Auch bei weniger spektakulären Aufgaben geht es um Zeit und Sicherheit. Bei einer Inventur können Scanner Bestände schneller und mit geringerer Fehlerquote erfassen. Im Lager können Mitarbeitende gezielt zu einem bestimmten Stellplatz geschickt werden, statt erst auf die Suche zu gehen.
Eine Lösung, die ihrer Zeit voraus war
Dass beic Ident schon früh individuelle Lösungen entwickelte, zeigt ein Projekt aus der Anfangszeit. Für einen Sanitärgroßhandel entwickelte das junge Unternehmen einen kleinen Kamerastift. In einem Produktkatalog war neben jedem Artikel ein DataMatrix-Code abgebildet. Handwerker konnten den Code mit dem Stift scannen, statt die Produktnummer am Computer einzugeben. Eine Fehlerquelle verschwand damit.
Rund 30 000 Exemplare wurden produziert. Heute würde man eine solche Aufgabe mit anderer Technik lösen. Damals war die Idee eine echte Innovation und erleichterte dem jungen Team den Start. Das Beispiel zeigt, was bis heute zum Prinzip von beic Ident gehört: Nicht die Technik steht am Anfang, sondern die Frage, welches konkrete Problem beim Kunden gelöst werden soll.
Die Technik verändert sich. Der Kunde auch.
Seit der Gründung hat sich die Branche vor allem an einer Stelle verändert: Kunden sind heute deutlich informierter. Vor 20 Jahren mussten Unternehmen häufig erst erklären, welche Möglichkeiten es gibt. Heute recherchieren viele selbst und wissen schon genau, welchen Scanner oder Drucker sie benötigen. Manche kaufen nur noch einzelne Komponenten und lassen sie gegebenenfalls installieren.
Für beic Ident ist das kein Grund, sich zurückzuziehen. Denn neben den informierten Kunden gibt es weiterhin Betriebe, die bei der Digitalisierung ihrer Prozesse ganz am Anfang stehen. Dazu gehören auch größere Betriebe, die jahrzehntelang mit denselben Abläufen gearbeitet haben. Dann lautet die Anfrage eher: „Ich habe keine Ahnung, macht mal.“
Bei einer Inventur können Scanner Bestände schneller und mit geringerer Fehlerquote erfassen.
In solchen Fällen beginnt die eigentliche Beratungsleistung. Bei größeren Aufträgen fährt das Team zum Kunden und schaut sich die Gegebenheiten vor Ort an. IT und Mitarbeitende, die später mit den Geräten arbeiten, sitzen mit am Tisch. Anforderungen werden aufgenommen, Geräte ausgewählt und konfiguriert, die Software wird angepasst. Nach vier bis sechs Wochen bekommt der Kunde ein erstes Gerät mit einer Beta-Version und testet es im Alltag. Nach mehreren Anpassungsrunden wird die Lösung installiert und die Mitarbeitenden eingewiesen. Bis zum Projektabschluss vergehen meist sechs bis acht Wochen.
Auch die Technik entwickelt sich weiter. Kameras werden intelligenter, Künstliche Intelligenz kommt bei der Bildauswertung zum Einsatz. beic Ident nutzt KI bereits als Werkzeug zur Problemlösung und bei Kamerasystemen. „Wir nutzen KI für unsere Kunden“, heißt es. Einfach sind die Zeiten dennoch nicht. Die Preise sinken, die Margen werden kleiner, Lieferketten bleiben anfällig.
Der Wettbewerbsvorteil sitzt am Telefon
Wenn Kunden heute vieles selbst recherchieren und einzelne Geräte problemlos online bestellen können, wird eine andere Leistung umso wichtiger: jemand, der auch dann erreichbar ist, wenn es kompliziert wird. Für Krauß ist genau das ein Wettbewerbsvorteil. Viele Kunden begleiten beic Ident bereits seit 15 oder 20 Jahren. „Der Austausch endet nicht mit dem Verkauf. Bei Problemen stehen wir jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.“
Der Austausch endet nicht mit dem Verkauf. Bei Problemen stehen wir jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung.Stefan Krauß
Lösungen im Sinne des Kunden sind für Krauß oberstes Gebot. Wenn ein Gerät nach einigen Jahren ausfällt, wird nicht automatisch ein neues angeboten. Gerade bei langen Lieferzeiten kann eine Reparatur viel Zeit sparen. Ein Techniker fährt zum Kunden, prüft das Gerät oder wartet es präventiv. So lassen sich lange Wartezeiten auf ein Ersatzgerät überbrücken.
Auch bei Fragen möchte Krauß schnell reagieren. Ihn ärgert es, wenn er selbst mehrere Tage auf eine Information des Herstellers warten muss, bevor er seinem Kunden antworten kann. „Ich möchte so gerne immer spätestens am nächsten Tag eine Antwort geben.“ Erreichbarkeit ist also ein Teil des Services.
Gerade bei langen Lieferzeiten kann eine Reparatur viel Zeit sparen.
20 Jahre – und immer noch mittendrin
Gegründet hat Krauß beic Ident gemeinsam mit drei Mitstreitern. Zuvor hatte er zehn Jahre in einem ähnlichen Unternehmen gearbeitet. Zweifel an der Gründung habe er nicht gehabt. Eine Unternehmensberatung und die Hausbank unterstützten die Gründer in der Anfangsphase.
Heute ist Krauß besonders stolz darauf, dass die Firma nach 20 Jahren noch besteht. beic Ident habe auch schwierige Zeiten durchgestanden, ohne Mitarbeitende zu entlassen, wenn es einmal ein paar Monate schlechter lief. Der jüngste Mitarbeiter ist inzwischen acht Jahre dabei.
Was im Umgang mit den Kunden gilt, wird auch intern gelebt: Das Miteinander im Team ist wichtig. „Jeder fasst hier überall mit an. Ich selbst packe und verschicke zum Beispiel auch ab und zu Ware. Das ist ganz normal.“ Dass jeder unterschiedliche Aufgaben übernimmt, gehört für Krauß dazu. Alle müssten Verantwortung übernehmen und selbstständig handeln können.
Nach 20 Jahren ist die Technik eine andere. Das Prinzip ist geblieben: Ein Kunde hat ein Problem, beic Ident hört zu und sucht eine Lösung. Wer heute einen Scanner zum günstigsten Preis sucht, wird im Internet schnell fündig. Wer dagegen jemanden braucht, der sich das Problem anschaut, mitdenkt und auch dann noch ans Telefon geht, wenn die Lösung längst installiert ist, sucht etwas anderes. Bei beic Ident steht deshalb nicht das Gerät im Mittelpunkt, sondern das Problem, das es lösen soll. Der Scanner ist dann tatsächlich nur der Anfang.
kri
6/2026
