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Nr. 7159408
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„Charity Move“ von Deerstone – Braunschweiger IT-Unternehmen digitalisiert Spendenevents

Manchmal muss ein Plan scheitern, damit eine visionäre Business-Idee geboren wird. Als Sebastian Goebel als junger Angestellter bei einem Hilfseinsatz in Peru merkte, dass Softwareentwickler in der klassischen Entwicklungshilfe vor Ort fehl am Platz sind, dachte er um. Mit der Gründung seiner eigenen Softwarefirma, der Deerstone GmbH, entwickelte der geschäftsführende Gesellschafter gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Marc Steffens die kostenlose Plattform „Charity Move“ und revolutioniert seither die administrative Abwicklung von Spendenevents. Für den Unternehmer schließt sich damit der Kreis, indem er technologische Innovation mit sozialer Verantwortung verknüpft und Hilfsorganisationen genau das Werkzeug an die Hand gibt, das er selbst einst vermisst hat.
Als junger Erwachsener kam Goebel im Jahr 2001 das erste Mal mit einem Spendenevent des Christlichen Vereins Junger Menschen e. V. (CVJM) in Kontakt und nahm mit seinem Fahrrad an einer Spendenrallye um den Braunschweiger Südsee teil. Fünf Jahre später trat er dem CVJM Braunschweig e. V. bei und übernahm als Vorstandsmitglied folgerichtig auch die Verantwortung für die jährliche Benefizveranstaltung. Damals habe Goebel schnell festgestellt, dass die „Zettelwirtschaft“ rund um das Event bei den Organisatoren sehr unbeliebt war. Jeder Einsatz – ob Teilnehmende oder Spender – wurde händisch erfasst. „Die Stapel häuften sich dann am Tag der Rallye bei uns Veranstaltern und wir mussten sie unter Zeitdruck abarbeiten“, erinnert sich Goebel. Ein enormer Aufwand bestand außerdem im Versenden der vielen Spendenbriefe – natürlich ganz klassisch per Post. „Ich war schon damals der Meinung, dass eine Software diese bürokratischen Hürden verbessern müsste“, fährt er fort. Sein Konzept für eine entsprechende App habe sein früherer Arbeitgeber jedoch abgelehnt, erzählt der Informatiker. Als auch sein Hilfseinsatz im peruanischen Lima nicht den gewünschten persönlichen Erfolg brachte, gründete er 2018 die Deerstone GmbH und konnte dadurch gemeinnütziges Engagement und IT-Know-how in eigenen Projekten bündeln.
Uns als Deerstone GmbH ist es wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Mut zur Eigeninitiative

Als Marc Steffens, erster Mitarbeiter und heutiger Mitgeschäftsführer, in das neu gegründete Unternehmen einstieg, stand zunächst das klassische Dienstleistungsgeschäft im Fokus – auch wenn das eigentliche Ziel die Produktentwicklung blieb. Goebels Vision von einer Softwarelösung für die administrativen Aufgaben bei Spendenevents ließ ihn nicht los, sodass die Gründer selbst die Initiative ergriffen. „Neben den laufenden Dienstleistungsprojekten haben wir ab 2018 einen Tag im Monat in die App-Entwicklung gesteckt“, berichtet Goebel von den minimalen Ressourcen, die anfangs in das Projekt geflossen sind. Der Einsatz sei zunächst auf die Anforderungen des CVJM gemünzt gewesen, aber von Anfang an dafür konzipiert, auch für andere Organisationen einsetzbar zu sein. Nach dem erfolgreichen Live-Test bei dem CVJM-Spendenlauf im Jahr 2019 schlossen sich mehrere christliche Vereine an – die Plattform „Charity Move“ expandierte schnell in das gesamte Bundesgebiet. „Mittlerweile betreuen wir mit ‚Charity Move‘ Spendenevents von gemeinnützigen Organisationen aller Art mit einem generierten Spendenvolumen im siebenstelligen Bereich“, bestätigt Steffens den schnell gewachsenen Wirkungskreis der Software, die neben einer browserbasierten Plattform auch als App verfügbar ist. In der aktuellen Hochsaison für Spendenevents verzeichnet das Unternehmen mehrere Neuanfragen pro Woche. Für das Gesamtjahr 2026 prognostizieren die Unternehmer die Unterstützung von rund 100 Veranstaltungen und einem bewegten Spendenvolumen von circa einer Million Euro. Bemerkenswert ist dabei die Wachstumsdynamik, denn seit dem Start der Plattform verdoppelt sich das Spendenvolumen jährlich – und das ohne aktives Marketing. Ein Grund für die beiden Geschäftspartner, dem anfänglichen Projekt eine nachhaltige Organisationsstruktur zu geben. Im November 2025 folgte daher die Gründung des eigenständigen Vereins Charity Move e. V. – damit eingehend sicherten sich die Braunschweiger auch die Markenrechte: „Charity Move“ ist inzwischen ein offiziell eingetragener Produktname.

Einen Haken gibt es nicht

Die digitale Spendenplattform bietet ihren Nutzern und Nutzerinnen erhebliche administrative Erleichterungen: Jedes Event erhält durch eine eigene Projektseite Sichtbarkeit, während die Akquise von Teilnehmenden und Spendern digital unterstützt wird. Zudem laufen die Zahlungsabwicklung sowie der Versand von Spendenbescheinigungen vollautomatisch im Hintergrund. Ergänzend übernimmt „Charity Move“ auch den digitalen Versand von Spendenbriefen und Teilnehmerurkunden. Was nach einem perfekten Geschäftsmodell klingt, hat einen entscheidenden Unterschied: Die Nutzung ist für gemeinnützige Organisationen komplett kostenlos. Einen Haken? Gibt es nicht! Auch wenn Sebastian Goebel schon den einen oder anderen Anrufer von der Uneigennützigkeit des Angebots überzeugen musste, wie er schmunzelnd berichtet. „Uns als Deerstone GmbH ist es wichtig, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Viele Unternehmen gehen diesen Weg über Spenden, aber wir halten es für sinnstiftender, wenn wir etwas mit unseren Händen erschaffen, was der Gesellschaft zugutekommt. Und das, was wir am besten können, ist Softwareentwicklung. Unser großer Vorteil ist, dass jeder Code, jedes Feature millionenfach verwendet werden kann. Geld lässt sich nur einmalig spenden“, erklärt der 45-Jährige die dahinterstehende Vision. Co-Geschäftsführer Marc Steffens, der vor allem einen Blick auf die Unternehmenszahlen hat, führt aus, dass kommerzielle Anbieter solcher Plattformen sieben bis zehn Prozent der Spendeneingänge für ihre Dienstleistungen berechnen. „Dies wollten wir umgehen und uns voll und ganz dem Charity-Aspekt verschreiben. Unser Ziel ist, dass 100 Prozent der Spenden ankommen.“ Um die Deerstone GmbH und „Charity Move“ sauber voneinander zu trennen und das Projekt auf eigene Füße stellen zu können, sei das richtige Vehikel mit der Vereinsgründung nun gefunden. Auf diese Weise können zufriedene Nutzerinnen und Nutzer die Idee der Event-Plattform auf freiwilliger Basis sogar finanziell unterstützen. Und Spenden, Päckchen mit kleinen Aufmerksamkeiten sowie Dankesbriefe kämen durchaus an, so die gesellschaftlich engagierten Unternehmer. Das Feedback ist durchweg positiv – wer einmal „Charity Move“ getestet hat, bleibt dabei. Das betrifft vor allem Organisationen, die vorher eine kommerzielle Lösung genutzt haben. Dies unterstreicht wiederum den Anspruch, den die beiden an die Software haben: Die Zufriedenheit der Anwender mit dem Produkt ist ihr größter Antrieb.

Einzige Bedingung: Gemeinnützigkeit

Die spürbar freundschaftliche Verbundenheit der beiden Geschäftsführer reicht zurück bis in gemeinsame Angestelltentage und spiegelt sich heute in einer klaren Aufgabenverteilung wider. Während Marc Steffens zusammen mit den 11 Mitarbeitenden das operative Tagesgeschäft der Deerstone GmbH steuert, liegt der Support für die Spendenplattform fast ausschließlich in den Händen von Sebastian Goebel: „Marc hält mir den Rücken frei“, betont er die partnerschaftliche Arbeitsteilung. Das Engagement für die Plattform ist für ihn längst zur Herzensangelegenheit geworden: „Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich nur noch das machen“, fügt er hinzu, was beide mit einem herzlichen Lachen quittieren. Diese persönliche Note zieht sich nicht nur durch die Unternehmensphilosophie, sondern ist auch fester Bestandteil des Konzepts von „Charity Move“: Eine automatisierte, anonyme Registrierung ist nicht möglich.
Wir haben uns voll und ganz dem Charity-Aspekt verschrieben. Unser Ziel ist, dass 100 Prozent der Spenden ankommen.
„Das Kennenlernen der Veranstalter und Projekte ist uns sehr wichtig“, erklärt Goebel. Jede Kooperation basiert auf einem persönlichen Erstgespräch. Dabei prüft er, ob die Events einen klaren ideellen Wert transportieren und die Spenden nachweislich bei einer gemeinnützigen Organisation landen. „Das ist unsere Bedingung, weshalb wir die Leistung überhaupt kostenlos anbieten“, stellt Goebel klar. Dass immer ein Veranstaltungscharakter damit einhergehen muss, sodass „Menschen wieder persönlich vor Ort zusammenkommen, haben wir außerdem in unsere Satzung aufgenommen. Das ist uns sehr wichtig“, ergänzt Steffens. Neben traditionellen Benefizläufen waren schon viele kreative Ideen dabei: So sammelte eine Liegerad-Fahrerin kilometerbasierte Spenden im Kampf gegen eine Erkrankung, während bei einem anderen Event das Gesellschaftsspiel „Twister“ im Mittelpunkt stand und die finanzielle Unterstützung für jeden erfolgreich absolviertem „Twist“ erfolgte.

Unternehmerisch denken, uneigennützig helfen

Nachhaltig in Erinnerung geblieben sei den Trägern des IHK-Sozialtransferpreises vor allem ein Spendenlauf in Indien. Bei dem vom Kinderhilfswerk CMD organisierten Event traten über 1000 Waisenkinder für ihre eigenen Einrichtungen an – jeder erlaufene Kilometer gefördert durch die dazugehörigen Paten. Das Besondere? Die Kinder durften das Spendenziel selbst wählen und so standen neben neuen Betten und Matratzen auch Spielsachen auf der Wunschliste. „Das Projekt hat die Mündigkeit der Kinder gefördert und verwandelte sie von Empfängern zu aktiven Gestaltern“, hebt Goebel hervor. Dass bei solchen Projekten am Ende tatsächlich jeder Cent genau dort ankommt, wo er gebraucht wird, garantiert das kostenfreie Modell der Plattform. Natürlich hat das Informatiker-Duo weitere Ideen, wie man die Plattform noch funktionaler und nutzerfreundlicher gestalten kann. Erst vor Kurzem haben sie eine verbesserte Payment-Lösung gefunden: Künftig werden die Spendeneingänge über das Konto von Charity Move e. V. laufen, welches mit der Software verknüpft ist. So können die Zuwendungsempfänger die Transaktionen live verfolgen, erhalten die Gesamtsumme aber nach dem Event in einer Überweisung. Darüber hinaus übernimmt die Plattform den Versand der automatisierten Spendenbescheinigungen, was die Veranstalter erheblich entlastet. Das automatisierte Rundenzählen ist hingegen eine offene Baustelle, da das Bluetooth-Protokoll der Smartphones aktuell noch an technische Grenzen stößt.
Aber auch hierfür werden Sebastian Goebel und Marc Steffens einen Weg finden, denn die beiden Sparringspartner ergänzen sich in jeder Hinsicht und tragen den ‚Non-Profit-Gedanken‘ fest in ihrer DNA. „Auch wenn es manchmal wehtut“, scherzt Steffens mit Blick auf die rund halbe Million Euro an Personalkosten, die in den vergangenen acht Jahren in die Entwicklung ihrer Idee geflossen sind. Das rückt aber zweifelsohne in den Hintergrund, wenn der 38-Jährige an die sinnstiftende Arbeit denkt, der er nachgeht. So zeigen die Braunschweiger IT-Experten, dass moderner Unternehmergeist und soziale Verantwortung keine Gegensätze sind und liefern damit ein herausragendes Beispiel für den engagierten Mittelstand in unserer Region.
6/2026